Scheinheilig

Caritas-Arbeitgeber zerstören Hoffnung von hunderttausenden Pflegekräften auf bessere Bezahlung

verdi

Beschäftigte aus der privaten Altenpflege sind wütend über die Entscheidung der arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas, die einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die Altenpflege nicht zugestimmt hat. Dieser Tarifvertrag hätte Mindestbedingungen für Beschäftigte in nicht tarifgebundenen Altenpflegeeinrichtungen geschaffen, ohne die eigenen Regelungen der kirchlichen Einrichtungen oder bestehende Tarifverträge zu gefährden.

Das ver.di-Netzwerktreffen Altenpflege in Bamberg vertritt eine klare Meinung: „Die Haltung von Caritas und Diakonie ist ein Schlag ins Gesicht von hunderttausenden Beschäftigten in der Altenpflege, die unter oft schwierigen Arbeitsbedingungen mit zu niedrigen Löhnen eine gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit leisten“, erklärte Margit Spiegel, ver.di-Mitglied aus der Altenpflege. „Dabei sprechen wir von Kolleginnen und Kollegen, deren Einkommen so niedrig sind, dass sie oftmals gezwungen sind, Zweitjobs anzunehmen, oder Kredite aufzunehmen, wenn mal die Waschmaschine kaputtgeht oder das Auto in die Werkstatt muss. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sind für viele ohnehin ein Fremdwort. Die von der Kirche beanspruchten Sonderrechte werden als einziges Argument genannt um Dumpinglöhne in privaten Pflegeeinrichtungen zu festigen. Statt ihre christlichen Werte ernst zu nehmen, stützen Caritas und Diakonie damit Profitmacherei auf Kosten der Beschäftigten.“

Die Gewerkschaft ver.di hatte mit der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) einen Tarifvertrag mit Lohnsteigerungen oberhalb des Mindestlohnniveaus vereinbart, den der Bundesarbeitsminister für allgemeinverbindlich erklären wollte. Hierzu wäre eine Zustimmung der kirchlichen Träger nötig gewesen. „Die Entscheidung der Caritas ist mehr als scheinheilig. Niedriglöhne und unzureichende Arbeitsbedingungen in der Altenpflege sind nicht länger hinnehmbar und in Zeiten der Corona-Pandemie besonders skandalös. Leidtragende sind neben den Beschäftigten auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Altenpflegeeinrichtungen. Daher werden wir auch weiterhin für eine bessere Bezahlung, verbindliche Vorgaben für genug Personal und eine solidarische Pflegegarantie eintreten,“ fügt ver.di Gewerkschaftssekretärin Magdalene Waldeck hinzu.

Neben der Gewerkschaft und der Initiative „Gesundheit statt Profit“ unterstützen auch solidarische Beschäftigte der Caritas bundesweit den Protest der Altenpflegekräfte.

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