Große Ausstellung in Nürnberg zur spätgotischen Kunst

Andreas Reuß
Eröffnung mit Präsentation in der Sebalduskirche. Foto: Andreas Reuß

„Michael Wolgemut: Mehr als Dürers Lehrer“ lautet der Titel einer geradezu sensationellen Ausstellung, die jetzt in Nürnberg eröffnet wurde. Die Kuratoren, Veranstalter und beteiligten Wissenschaftler aus der ehemals Freien Reichsstadt sowie von zahlreichen weiteren, altehrwürdigen Institutionen zeigen bis zum 22. März 2020 eine ganze Palette an spätgotischer Kunst in und um Nürnberg. Ausstellungsorte sind unter anderem das Germanische Nationalmuseum, Sankt Lorenz, Sankt Sebald und die Schwabacher Stadtpfarrkirche.

Man weiß oft nicht, welche Tafelmalerei auf einem Flügelaltar oder welche Schnitzerei bzw. Glasmalerei dem einen oder anderen Künstler einer bestimmten Werkstatt zuzuordnen ist. Doch in dieses Problem haben sich die Forscher nun nicht zu sehr hineingesteigert. Im Vordergrund scheint die Reichhaltigkeit und Vielfalt des künstlerischen Schaffens der Zeit um 1500 in und um Nürnberg zu stehen: die geistige Tiefe, die erreicht wurde. Die theologisch-soziologisch-philosophischen Fragestellungen, die aus der Zusammenstellung der Kunstwerke vieler Künstler ergeben – bis hin zum unübertroffenen Höhepunkt Albrecht Dürer, der freilich wiederum als Meilenstein in der Kunstgeschichte der Menschheit aufleuchtet.

Der aus Bamberg stammende Hans Pleydenwurff war der Lehrer Michael Wolgemuts, in dessen Werkstatt schließlich Albrecht Dürer eintrat. Die Werkstatt Wolgemuts entfaltete dann eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Produktivität. Sie fertigte Zeichnungen, Tafelmalereien, Glasmalereien (in Sankt Lorenz) und Schnitzwerke von höchster Qualität. Höhepunkte der Arbeiten Wolgemuts waren außerdem seine Beiträge als Buchillustrator zur „Schedel’schen Weltchronik“, welche die Ästhetik der Buchherstellung im Grunde bis heute prägen. Das entsprechende Bamberg-Panorama aus diesem Buch ist über die Bayerische Staatsbibliothek München verlinkt, die das Handexemplar Schedels bewahrt:

https://daten.digitale-sammlungen.de/0003/bsb00034024/images/index.html?fip=193.174.98.30&seite=422&pdfseitex=

Die Ausstellungseröffnung war wie von himmlischen Mächten gelenkt; denn man hatte sie zuerst im Ratssaal der Stadt Nürnberg abhalten wollen. Wegen der großen Zahl der geladenen Gäste, die zugesagt hatten, fand die Eröffnung mit Präsentation dann aber in der Sebalduskirche – zwischen Christkindlesmarkt und Kaiserburg – statt. Es war dunkel, die Orgel spielte feierlich, und auf einer Leinwand sah man zu den genialen Vorträgen die Vergrößerungen wunderbarer gotischer Gemälde über dem Altar. Das wird in der Form nicht mehr zu erleben sein.

Sehr empfehlenswert ist das neu erschienene Buch über Michael Wolgemut vom Verlag Schnell & Steiner Regensburg, das rechtzeitig zum 500. Todestag des Meisters am 30. November 2019 erschienen ist.

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