Karl Friedrich Gottlob Wetzel war in Bamberg

Von You Xie

Ehemaliger Stephansberger Friedhof. Foto: You Xie

Das oberhalb der des Kellers „Wilde Rose“ liegende Areal, welches ab 1923 bebaut wurde, stellt den ehemaligen Stephansberger Friedhof dar. Von diesem Bestattungsgebiet ist noch vorhanden das Friedhofskreuz von Wilhelm Wurzer, wie auch die Pfeiler des Einganges.

 

Für Karl Friedrich Gottlob Wetzel gab es eine Gedenktafel in Mittlerer Kaulberg 2 in Bamberg, die leider mittlerweile entfernt wurde. Bestattet wurde er im Stephansberger Friedhof. Das Grab wurde 1971 durch den Remeiskreis wieder kenntlich gemacht. Der Remeiskreis ist ein Zusammenschluss von Personen, die sich der Heimatpflege verschrieben haben.

You Xie am Grab von Friedrich Gottlob Wetzel

Im Jahr 1948 gründete der Zahnarzt Dr. Hans Schneidmadl den Remeiskreis. Schneidmadl war von 1928 bis 1937 Herausgeber des „Bamberger Jahrbuchs“, das sich mit Denkmalpflege, Gegenwarts- und Zukunftsfragen und lokalen Bamberger Anliegen befasste. Dieser Verband, der nach dem bekannten Bamberger Juristen Dr. Carl Remeis benannt ist, widmet sich heimatlichen Belangen und bemüht sich um den Erhalt des Andenkens verdienter Persönlichkeiten.

1971 wurde unter dem Vorsitzenden Rudolf Herd das aufgegebene, aber der Lage nach bekannte Grab des Dichters Karl Friedrich Gottlob Wetzel auf dem ehemaligen Friedhof am Oberen Stephansberg in Bamberg mit einer Grabplatte versehen.

Karl Friedrich Gottlob Wetzel wurde am 14. September 1779 in Budissin, Markgraftum Oberlausitz geboren und verstarb am 29. Juli 1819 in Bamberg. Er war ein deutscher Schriftsteller der Frühromantik.

Wetzel, Sohn armer Tuchmacher, besuchte von 1791 bis 1799 das Gymnasium in Bautzen, studierte von 1799 bis 1801 in Leipzig und von 1801 bis 1803 in Jena Medizin, dann Philosophie. Im Sommer 1803 verließ er Jena, ohne sein Studium beendet zu haben, und wechselte in den kommenden Jahren mehrfach den Wohnort. Dabei lebte er in großer Armut. Anfang 1805 hatte Wetzel endlich das nötige Geld beisammen, um sein Studium abzuschließen. Er wurde als Mediziner in Erfurt promoviert. Wetzel zog 1805 nach Dresden, wo er sich mit publizistischen Arbeiten und öffentlichen Vorträgen über Wasser zu halten versuchte. Am 10. Mai 1806 heiratete er Johanna Heuäcker.

Kaum in Bamberg angekommen, wurde Wetzel mit dem Philosophen Hegel bekannt, auf dessen Empfehlung Wetzel 1809 Nachfolger des Redakteurs des Fränkischen Merkur in Bamberg (vorher Bamberger Zeitung) [1] wurde – eine Position, die er bis zu seinem Tod 1819 innehatte. Als Verfasser patriotischer Kriegslyrik (Aus dem Kriegs- und Siegesjahre Achtzehnhundert-Dreyzehn. Vierzig Lieder, 1815) sowie historischer Dramen (Jeanne d’Arc, 1817; Hermannfried, letzter König von Thüringen, 1818) blieb er auch in diesen Jahren literarisch tätig; mit der Bearbeitung der Mythen der Völker (1806-12) erwuchs zudem Wetzels epische wie lyrische Balladenpoesie.

Zu seinen Bamberger Bekannten zählte u.a. der Schriftsteller E. T. A. Hoffmann, den er als „Komet der Geisterwelt mit sehr excentrischer Bahn“ bezeichnete (Brief an Frau von Voigt v. 14. Juli 1818), aber auch Friedrich Rückert, für dessen Deutsche Gedichte (1814) er sich gegen die preußenfeindliche bayerische Regierung einsetzte. Darüber hinaus war er mit dem Dichter Jean Paul persönlich verbunden. Dieser wurde zum obersten Kritiker seiner Dichtungen und nach Wetzels Tod zu dessen Nachlassverwalter bestellte. [2]

In die Literaturgeschichte ist Friedrich Gottlob Wetzel als mutmaßlicher Verfasser der pseudonym veröffentlichten Nachtwachen des Bonaventura (1804) eingegangen.

Wetzel war bekannt mit Kleist, für dessen Zeitschrift Phoebus er 1808/09 Beiträge lieferte, befreundet seit gemeinsamen Studienzeiten mit Gotthilf Heinrich Schubert, in Bamberg später mit Carl Friedrich Kunz und E. T. A. Hoffmann.

Zwischen 1808 und 1809 legten königliche Edikte den Grundstein für eine landesweite evangelisch-lutherische Kirche in Bayern.

Im Totenbuch der Bamberger Stephansgemeinde ist der Name eines Verstorbenen verzeichnet, Karl Friedrich Gottlob Wetzel, über dessen Konfessionszugehörigkeit sich die Kirchen stritten.

Ho, ho! Hat man mich so missverstehen können? Nein, nie, nie werde ich von meinem Glauben wanken.“ Das soll Karl Friedrich Gottlob Wetzel im Sommer 1819 in Bamberg ausgerufen haben, als er krank im Bette lag. Es war drei Wochen vor seinem Tod. Das Gerücht ist aufgekommen, und die halbe Stadt spricht davon, der protestantische Zeitungsredakteur sei plötzlich katholisch geworden. Wetzel aber tut seinem Pfarrer und über ihn der Öffentlichkeit kund: „Ich bin nach wie vor der evangelischen Religion zugetan und verlange, dass Sie mir das heilige Abendmahl reichen.“

Pfarrer Johann Billmann aus Walsdorf bezeugt Wetzels Worte vor der Königlichen Bezirksregierung in Bayreuth, denn es gibt eine Untersuchung. Seit wenigen Jahren erst hat Bamberg eine protestantische Gemeinde; das königlich-bayerische Ministerium des Innern schuf die Voraussetzungen. Und nun sieht sich die evangelische Minderheit der Stadt mit einem ärgerlichen Gerücht konfrontiert: Einer der ihren, prominenter Redakteur des Fränkischen Merkur, übergelaufen!

Aus Walsdorf eilt der evangelische Pfarrer herbei, um die Konfession des Kranken und mit ihr die Interessen aller Bamberger Protestanten zu schützen. Das Örtchen Walsdorf, zehn Kilometer außerhalb der Stadt, ist schon seit Jahrhunderten evangelisch, seit der streitbare Grundherr Wolf von Krewelsheim den jungen Martin Luther zum Kaiser nach Worms begleitet hat und ihm dort auch zur Flucht verholfen haben soll. Die wenigen Evangelischen in Bamberg wurden stets von Walsdorf aus betreut. [3]

Am 29. Juli 1819 starb Wetzel. Er wurde auf dem Stephans-Friedhof auf der ersten Terrasse des Stephansbergs beerdigt. Der evangelische Pfarrer war es, der den Leichnam zu Grabe trug.

Ehemaliger Stephansberger Friedhof. Foto: You Xie


Quellenangaben:

[1] Die Bamberger Zeitung ist eine Tageszeitung, die im oberfränkischen Bamberg erscheint.Das erste Mal erschien die Bamberger Zeitung im Jahre 1791. Ab dem 18. Dezember 1809 erschien sie bis zum 30. Oktober 1834 als Fränkischer Merkur. Von da an hieß sie nun Bamberger Tagblatt. Die Zeitung befand sich bis 1902 im Eigentum der Familie Reindl, ging dann bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1934 in den Besitz der Familie von Michel über. Die von J. M. Reindl begründete Firma besteht bis heute und ist Teil der Firmengruppe Fränkischer Tag.

[2] Dr. Peter Czoik (Bayerische Staatsbibliothek)

https://www.literaturportal-bayern.de/autorinnen-autoren?task=lpbauthor.default&pnd=118767542

[3] Verfasser: Frank Wairer

http://www.sonntagsblatt.de/news/aktuell/2008_46_14_01.htm