Absage der Sandkerwa: erheblicher Ansehensverlust für die Stadt, den OB und sein Rathaus

Redaktion

Batman in blau. Foto: Christiane Hartleitner

Der Oberbürgermeister war der erste, der von der Absage der Sandkerwa erfuhr, eine Stunde früher als die Standbetreiber. Und gleich im zweiten Satz der städtischen Pressemitteilung (unten) wird die Informationspolitik der Ehrenamtlichen angeklagt. Das ist schlechter Stil.

Bei solch einem Schirmherrn braucht’s keinen Regen

Und zeugt vom zerrütteten Verhältnis, das seit Jahren herrscht. Die Veranstalter bitten seit Jahren, die Stadt möge keine überörtliche Werbung mehr für die Kerwa machen, der Oberbürgermeister solle seinen städtischen Tourismus- und Kongress-Service anweisen, Werbung zu unterlassen: die Kerwa-Gassen seien verstopft, die Tiefgaragen dicht, die Busse sowieso – und mit dem Ansturm der Massen steige das Risiko. Doch die Stadt machte Werbung für „ihre“ Kerwa – ungebremst. Und der Verein sollte zahlen, für noch mehr Beschilderung, für noch mehr Rotes Kreuz, für noch mehr Notärzte und Sanitäter, noch mehr Klohäuschen. Die Kosten haben sich binnen drei Jahren vervierfacht!

In der PM lobt sich die Stadt für die Übernahme von 51.000 €. Die Hälfte hiervon ist der prozentuale Kirchweih-Zuschuss, der auf eine Abmachung von 2001 zurückgeht. Alle Kirchweihfeste erhalten diesen, auch die Events des Stadtmarketings. Die Höhe berechnet sich je nach in 2001 vorhandener Kosten. Doch die enorme Kostensteigerung (die von der Stadt mitverursacht ist) kann von einem ehrenamtlich tätigen Verein nicht gestemmt werden.

Wie ist das mit den Bilanzen?

Nach einem Bericht der WebZet versandte die Stadt Bamberg im vergangenen Monat an die Veranstalter einen Forderungskatalog zur Offenlegung der Finanzen und Bilanzen. Die liegen vor, sie sind sogar öffentlich, wie bei einer GmbH üblich. Doch die Stadt soll sogar den freien Zugang zum Steuerberater gefordert haben. Wollte en detail wissen, welcher Standbetreiber wieviel an Standgebühr entrichtet. Warum reicht der Stadt – für ein Sicherheitskonzept nicht die übliche Gewinn-Überschuss-Rechnung?

Haftung allein bei den Ehrenamtlichen – dabei ginge es auch anders

Auch kann der Oberbürgermeister Ehrenamtliche nicht ins Rathaus zu einem Gespräch zitieren – nach mehrfachen Versuchen, konstruktive Lösungen zu finden. Und einer Bemerkung des Oberbürgermeisters, er habe einen Plan B. Den Vorschlag nach Abriegelung und Eintrittspreisen (von Citymanager Klaus Stieringer) lehnte der Verein ab, die Kerwa sei zum einen kein Event, zum anderen löse es nicht die Haftungsfrage.

Der Verein hatte mehrfach ein Trägermodell ins Spiel gebracht, bei der sich die Stadt vor allem hinsichtlich der Haftungsfragen an der Sandkirchweih beiteiligt. Vorbilder für solche Kooperationsmodelle gibt es dafür genug. Hier hätte der Oberbürgermeister längst aktiv werden können. Der Oberbürgermeister Nürnbergs Maly stieß heute, Freitag in einem Interview des BR2 ebenfalls in dieses Horn und empfahl ein gemeinsames Trägermodell.

Die Absage ist ein heftiger Ansehensverlust für eine Stadt und seinen Oberbürgermeister als oberster Chef der Verwaltungsbehörde. Auch unter diesem Gesichtspunkt springt ihm sein Freund, Parteifreund und Citymanager Klaus Stieringer bei, unter anderem mit diesem Post eines Kommentars:

Stadtrat Stieringer in einem facebook-Kommentar zur Sandkerwa

Stieringer kennt genau das Prozedere (der OB war der erste, der Kenntnis von der Absage erhielt) und trotzdem teilt der SPD-Fraktionschef. Nein, nicht der Verein macht den Medienrummel, sondern die Stadt selbst – mit allerhand Nebelkerzen zusätzlich. Und ob Stieringer die Sandkerwa veranstalten kann (Frage im FT)?

Die Sandkerwa ist markenschutzrechtlich geschützt. Kein anderer kann dieses Fest veranstalten. Und Ehrenamtliche kann man weder ins Rathaus zitieren und schon gar nicht zum Feiern zwingen. Den Schaden haben die Stadt und ihre Oberen. Biertrinken können die Bamberger auch abseits der Wege.

Pressemitteilung der Stadt Bamberg vom Donnerstag, 4. Mai

Veranstalter der traditionsreichen Bamberger Sandkerwa ist seit 66 Jahren der Bürgerverein 4. Distrikt, der sich seit einigen Jahren der Bamberger Sandkerwa Veranstaltungs GmbH bedient und nicht die Stadt Bamberg. Die Entscheidung des Bürgervereins vom 03.05.2017 „zur Absage“ erfolgte leider ohne vorherige Information an die Stadt. Vielmehr handelt es sich um einen selbstgewählten und unabgesprochenen Weg des Veranstalters.
 
Die Stadt bedauert diese Vorgehensweise und die negative Entscheidung zur Sandkerwa 2017 außerordentlich. Aufgrund der bisherigen Gespräche auf Arbeitsebene gab es keine Anhaltspunkte dafür, dass der Veranstalter die Sandkerwa nicht mehr durchführen wird. Deswegen war die Entscheidung nicht nur bedauerlich, sondern auch überraschend.
 
Selbstverständlich ist allen bewusst, dass jeder Organisator von Großveranstaltungen vor enormen Herausforderungen steht, weil der abstrakten Gefährdungslage mit geeigneten Sicherheitsmaßnahmen begegnet werden muss: Angesichts der Konsequenzen aus tragischen Unglücks- und Katastrophenfällen (Duisburg, Weihnachtsmarkt Berlin etc.) sind die Sicherheitsbehörden bundesweit gehalten, gemeinsam mit allen Veranstaltern geeignete Vorkehrungen zu treffen, um die Besucher zu schützen.
 
Es ist daher die Aufgabe der Stadt Bamberg als Genehmigungsbehörde im wohlverstandenen Interesse der Besucher dafür zu sorgen, dass die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. In den vergangenen Jahren ist es gemeinsam mit den Veranstaltern der Bamberger Sandkerwa immer gelungen, eine vernünftige Verständigung und einen Interessenausgleich herbeizuführen. Selbstverständlich ging die Stadt Bamberg davon aus, dass dies auch bei der Organisation und Durchführung der diesjährigen Sandkerwa gelingen wird, zumal für dieses Jahr keine erhöhten Sicherheitsauflagen im Vergleich zum Vorjahr geplant waren.
 
Es ist und bleibt das Ziel, sowohl die Sicherheit und Ordnung für die Öffentlichkeit zu gewährleisten als auch die Veranstalter bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Aus diesem Grund hat die Stadt Bamberg für das Haushaltsjahr 2017 wieder einen Betrag in Höhe von 51.000 Euro vorgesehen, auch um den Veranstaltern die Finanzierung der gebotenen Sicherheitsmaßnahmen zu ermöglichen.
 
Die Stadt wird alles in ihren Kräften stehende tun, damit die beliebte Sandkerwa 2017 doch noch stattfinden kann. Deshalb hat Oberbürgermeister Andreas Starke unverzüglich reagiert und die Veranstalter zu einem klärenden Gespräch eingeladen, das noch am heutigen Tag stattfinden soll. „Wir wollen nicht übereinander, sondern miteinander reden,“ betonte der Oberbürgermeister.

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Es gibt sie noch, die Sandkerwa-Leckereien: „Hofmann’s Popkorn“ / Es gibt sie noch, die schönen Dinge: das Karussell am Kranen

 

10 Gedanken zu „Absage der Sandkerwa: erheblicher Ansehensverlust für die Stadt, den OB und sein Rathaus

  1. Wenn schon neu organisiert, sollte diese SauBruKo (Saufen, …) Kerwa, die für den Ruf Bambergs scheint’s so wichtig ist, abwechselnd in den diversen Stadtteilen Bambergs stattfinden, das freut sicher manchen Bürger. Die Sandstraße erlebt solche asozialen Zustände mehrfach die Woche.

    • Gibt es dafür vielleicht rechtliche Gründe? In der Pressekonferenz wurde da etwas von „kostenpflichtig“ einsehbar gesagt … und eine gewisse Öffentlichkeit muss eine GmbH wohl ohnehin herstellen, die sollte auch einem Herrn Oberbürgermeister genügen, oder? Oder „liest“ die Bilanz nicht ohnehin der Kämmerer?????

      Ich habe Respekt vor denen, die in ihrer Freizeit etwas für die Allgemeinheit leisten und voranbringen.

      • Kleinstkapitalgesellschaften müssen seit 2012 ihre Rechnungsunterlagen (die sie „abgespeckt“ erstellen können) nicht mehr zwingend der breiten Öffentlichkeit offenlegen. Eine Hinterlegung reicht.

  2. Lieber „Ein Bürger“
    offensichtlich haben Sie sich Ihre Informationen aus verschiedenen Medien zusammengebastelt und sich daraus ein subjektives Bild gemacht. Das kann ich sehr gut verstehen.
    Möglichkeiten, Tatsachen und Gerüchte (neuerdings Fake-News genannt) werden leider immer mehr vermischt.
    Das Engagement dieses „Veranstaltervereins“ geht weit über das normale Maß hinaus. Bitte sparen Sie sich unsachliche Bemerkungen und Unterstellungen.
    Oder würden Sie sich freuen, wenn Sie ehrenamtlich versuchen Ihr Bestes zu geben (vom Zeitaufwand mal abgesehen) und dann auch noch Prügel einstecken müssen?
    Das ist unfair!
    Michael Bosch

  3. Wer keinen Bock mehr hat, darf hinschmeißen. In diesem Fall ist das zudem mehr als nachvollziehbar. Solche Veranstaltungen sind für Bamberg nicht wichtig. Ein Ankämpfen gegen die Zeichen der Zeit ist völliger Blödsinn.

  4. Was für ein tendenziöser Artikel. Warum Ansehensverlust für die Stadt? Der Bürgerverein richtet doch die Sandkerwa aus, wie immer betont wird!

    Wenn es dort verschlafen wurde, durch Standmieten und dezente Werbung die Kosten zu decken oder sich ein paar bezahlte Hilfskräfte für die Buchhaltung anzustellen – was kann die Stadt dafür?

    Für die höheren Kosten ist auch die Stadt nicht verantwortlich, sondern die Loveparade, Berlin, Paris, Brüssel, Ansbach und Würzburg. Schon vergessen? Und die Leitlinien werden von EU und Bund festgelegt. Die Stadt ist da nur ausführendes Organ.

    Vielmehr hört man, dass ein tieferes Engagement der Stadt vom Bürgervereins gar nicht gewünscht wurde. Also bezahlen gerne (dafür bleiben dann halt noch ein paar mehr Straßen in Bamberg-Ost marode – was kümmerts den BV im Sand gell?), aber bitte kein Einfluss oder gar Rechenschaft abgeben. Das würde vielleicht in einem Bananenstaat funktionieren, aber ganz sicher nicht in einer deutschen Stadt!

    Übrigens sind die Besucherzahlen seit 25 Jahren gleich geblieben und haben zuletzt sogar abgenommen.
    Man fragt sich wirklich, wie das die Vorgänger des heutigen Bürgervereins das alles 66 Jahre lang schaffen konnten. Vielleicht ist auch hier der Grund zu sehen – Inkompetenz oder gar ein Burn-Out in der heutigen BV-Generation?

    Im Übrigen ist es eben nicht das Fest des BVs. Es ist das Fest aller Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bamberg! Deswegen meine bescheidene Bürgermeinung: Wenn ihrs nicht mehr könnt, dann macht bitte Platz für diejenigen die es können! (und wollen!)

    • Manchmal wüsste man schon gerne, wer hinter einem Pseudonym steckt …
      „Ein Bürger“ zündelt ein wenig, gibt den Könner, gar den Macher (?), streut Interna – und plant gar im Hintergrund eine „Task-force“? Natürlich nur zur Rettung der Kerwa ….

    • Wenn nicht der wohl besser zu vermeidende Terminus „Bananenstaat“ gefallen wäre, könnte man meinen, dass der Artikel vom Pressestab des OB geschrieben wurde. Ob es in Deutschland wohl seit einigen Jahren eine Bananenstadt mit einer Bananenspitze gibt? Ich hätte da so eine Befürchtung …

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