Dem Raum Gestalt geben

 Christiane Hartleitner

Tobias Kammerer. Foto: Erich Weiß

Die Erzdiözese Bamberg als Eigentümerin überaus bedeutender Kunstwerke der unterschiedlichsten Gattungen aus vielen, vielen Jahrhunderten öffnet erneut den Blick in die Zukunft – und beweist wieder einmal, dass sie Maßstäbe setzen will und kann.

Kurt Schwitters Zitat dient der Erläuterung des Kammerer'schen Ansatzes. Foto: Erich Weiß

Die Sonderausstellung „aktionen des lichts – universen der farbe“ im Diözesanmuseum präsentiert bis 17. November über 80 Werke von Tobias Kammerer – verdient das Präfix „sonder“: ein Sonderfall, denn die Herausforderungen sind enorm und nur mit einem vielseitig begabten Menschen zu lösen. Dementsprechend äußerte sich auch der Leiter des Diözesanmuseums, Holger Kempkens: „Wir sind sehr froh, mit Tobias Kammerer einen Künstler im Diözesanmuseum ausstellen zu können, der ein vielseitiges Werk vorzuweisen hat und der zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern gehört, die auch in Kirchenräumen arbeiten und dabei von ihrer eigenen Religiosität getragen sind“.

Diözesanarchitekt Bergmann vor dem Modell von St. Kunigund in Schnaittach. Foto: Erich Weiß

Kammerers große Stärke ist es, sich der Gesamtheit des Kirchenraums und der Ausstattungsstücke unterschiedlicher Stilepochen anzunehmen und eine Verknüpfung mit modernen Mitteln anzustreben. Wandflächen werden mit Aquarellen in den Gesamtraum eingebunden – die Architektur tritt aus der Funktion der Raumschale heraus und wird zum Bindeglied zur Ausstattung: ein Desiderat, das nun eine Form erhält.

Im Erzbistum Bamberg hat Kammerer schon mehrere Kirchenräume künstlerisch neu gestalten können, darunter beispielsweise St. Kunigund in Schnaittach. „Es ist mir wichtig, dass zeitgenössische Auffassung und Raumbezogenheit zum Ausdruck kommen“, so Kammerer über seine Kirchenraumgestaltungen. „Als Vorsitzender der Kommission für Liturgie und kirchliche Kunst im Erzbistum war und ist es mir ein Anliegen, zeitgenössische Kunst in den Kirchenraum einzubringen“, so Domkapitular Norbert Jung, der Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbistum Bamberg. In enger Abstimmung mit den Kirchengemeinden und unter fachlicher Begleitung durch die erzbischöfliche Bauabteilung konnten bereits einige umgesetzt werden. In Schnaittach gelang es, eine Verknüpfung von gotischem Ostchor, Ausstattungsstücken aus dem 19. Jahrhundert und Umbauten der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts mittels moderner Ergänzung in einen Gesamtkontext einzubinden, der Vorbildfunktion übernehmen dürfte.

Kirchenmodell von Wilhelmsthal St. Josef. Foto: Erich Weiß

Doch nicht nur die Wände, sondern auch die Fenster verlangen nach einer Einbindung. Dank der Experimentierfreude Kammerers gelang es nicht nur in Schnaittach, sondern auch in Wilhelmsthal, eine transparente Luzenz zu erreichen. Die Möglichkeit in Industrieöfen Schmelzfarben großflächig auf Glas zu bannen, somit auf die Bleiruten verzichten zu können, erhebt das farbige Glasfenster in eine Kategorie, die ihr einstmals in mittelalterlichen Kathedralen zustand. Sein innovativer künstlerischer Weg in der Glasmalerei führte Tobias Kammerer an die Spitze der Avantgarde der zeitgenössischen Glaskünstler.

Tobias Kammerer im Kreuzgang. Foto: Erich Weiß

 Kammerers Bilder werden bunte Schatten

Im Kreuzgang. Foto: Erich Weiß

„Jedes der Bilder ist eine Möglichkeit im Universum der Farben und des Lichts“, sagte der Festredner der Ausstellungseröffnung, Wolfgang Urban, ehemaliger Diözesankonservator der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Kammerer  bediene sich einer großen Bandbreite künstlerischer Techniken, die er je nach Aufgabenstellung miteinander kombiniere und in seine künstlerische Sprache umsetze: So arbeite er sowohl auf dem Gebiet der Tafel-, Wand- und Glasmalerei, wie auch im Bereich der Bildhauerei und der Architektur.

Fußboden im Kreuzgang. Foto: Erich Weiß

 Die Ausstellung weitet den Blick auch in die Malerei

Figuren im Kreuzgang. Foto: Erich Weiß

Tobias Kammerers Vielfältigkeit ist eine Herausforderung, der die großflächige Ausstellung im Diözesanmuseum mit anschließendem Kreuzgang gerecht wird. Neben der Arbeiten mit Kirchenräumen folgt die Präsentation der Glasmalerei – wunderbar gehängt im Inneren des Kreuzgangs. Dort nehmen seine großformatigen, freien Arbeiten auf Leinwand Platz, wo sie eine, nur ihnen eigene Korrespondenz mit den mittelalterlichen Steinskulpturen eingehen.

Eine kraftvolle Auseinandersetzung, die beiden gerecht wird – und dem Betrachter ein Genuss!

Bamberger Reiter von Tobias Kammerer. Foto: Erich Weiß

Begleitend zur Ausstellung läuft ein Vortragsprogramm, das einzelne Aspekte der Kunst von Tobias Kammerer vertieft: Außerdem werden zwei Exkursionstage am 12. und 26. Oktober zu den von Tobias Kammerer gestalteten Kirchenräumen in der Erzdiözese Bamberg angeboten, die vom Künstler und den zuständigen Diözesanarchitekten Stefan Bergmann und Sandro Selig begleitet werden.

Zur Ausstellung ist ein 130 Seiten starker Katalog erschienen, der die ausgestellten Werke vorstellt und zum Preis von 19,80 Euro im Diözesanmuseum erhältlich ist.

Die Ausstellung dauert vom 6. September bis 17. November 2013 und ist von Dienstag bis Sonntag von 10 – 17 Uhr zu besichtigen. Jeweils am Sonntag um 14 Uhr wird eine Führung angeboten. Erwachsene zahlen 4 Euro Eintritt, der ermäßigte Eintritt beträgt 3 Euro. Kinder unter 15 Jahren in Begleitung ihrer Eltern haben freien Eintritt.

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