Kritische Anmerkungen zum geplanten „Widerstandsmahnmal“

 Ingo Schüssler

Widerstandsmahnmal. Foto: Stadt Bamberg

Das geplante „Widerstandsmahnmal“ der Willy-Aron-Gesellschaft in Bamberg erscheint als sehr problematisch. Die Stadt Bamberg hat ein Gremium für Kunst im öffentlichen Raum, kurz KIÖR, aus dem Hut gezaubert, um ein Mahnmal im Harmoniegarten zu errichten (hier). Eine klare Grundlage für den Begriff Widerstand scheint nicht vorzuliegen; denn es fehlen weitere Bamberger, die auf ihre Weise in der NS-Zeit „mit ihrem Leben bezahlten“, wie es im Artikel des Fränkischen Tags vom 13.6.2013, S. 13 heißt. Andere haben deutlicher Widerstand geleistet als die Genannten und konnten sich gerade noch retten. Wieder andere mussten ihren Widerstand bzw. ihre Fahnenflucht in Bamberg mit ihrem Leben bezahlen, waren selbst aber keine Bamberger. Stauffenberg war kein gebürtiger Bamberger, leistete hier an diesem Ort auch weiter keinen Widerstand und wurde in Berlin erschossen.

Der genannte Artikel – der wohl inhaltlich aus der Richtung der Initiatoren des Denkmals herkommt – ist historisch zumindest korrekturbedürftig, wenn man keine bewusste Geschichtsfälschung unterstellen mag. Wenn es heißt: „Am 5. März 1933 wählte eine große Mehrheit der Deutschen die NSDAP“, dann klingt das nach absoluter Mehrheit und freien Wahlen. Beides ist falsch. Die NSDAP erreichte nur 43,9 % der Stimmen derjenigen, die zur Wahl gingen oder gehen konnten. Viele Menschen standen nach der sog. „Machtergreifung“ Hitlers am 30.1.1933 schon unter dem konkreten bzw. inneren Druck der Staatsmacht, die ab dem 4.2.1933 und dem 28.2.1933 mit „Notverordnungen“ herrschte. Insofern waren die Wahlen nicht das allein herausragende Datum, die anderen Angaben müsste man zumindest auch anführen. Entscheidend war dann letztlich das „Ermächtigungsgesetz“ vom 24. März 1933.

„Bücher, welche nicht im Sinne des Nationalsozialismus waren, wurden verbrannt“ ist eine undifferenzierte Verallgemeinerung. Viele Menschen konnten sich noch lange mit Büchern bilden, die nicht in diesem Sinne „linientreu“ waren, nach Zeugenaussagen insbesondere in Bamberg. Außerdem wurden bei Bücherverbrennungen immer nur einzelne Bücher symbolisch verbrannt, an anderer Stelle blieben viele Exemplare durchgehend erhalten oder konnten sogar aus dem Ausland bezogen werden. (Populäre) Kunst und Wissenschaft werden hier merkwürdigerweise mit keinem Wort erwähnt. Der Widerstandskreis der „Weißen Rose“ las bis 1943 mitten in München Werke völlig anderer Provenienz.

Die Aussage „Auch Bamberg war in faschistischer Hand“ widerspricht in seiner Allgemeinheit geradezu dem Vorhaben des „Widerstandsdenkmals“. In Franken allgemein war der Stimmanteil der NSDAP nicht über 50 %, wohingegen er in Ostpreußen, Vorpommern und in Teilen Brandenburgs über 55 % lag. Bamberg war eine Art Schwerpunkt der Nazis, wo sie von den abgegebenen gültigen Stimmen (33.216) 15.469 erhielten, auf die SPD entfielen 5.125.

Andererseits wirkt das Denkmal, wäre es aufgestellt, als sei in Bamberg damals der Widerstand vorherrschend gewesen. Es wäre nur gerechtfertigt, wenn man auch auf die vielen Bürger hinweisen würde, welche nicht aktiven Widerstand leisteten, sondern hier schon überraschend früh die NSDAP mit aufbauten und aktiv Menschen um ihr Leben brachten, zum Beispiel im Fall von Willy Lessing oder Hans Wölfel. Die entsprechende Anzeige gegen Letzteren, die am Ende zu seiner Enthauptung führte, wäre in keiner Weise nötig gewesen. Es herrschte eine gesellschaftliche Stimmung, die Denunziationen begünstigte.

Stauffenberg leistete seinen Widerstand kaum in Bamberg und wurde nicht „wegen“ seines Scheiterns zum Tod verurteilt, wie es in dem Artikel heißt, sondern wegen der Vorbereitung und Durchführung des Attentat-Versuchs.

Der Stil des „Widerstandsdenkmals“ erscheint unangemessen, genauso wie die Stelle, an der es errichtet werden soll. Der zitierte „braune Sumpf“ wird als solcher gar nicht erkennbar und erscheint, gelinde gesagt, höchst unangemessen. Im Harmonie-Garten wird zudem eine falsche, spießbürgerliche Art von Ästhetik hergestellt, die nach diversen Autoren eine der kulturgeschichtlichen Strömungen war, die zur Ideologie des Nationalsozialismus geführt hat. Die Umgebung wirkt zusammen mit dem Widerstandsdenkmal wilhelminisch. Die halbe Kreisform erweckt den Eindruck einer Zusammengehörigkeit oder gar Zusammenarbeit der Dargestellten, die nicht vorhanden war. Die Köpfe und Stelen haben etwas Statuarisch-Gleichförmiges, ja fast Militaristisches, das ebenfalls nicht zu den Motiven passt, die bei den drei sehr divergierten, was auch nicht ausgedrückt wird. Die Einzigartigkeit der persönlichen Profile wird nicht dargestellt.

Außerdem hat der Stadtrat keine richtige Entscheidungs-Alternativen. Alles wird ihm nur vorgesetzt: Die Frage, ob ein solches Denkmal überhaupt kommen solle, wurde dort noch nicht diskutiert, es fand keine künstlerische Ausschreibung statt und die Wahl der Lokalität steht ohne Alternativen da. Es wurde kein Gutachten erstellt und Erfahrungen aus anderen Städten wurden nicht eingeholt und ausgeführt. Gerade in diesem Fall wäre aber ein demokratischeres Vorgehen nötig gewesen.

Ein Gedanke zu „Kritische Anmerkungen zum geplanten „Widerstandsmahnmal“

  1. Das Denkmal ist in der oben gezeigten Form ein einfaches und daher der hier kritisierte fehlende Aufwand bei der Planung leider nachvollziehbar. Die Kritik ist in weiten Teilen eine schöne Ergänzung aber besonders gestoßen habe ich mich bei diesem Teil der Kritik:
    „Im Harmonie-Garten wird zudem eine falsche, spießbürgerliche Art von Ästhetik hergestellt, die nach diversen Autoren eine der kulturgeschichtlichen Strömungen war, die zur Ideologie des Nationalsozialismus geführt hat. Die Umgebung wirkt zusammen mit dem Widerstandsdenkmal wilhelminisch. Die halbe Kreisform erweckt den Eindruck einer Zusammengehörigkeit oder gar Zusammenarbeit der Dargestellten, die nicht vorhanden war. Die Köpfe und Stelen haben etwas Statuarisch-Gleichförmiges, ja fast Militaristisches, das ebenfalls nicht zu den Motiven passt, die bei den drei sehr divergierten, was auch nicht ausgedrückt wird.“
    „Falsche, spießbürgerliche Ästhetik“. „Falsch“ in einer Kritik um ästhetische Maßstäbe zu verwenden halte ich für etwas schwierig, denn für mich ist dieser Stil durch seine klare Formsprache ‚richtig‘. Der davor von Ihnen erwähnte Vorwurf das man durch diesen Stil ja die Formsprache des Nationalsozialismus nutzt, finde ich ähnlich unpassend. Die vom NS genutzten Formen waren schon vor ihrer NS-Verwendung da und haben ihr künstlerisches, eigenes Wesen das nicht zwangsläufig in den NS führt. Wenn an Personen erinnert werden soll möchte ich in deren Antliz schauen und nicht in irgendwelche abstrakten und verzerrten Formen die mehr den Künstler als die Person würdigen.
    So gesehen ist diese „Widerständler-Zusammenstellung“ eher ein Denkmal („Denk mal an den X und Y“) als ein Mahnmal („Ich ermahne dich, dass…“).

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