Die Passionsspiele in Erl – Die letzten sieben Tage von Jesus Christus

Lanzenstich. Foto: Roman Potykanowicz

Licht aus, Spot an: auf der Bühne gefühlte 100 Darsteller oder gar mehr. Darunter auch viele Kinder, die Jesus von Nazareth bei seinem Einzug in die Stadt Jerusalem auf dem Rücken eines Esels, ja, eines wahrhaftigen Esels, begrüßen und ihm zujubeln wollen.

Das vormalige Passionsspielhaus ist bei einem Brand 1933 zerstört worden. Daraufhin wird der Ort des Geschehens, das „neue“ Passionsspielhaus von Erl, nach den Plänen des Architekten Robert Schuller von 1957 bis 1959 erbaut, das durch seine äußere Form und Akustik besticht. 1.500 Zuschauer finden in dem nicht-beheizbaren Gebäude Platz, so auch am Tage unserer Exkursion mit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Das 1.450-Seelen-Örtchen Erl wirkt zum Großteil an den Aufführungen mit. Allein 600 der Einwohner finden sich auf und hinter der Bühne ein, um zu schauspielern, zu musizieren oder zu soufflieren. Beispielsweise wird die Figur des Jesus von drei verschiedenen Schauspielern dargestellt, von Florian Harlander und Erwin Kronthaler sowie von Harald Osterauer als auferstandener Jesus. Besonders die beiden Darsteller des lebenden und sterbenden Jesus überzeugen durch ihre Fähigkeiten auf der Bühne, zum Einen die Stimme so zu erheben, dass jeder Zuschauer im Saal sie versteht, zum Anderen durch die eindrucksvolle schauspielerische Leistung. Mir persönlich ist besonders die Leistung des Jesus am Kreuz aufgefallen, so makaber das jetzt auch klingen mag, doch der Schauspieler verkörpert den toten Jesus nahezu perfekt. Mancher Schauspieler in Hollywood wäre gelb vor Neid geworden, liebe Leserinnen und Leser.

Felix Mitterer, der den Text für die diesjährigen Jubiläumsspiele zusammenstellte, legt einen besonderen Fokus auf die Frauen im Stück, vor allem auf Maria Magdalena und die Mutter Jesu, Maria. Der Regisseur, Markus Plattner, setzt diesen Fokus gekonnt in die Tat um und überrascht die Zuschauer mit einer modernen Inszenierung. So lässt er zum Beispiel in der Szene, in der Jesus die Händler aus dem Tempel vertreibt, Börsenkurse in neon-grün über die Wände des Passionsspielhauses laufen, die die Bewegungen im Tempel nochmals verstärken. Auch die Projektion des Auges als mögliche Verkörperung von Gott hält als modernes Element Einzug in die diesjährigen Spiele.

Ich bin, neben der Mehrheit der Zuschauer, angetan von den Ideen und ihren Umsetzungen. Wie schon erwähnt glänzen besonders die Hauptdarsteller in ihren Rollen und machen das Schauspiel zu einem beeindruckenden und unvergesslichen Erlebnis.

Die Spiele werden noch bis 5. Oktober 2013 aufgeführt. Infos unter www.passionsspiele.at.

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