„Wie Raubtiere in der Arena“

Anna Mohr

So bezeichnete Jenny Erpenbeck am vergangenen Mittwoch ihre Figuren in dem Theaterstück Katzen haben sieben Leben, aus dem sie vorlas. Das mag zuerst ein wenig verwundern, mich zumindest hat es verwundert, doch Frau Erpenbeck machte das ganz wunderbar und nahm die Zuhörer mit in die Welt des Dramas und der Oper.

Das Stück Katzen haben sieben Leben entstand aufgrund eines Inszenierungsauftrags und enthält zwölf Handlungen, die jeweils von zwei Schauspielerinnen, A und B, dargestellt werden. Unter anderem tauchen da eine Lehrerin und ihre Schülerin, eine Mutter und ihre Tochter, eine Herrin und ihre Dienerin, eine Großmutter und ihre Enkelin, zwei Freundinnen oder zwei Liebende auf. Für Jenny Erpenbeck war das Schreiben eines Theaterstücks komplettes Neuland und sie musste erst lernen, die Figuren, hinter denen sie sich in ihren Romanen und Kurzgeschichten so beharrlich versteckt hatte, gehen und selbst agieren zu lassen.

„Unterbrochen“ wurde die Lesung für einen kurzen Moment von einem vor dem Fenster zwitschernden Vogel, woraufhin Frau Erpenbeck ganz trocken entgegnete, dass das der Vogel sei, den sie habe, er aber ein treuer Zuhörer sei, weil er schon beim letzten Mal anwesend gewesen sei. Das Publikum lachte herzlich über diesen Scherz der Autorin um sogleich wieder gebannt an ihren Lippen zu hängen.

Einen gelungenen Übergang zur Oper lieferte die Schriftstellerin mit zwei verschiedenen Interpretationen eines Liedes zum schönen Monat Mai. Weiterhin überraschte sie die Zuhörer mit der Aussage, dass sie Opernregie studiert hatte. Daher konnte sie uns sehr anschaulich die Verknüpfung von Literatur und Musik aufzeigen, wie in Mozarts Don Giovanni. Dieses Stück bezeichnete sie als eine Collage der Musik mit ganz eigener Ordnung.

So hat jede Figur in ihrem Stück Katzen haben sieben Leben einen eigenen Ton, die Sprache ist sehr verschieden und auch die Stimmen sind sehr verschieden.

Den Abschluss der Lesung bildete ein Lieblingsstück von Jenny Erpenbeck, der Lohengrin von Wagner. Sie spielte uns den Teil des Stückes vor, in dem Elsa von Brabant zum Tod ihres kleinen Bruders befragt wird, dazu aber beharrlich schweigt. Sie finde das sehr faszinierend, ein Stück zu schreiben, in dem eine Figur quasi komplett stumm bleibt, so Frau Erpenbeck am Ende der Lesung. Ich freue mich auf den letzten Termin am 19. Juni, wieder im Erdgeschoss des U2-Gebäudes um 20 Uhr. Wenn auch Sie, liebe Leser, neugierig geworden sind auf diese so vielseitig begabte Frau, dann kommen Sie und lassen sich von ihren Worten verzaubern. Man darf gespannt sein, womit uns Frau Erpenbeck das nächste Mal überrascht.

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„Ein Buch ist eine Maske …

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