Stechert-Arena sucht neuen Namenssponsor

Jérôme Grad

Stechert-Arena. Foto: Jérôme Grad

Nachdem in den vergangenen Tagen der Rückzug der Stechert Stahlrohrmöbel GmbH aus dem Namenssponsoring für die Multifunktionshalle in Bamberg bekannt wurde, muss die Stadt Bamberg einen neuen Sponsor finden.

Franz Stegner enttäuscht über Vertrauensbruch

Dabei hätte sich die Stadt Bamberg diese Suche sparen können, glaubt man den Aussagen von Franz Stegner, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Denn seitens der Stechert GmbH war man zu einer weiteren Zusammenarbeit über September 2013 hinaus bereit. Umdenken ließ den 75-jährigen die „zahlreichen Gerüchte über das Namenspatronat der Bamberger Stechert Arena“. Entgegen der in den letzten drei Jahren gewonnenen Vertrauensbasis seien in seinem Rücken mit anderen potenziellen Sponsoren sprochen worden. Und das obwohl man gerne den Kontrakt verlängert hätte. Ende 2012 sei hierfür ein Vorschlag seitens der Stechert GmbH an die BAB Bamberg Arena Betriebsgesellschaft mbH, dem Tochterunternehmen der Stadt Bamberg unterbreitet worden. Doch statt einer angestrebten Einigung bis Weihnachten wurde Stegner immer wieder vertröstet. Bis jetzt. Nun hat er das Blatt des Handelns selbst in die Hand genommen und angekündigt den Vertrag nicht mehr zu verlängern.

Bürgermeister Hipelius verwundert über Rückzug

Seitens der Stadt nahm man diese Ankündigung mit Bedauern auf. Bürgermeister Werner Hipelius nahm mit Verwunderung vom Rückzug Kenntnis, „da wir mitten in den Verhandlungen waren und ich nicht den Eindruck gewonnen haben, dass wir uns in einer Sackgasse befinden. Es ist kein guter Stil, den Abbruch der Verhandlungen seinen Partnern über die Medien mitzuteilen.“

Zudem wies Hipelius den Vorwurf, Inhalte der Verhandlungen seien öffentlich gemacht worden, für die Stadt Bamberg strikt zurück. „Herr Stegner wusste, dass sein Angebot nicht zufriedenstellend war und wir auch mit anderen Interessenten verhandeln.“ Von Seiten der Stadt sei es aber legitim, mit anderen Interessenten zu sprechen, um das bestmögliche Ergebnis für Bamberg zu erzielen. Stegner sei darüber informiert gewesen, dass auch mit anderen Interessenten verhandelt werde, so heißt es in der Pressemitteilung.

Ebenfalls überrascht wirkten der Geschäftsführer der BAB Bamberg Arena Betriebsgesellschaft mbH Horst Feulner und Brose Basket-Geschäftsführer Wolfgang Heyder, die in einer gemeinsamen Stellungnahme betonten: „Aus unserer Sicht waren diese Verhandlungen bei weitem noch nicht abgeschlossen, deshalb möchten wir uns gegen die vorgebrachten Vorwürfe des Vertragsbruchs im Sinne fehlender Loyalität und unserer Verschwiegenheitspflicht verwahren.“ (http://www.infranken.de/regional/bamberg/Stechert-Chef-Franz-Stegner-ist-stinksauer;art212,414802)

Kein Gewinner in dieser Situation

Wer in diesem Fall von offensichtlich mangelnder Kommunikation und Missverständnissen welche Schuld trägt, ob tatsächlich Vertrauen ausgenutzt oder gar missbraucht wurde – scheint nicht endgültig aufzuklären. Zu weit gehen die Meinungen auseinander. Einen Gewinner gibt es in solchen Situationen selten.

Gerüchten zufolge soll Stegner beim neuen Vertragsangebot den sechsstelligen Betrag mit einer Neubestuhlung der Sitze in der Arena verknüpft haben. Somit wäre ein Teil des Geldes nicht in bar ausgezahlt worden. Aus Unternehmersicht ein durchaus legitimer Vorschlag, mit dem sich die Stadt jedoch nicht anfreunden konnte.

Spekuliert werden darf auch, ob der Stadt Bamberg oder der BAB bereits ein anderes, lukrativeres Angebot vorliegt. Wurde Stegner deshalb wochenlang immer wieder vertröstet? Die bereits als Hauptsponsor für das Basketballteam auftretende Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG wird in diesem Zuge immer wieder als möglicher neuer Namenspatron genannt. Bürgermeister Werner Hipelius zeigte sich in jedem Fall zuversichtlich, dass für die Arena rechtzeitig ein neuer Sponsor gefunden wird.

Eine Tatsache jedoch ist unumstößlich. Das Tuch zwischen Franz Stegner einerseits und der Stadt Bamberg sowie der BAB Bamberg Arena Betriebsgesellschaft mbH andererseits ist wohl unwiderruflich zerschnitten. Somit bleiben der Stadt Bamberg und der BAB nun noch maximal knapp sechs Monate für die Suche nach einem neuen Sponsor.

Namen wechsel dich

Nach Jako und Stechert wird die Multifunktionshalle seit 2006 zum dritten Mal ihren Namen ändern. Ein Trend, der sich vor allem für Sportstätten etabliert hat. Für die Aufrechterhaltung des Betriebs ist ein Sponsor heutzutage unumgänglich. Doch bei der Berücksichtigung des neuen Sponsors sollte die Stadt umsichtig sein, zu sensibel ist das Thema, wie das Beispiel in Nürnberg zeigt. Dort wurde der Ausbau des Stadions für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 u.a. mit den Mitteln aus dem Namenssponsoring durch die easyCredit Bank (vor-)finanziert. Als die Bank ihren Rückzug bekannt gab, formten sich Gruppierungen, die dem Stadion einen sponsorenfreien Namen geben wollten (Max-Morlock-Stadion). Dies lehnte die Stadt mit der Begründung ab, ohne die finanzielle Hilfe eines Namenssponsors wären im Haushalt erhebliche Mehrbelastungen zu erwarten. Letztlich fand sich erst kürzlich in Grundig ein neuer Namenspatron.

Allerdings zeigt eine solche Entwicklung einmal mehr die Abhängigkeit der Kommune zu Unternehmen. Am Ende der Vertragslaufzeit muss die Zusammenarbeit neu definiert werden. In manchen Fällen, wie jetzt in Bamberg, wird die Zusammenarbeit beendet. Dann beginnt die Suche nach einem neuen Unternehmen. Die Multifunktionshalle bleibt, der Name ändert sich. Eigentlich nicht wirklich schlimm. Hauptsache die Veranstaltungen finden weiterhin im selben Maße statt.

Dennoch: es bleibt ein fader Beigeschmack, wenn sich alle paar Jahre der Name ändert. Zu sehr erinnert es an eine „Bäumchen-wechsel-dich“-Mentalität. Nach dem Motto: Ich bin Unternehmer, erlange durch das Namenssponsoring einen höheren Bekanntheitsgrad. Wenn ich diesen entsprechend ausgeweitet habe, kann ich mich aus dem Sponsoring zurückziehen. Marketingtechnisch unanfechtbar. Die Stadt jedoch muss überlegen, ob und in wie weit sie bei solchen Gedankenspielen mitmachen möchte. Ein längerfristig angelegter Vertrag wäre eine Möglichkeit, diesem Trend teilweise entgegenzuwirken.

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