Bestes Wetter zum Vatertag …

Bestes Wetter zum Vatertag – womit einer Klärung der Frage „Wann ist der Mann ein Mann?“ meteorologisch nichts entgegen steht

Fritz Froschelmann

Auf den 40. Tag nach Ostern fällt das christliche Fest ,Christi Himmelfahrt’, volkstümlich bekannter als ,Vatertag’ bzw. ,Männertag’ oder gar ,Herrentag’ (so die ostdeutsche Bezeichnung). Die merkwürdigen, gleichwohl bei einer Teilgruppe von Männern konstant beliebten Rituale des Vatertagfeierns mit Bier und Bollerwagen haben sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin herausgebildet, wobei es im Wesentlichen um die Initiation der Jungmänner in die (Un-)Sitten von Männlichkeit ging. So ist es nur konsequent, dass an diesem Tag statistisch wesentlich mehr Schlägereien als sonst zu verzeichnen sind. Auch so kann jene philosophische Frage beantwortet werden, die bekanntlich dann Grönemeyer auf den Punkt gebracht hat: Wann ist der Mann ein Mann?

Die Vatertagsbewegung stammt übrigens – wie Halloween – aus den USA; nach langem Einsatz verschiedener Aktivisten (seit 1910!) erhob Richard Nixon den ,Vatertag’ endlich 1972 zum offiziellen Feiertag. In Deutschland ist Christi Himmelfahrt seit 1934 gesetzlicher Feiertag.

Der Vatertag ist natürlich der klassische Wandertag der Deutschen. Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen, ziehen germanische Väter – im Idealfall nicht nur mit Getränken, sondern auch mit ihren Familien bestückt – heute in die blühende Natur:

Der Mai ist gekommen
die Bäume schlagen aus
Da bleibe, wer Lust hat
mit Sorgen zu Haus!
Wie die Wolken wandern
am himmlischen Zelt
So steht auch mir der Sinn
in die weite, weite Welt.

So formuliert es richtungsweisend die erste Strophe eines berühmten deutschen Volkslieds, dessen Dichter – Emanuel Geibel (1815-1884) – uns gleichwohl bekannt ist. (Normalerweise verbinden wir mit sog. ,Volks’-Liedern oder ,Volks’-Märchen ja die Vorstellung, dass ihre Verfasser anonym geblieben und sie selber irgendwann quasi unmittelbar aus der ,Seele des Volkes’ hervorgegangen sind.) Der Lübecker Spätromantiker Geibel ist heute weitgehend vergessen, vielleicht auch deshalb, weil er in seinem Gedicht Deutschlands Beruf von 1861 die böse Zeile vom „deutschen Wesen“ geprägt hat, an dem „die Welt genesen“ soll. Da halten wir es doch lieber mit seinem Wanderlied, zumal entsprechenden Aktivitäten am heurigen Himmelfahrtstag das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht.

PS. Heinz ist wieder wohlauf und turnt fröhlich auf den oberen Sprossen seiner Leiter herum. Na also: Ein Guter hälts aus!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.