Zum 1. Mai

Der 1. Mai eignet sich offenbar seit Jahrhunderten zur Eröffnung eindrucksvoller Großereignisse. Vor wenigen Tagen wurde die Landesgartenschau in Bamberg eröffnet, im Vergleich zu den wenigen ausgesuchten Events vergangener Zeiten wagen wir kein Urteil:

Eingang in Augarten von Johann Ziegler, Kupferstich erschienen 1782

Am 1. Mai 1775 machte Kaiser Joseph II. nach dem Prater in Wien den Augarten der Öffentlichkeit zugänglich. Anlässlich des Ereignisses wurden Nachtigallen ausgesetzt und deren Jagd unter Strafe gestellt.

Ein Theil des Augartens von Johann Andreas Ziegler

Der Augarten ist über 52 Hektar groß und die älteste barocke Gartenanlage Wiens. Im Gartensaal fand am 26. Mai 1782 das erste der so genannten Morgenkonzerte unter der Leitung von Wolfgang Amadeus Mozart statt. 1.-Mai-Konzerte waren hier sehr beliebt, unter anderem brachten Johann Strauß und Franz Schubert ihre Kompositionen dar.

Haupteingang des Crystal Palace im Londoner Hyde Park, Zeitgenössischer Stich

Am 1. Mai 1851 wird die erste Weltausstellung in London eröffnet, im extra hierfür errichteten Crystal Palace von Joseph Paxton im Hyde Park.

Wien Rotunde, zeitgenössische Ansicht um 1873

Am 1. Mai 1873 erfolgte die Eröffnung der Weltausstellung in Wien durch Kaiser Franz Josef I. Eines der Hauptgebäude ist die vom Architekten Karl von Hasenauer errichtete Rotunde im Wiener Prater. Nur fünf Jahre später kann bei der Weltausstellung in Paris auf den Camps Mars der soeben fertig gestellte Kopf der Freiheitsstatue bestaunt werden.

Müllersche Volksbad. Foto: Chris 73 / Wikimedia Commons

Am 1. Mai 1901 schenkte der Ingenieur und Philanthrop Karl Müller seiner Lieblingsstadt München das erste öffentliche Hallenbad. Das Müllersche Volksbad ist bei der Eröffnung das weltweit teuerste und größte Objekt seinesgleichen. Es ist bis heute als solches erhalten, erst kürzlich berichtete die SZ vom „dampfenden Denkmal“.

Solidarität. Foto: Erich Weiß

Der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ wurde zum ersten Mal 1890 von der Zweiten Internationalen ausgerufen, Anlass war das Haymarket Riot vier Jahre zuvor, als in Chicago/Illinois während eines mehrtägigen Streik mehrere Menschen umkamen. Sie hatten für eine Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 12 auf 8 Stunden demonstriert.

Immer mehr Menschen werden in sozial schlecht abgesicherte Beschäftigungsverhältnisse abgedrängt

Auch in 2012 ist Kritik an der fortdauernden Arbeitsbelastung berechtigt: ständig erreichbar über das Smartphone, befristete Arbeitsverträge, schneller und effizienter arbeiten – der Druck auf die Arbeitnehmer wächst. Der Anteil der Fehltage wegen Stress und psychischer Erkrankungen stieg sprunghaft an, wie aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei hervorgeht. Danach gab es 2001 deutschlandweit 33,6 Millionen Fehltage wegen psychischer Störungen, 2010 waren es schon 53,5 Millionen. Ihr Anteil an allen Fehltagen stieg damit von 6,6 auf 13,1 Prozent.

Die Arbeitsmarktreformen sollten ein „Jobwunder“ hervorrufen. Doch letztlich wurde die vorhandene Arbeit lediglich in großem Stil umverteilt und billiger gemacht. Die Folgen sind schwerwiegend: Die sogenannten atypisch Beschäftigten haben ein hohes Risiko, ihren Arbeitsplatz in Zeiten einer Krise zu verlieren. Vor allem die Leiharbeit sorgt dafür, dass sich Belegschaften in Stamm- und Randbelegschaften spalten. Darüber hinaus verbuchen die sozialen Sicherungssysteme herbe Einnahmeverluste. Arbeit soll Menschen ein Leben in Würde und die soziale Teilhabe ermöglichen. Doch immer mehr Beschäftigte können heute von ihrer Arbeit nicht mehr leben. Mittlerweile weicht jedes dritte Arbeitsverhältnis vom sogenannten Normalarbeitsverhältnis ab. Ver.di kritisiert die „Agenda 2010“, denn die sorge für einen stetig wachsenden Niedriglohnsektor. Minijobs, Leiharbeit und Solo-Selbstständigkeit haben seither massiv zugenommen. Um dies erneut zu verdeutlichen, trafen sich mehrere hundert Menschen am Gabelmann.

In Schaltjahren wie 2012 ist der 1. Mai der 122. Tag des Jahres, es bleiben noch 244 Tage bis zum Jahresende. Noch doppelt so viele Tage – zum Arbeiten und zum Seele-baumeln-lassen.

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