Fischstraße / Am Kranen

Von You Xie

Gedenktafel für Albrecht Dürer in Bamberg

Gedenktafel für Albrecht Dürer. Foto: You Xie

Die Gedenktafel am Haus Zum Wilden Mann in der Austraße 17, 96047 Bamberg erinnert an Albrecht Dürer. Da der Text schwer zu lesen ist, soll er nachstehend wiedergegeben werden:

Haus zum Wilden Mann
jahrhundertelang Gasthaus, in dem
Albrecht Dürer
wiederholt so auch auf seiner Reise
in die Niederlande Jun 1520 wohnte.
1611 – 1616 vom Rat der Stadt neu errichtet
als Trinkstube und Hochzeitshaus.

Vom 12. Juli 1520 ab begab sich Dürer mit seiner Frau über Bamberg (dem Bischof Georg III. übergab er eine gemalte Madonna, ein Marienleben, eine Apokalypse und für einen Gulden Kupferstiche), Frankfurt, Mainz, Köln nach Antwerpen und in andere niederländische Städte; von dort kam er am 15. Juli des folgenden Jahres zurück.

Jeden Tag stelle ich meine Werbetafel auf, dann stehe ich neben meinem Haus an der Ecke der Fischstraße, so fallen mir gleich die beiden eisernen Kräne auf, mit denen früher die ankommenden Schiffe beladen und entladen wurden. Durch den „Kranen“, wie der Platz hier heißt, ging früher keine Straße, vielmehr war dies ein eingeschlossener Platz. Dies hatte seinen Grund, denn der Schiffsanlegeplatz war damals ein richtiger Hafen.

Ein Hafen ist das wirtschaftliche Zentrum einer Stadt und als solches können wir uns die Kräne einst vorstellen. Im Jahre 1156 vergab Kaiser Friedrich I. Barbarossa an Bamberg das Stapelrecht. Das „Stapelrecht“ bedeutet, dass Händler hier nicht einfach weiterfahren durften, sondern stattdessen ihre Waren auf dem Markt der Stadt anbieten mussten und erst anschließend die Stadt wieder verlassen durften. Von dem Zeitpunkt an musste jedes Schiff, das durch Bamberg fuhr, anhalten und seine Waren drei Tage lang in der Stadt Bamberg zum Verkauf anbieten.

Man sollte hier am Kranen aber auch innehalten, um den Blick über die Altstadt zu genießen. Am Kranen kann man vier Kirchen sehen. Sowohl die Domtürme und Obere Pfarre, als auch das Kloster Michael und St. Stephan sind hier zu sehen. Gleichzeitig befindet sich hier das alte Bamberger Schlachthaus, das mit Sandsteinquaderbau und Untergeschoßarkaden in die Regnitz hinausgebaut wurde. Der Standort am Wasser wurde damals deshalb gewählt, weil man so die Abfälle einfach durch eine Bodenklappe „entsorgen“ konnte. Die Viehhalle am Ufer der Pegnitz wurde 1741–42 nach Plänen von Paulus Mayer erbaut. Heute wird das Gebäude von der Universität Bamberg genutzt. Im Giebel über dem Hauptportal liegen die Rindsskulptur und Inschrift mit Chronogramm.

Am Kranen 12 ist das ehemalige Hochzeitshaus. Warum hieß es „Hochzeitshauses“? Die Frage ist ganz schnell beantwortet, weil man die Räumlichkeiten damals für Feste buchen konnte. Das heutige Universitätsgebäude wurde Anfang des 17. Jahrhunderts fertig gestellt. Das zugehörige Rückgebäude hat eine andere Hausnummer, nämlich Austraße 17. Der Baukomplex hat in der Architektur einen Block von Gebäuden, am Kranen 12, Austraße 17 und Fischstraße 7. Der Gebäudekomplex ist eine Gruppe von architektonischen Räumen, die baulich miteinander verbunden sind und als Gesamteinheit wahrgenommen werden.

Für das Bamberger Pharmaunternehmen, Dr. R. Pfleger Chemische Fabrik GmbH, waren von 1956–1960 im Hochzeitshaus am Kranen die Laber- und Forschungslabors untergebracht.

Die Fischstraße 9 ist ein Anbau, das Haus zu der Krausen[1]. An dieser Stelle wird 1405 ein Haus zu der Krausen genannt, das zu dem heutigen Grundstück Austraße 21 gehörte. Wegen eines geplanten Straßendurchbruchs erwarb die Stadt Bamberg 1480 das Grundstück und brach 1481 das Vorderhaus in der Au völlig ab. Das Rückgebäude zur Greden wurde mit einem Schwibbogen unterfangen, durch den die neue Straße führte; es wurde auch neu unterkellert. Ab 1483 war das Haus samt Keller an Privatpersonen vermietet, 1531 bis 1591 im Besitz des Stadtbauhofes. Im Zuge der Baumaßnahmen zur Verschönerung und Verbreiterung der Fischstraße wurde es 1768 endgültig abgebrochen. Nur ein schmales Restgrundstück, an das Hochzeitshaus angrenzend, wurde neu bebaut. Die Entwürfe für die Neugestaltung lieferte Johann Jacob Michael Küchel, die Ausführung lag allem Anschein nach in den Händen des Stadtbaumeisters Johann Leonhard Kratzer. Im 19. Jahrhundert innere Umbauten, so 1885 eine neue Treppe.

Es war Wohnhaus, schmales, dreigeschossiges Eckhaus mit spätbarocker Putzfassade und von zwei zu vier Achsen mit einseitig abgewalmtem Ziegeldach an der Ecke Am Kranen / Fischstraße, die freistehende Ecke abgerundet. An zwei Ecken genutete Lisenen in den Obergeschossen an der abgerundeten Ecke mit Pilastern belegt, die sich aus einem konsolenartigen Glied über dem Erdgeschoß entwickeln und Rocaillenkapitelle tragen. Über dem Erdgeschoß ein verkröpftes Gurtband, ausladendes und reich profiliertes Traufgesims, Unterglieder um Lisenen und Pilaster verkröpft. Fester und Türen in geohrten Einfassungen mit profilierter Randleiste und Schlußsteinen. Fenster im Erdgeschoß stichbogig geschlossen. Vertikalbindung der Fensterachsen durch risalitartigen Zusammenschluß von Sturz- und Brüstungsfeldern. Der Keller ist breiter als das Haus, vermutlich noch mittelartig: Längstonnengewölbe aus Backstein über Sandsteinumfassungen, entlang der Fischstraße steht die Hauswand auf Wandvorlagen aus Backsteinen. Im Erdgeschoß Brandmauer zum Hochzeitshaus, im ersten Obergeschoß Wandnischen mit schwacher Rückwand. Das zweite Obergeschoß hat zum Hochzeitshaus hin Wandvorlagen vor dessen Mauer und nur im mittleren Raum eine eigene Rückwand. Sparrendach mit einer Kehlbalkenlage, im unteren Boden stehender einreihiger Stuhl mit verzapften Bügen, übertaperziert. Die Dachkonstruktion lehnt sich ohne ausgefachte Rückwand an das benachbarte Hochzeitshaus.

You Xie schrieb für das Buch des Gmeiner-Verlags Bamberg – Porträt einer Stadt.

Das grüne Haus am Kranen

Am Kranen steht ein Haus bereit
die Aussicht bleibt in Ewigkeit
Durch seine Fenster ein Blick auf den Dom
so schön, dass ich jeden Tag wiederkomm
Tagsüber ist viel Betrieb im Haus
fleißige Füße treten ein und aus
frohe Kunden kommen und gehen
Spuren bleiben aber zu sehen
Um 21 Uhr gehe ich nach Hause
Sein Gesicht macht aber keine Pause
Im Schaufenster brennt stets das Licht
Ohne Seele ist das Haus ewig nicht

——

[1] Tilmann Breuer und Reinhard Gutbier: Die Kunstdenkmäler von Oberfranken – Stadt Bamberg – Innere Inselstadt, R. Oldenbourg Verlag München 1990, Seite 561

 

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