Coburger Medienpreis 2012 geht an Bamberger Till Mayer

Von Wibke Gick, Obermain-Tagblatt
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Abseits der Schlachtfelder

Er ist ein Wellenschläger. Seine Reportagen erschüttern, rütteln auf, und setzen etwas in Bewegung. Es sind die journalistischen Beiträge, die für Brisanz sorgen und wahre Wellen schlagen, mit denen Till Mayer die Metaebene des Journalismus erreicht. Indem er Themen nicht nur beleuchtet, sondern etwas in Gang bringt.

Sein Buch- und Ausstellungsprojekt „Abseits der Schlachtfelder” (Erich Weiß Verlag) ist bereits an über 50 Orten gezeigt worden, tausende Schüler beteiligten sich an der außergewöhnlichen Rotkreuz-Kampagne, für die der Journalist und Fotograf nun den Coburger Medienpreis 2012 erhielt.

Coburgs Oberbürgermeister Norbert Kastner (2.v.re.) zusammen mit Moderatorin Uli Noll und den beiden Vorsitzenden des Medienclubs Coburg, Thomas Apfel (re.) und Wolfram Hegen. Foto: wmj

Der Bamberger ist der große Gewinner des bereits zum zweiten Mal ausgelobten Coburger Medienpreises. Im Saal des Kinos Utopolis darf Till Mayer am Donnerstagabend gleich zwei Auszeichnungen entgegen nehmen.
Für „Abseits der Schlachtfelder” gewinnt er den Coburger Medienpreis national in der Kategorie Schöpfung. Zudem überzeugt der freie Mitarbeiter bei Spiegel-Online die Jury mit seiner Online-Reportage „13 Quadratmeter Elend” über Altersarmut in der Ukraine, mit der er auch den Coburger Medienpreis Oberfranken in der Kategorie Wellenschläger holt.
„Der Winter des Lebens ist in der Ukraine hart und unerbittlich. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung fristet ein Dasein unterhalb der Armutsgrenze, besonders schlimm leiden Rentner”, erläutert Till Mayer. Manchen Senioren bleibe gerade mal 1,80 Euro täglich für Essen, Kleidung und Medikamente.
Nach der Veröffentlichung seiner aufrüttelnden Reportage ist die Resonanz der Spiegel-Online-Leser so gewaltig, dass man mit Hilfe des DRK-Landesverbands „BadischesRotes Kreuz“ einen Medikamenten-Fond gründen kann. Und zwar in direktem Zusammenspiel mit den Lesern und den ukrainischen Rotkreuz-Helfern. Über 40.000 Euro werden an Spendengeldern gesammelt. Rentner in Not aus Lemberg erfahren nun direkt vor Ort Unterstützung in ihrem schweren Alltag und erhalten kostenlose Medikamente. „Dies ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man bei einem Thema nicht nur ohnmächtig daneben stehen muss, sondern etwas in Bewegung setzen kann”, sagt Juror Michael Praetorius während der Preisübergabe.
„Mit dieser besonderen Kombination aus Buch, Ausstellung und Zeitzeugen ist Till Mayer einen eigenen, neuen Weg gegangen”, hob Laudator Bernhard M. Bertram hervor. „Und das ist das schöpferische an diesem Preis.”
Ganz still wird es im Saal des überfüllten Coburger Kinos, als die schwarz-weiß Fotografien des Projekts „Abseits der Schlachtfelder” auf Großleinwand zu sehen sind. Seit über 15 Jahren berichtet Mayer als Journalist, Fotograf oder Delegierter des Roten Kreuzes aus den Krisengebieten der Welt. Elf bewegende Schicksale aus elf Ländern hat er in seinem Bildband portraitiert. Elf Schicksale, die nachdenklich stimmen. Till Mayer ist mit „Abseits der Schlachtfelder” ein Projekt gelungen, das aktive Aufklärung betreibt. Denn es ist nicht bei einem Buch geblieben. Seit 2010 wandert die Ausstellung zum Bildband durch Süddeutschland (Presseberichte: SPON, BSZ, MM, NRhZ). Das Projekt des Bayerischen Roten Kreuzes richtet sich ganz gezielt an Schüler und Jugendliche, der Münchner Merkur und das Obermain-Tagblatt beteiligen sich in Bayern als Medienpartner. Zusammen mit Zeitzeugen geht der Journalist in Schulen und Universitäten und spricht mit der jungen Generation über ein Thema, zudem sie oft keinen Bezug mehr hat: den Krieg. „Für sie ist es eine völlig fremde Welt, denn viele Jugendliche haben keine Groß- oder Urgroßeltern mehr, die ihnen von dieser Zeit berichten könnten. In meinem Projekt werden sie nun mit Menschen konfrontiert, die den Krieg erlebt haben”, so der Journalist. Die schwarz-weiß Bilder sollen dabei entschleunigend in der schnelllebigen, bunten Medienwelt wirken. Aber auch ein sperriges klingendes Thema an junge Menschen vermittlen: die Notwendigkeit des Humanitären Völkerrechts.

Unter dem Motto „crossmedial und crossover” richtete sich der Coburger Medienpreis erneut an alle Kreativen in den Medien. Über 100 Bewerbungen aus TV, Hörfunk, Print und dazu crossmediale Kampagnen, Podcasts, und Plakataktionen wurden eingereicht. Der Coburger Medienpreis 2012 war mit insgesamt 3.750 Euro dotiert. Seine beiden Preisgelder in Höhe von insgesamt 1250 Euro spendet Till Mayer an das Rotkreuz-Projekt „Cow Bank” für „Agent Orange-Opfer” in Vietnam und an den Medikamenten-Fonds für Rentner in Not in Lemberg.

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