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Ausstellung des BBK: SELBST

Oktober 2 - November 15

 

Seit seiner Gründung 1947 zeigt der BBK-Oberfranken jährlich mindestens eine große Ausstellung mit Werken seiner Mitglieder in der Stadt Bamberg. Bis 1989 in der Neuen Residenz und dann in der Stadtgalerie Villa Dessauer. Trotz der drohenden Kürzung eines großen Teils des städtischen Zuschusses findet diese Ausstellung auch heuer statt, allerdings kann sich der Verein das nur einmal leisten; ohne kommunale Förderung wird es solche Veranstaltungen in Zukunft nicht mehr geben.

2020 zeigen 24 professionelle Künstlerinnen und Künstler aus ganz Oberfranken Arbeiten unter dem Obertitel „SELBST“, was natürlich zunächst an die reiche Geschichte des Selbstporträts seit Beginn der Renaissance denken lässt. Da überrascht es, dass nur wenige klassische Selbstporträts in der Ausstellung zu sehen sind. Ein Beispiel dafür ist Thomas Gröhling, der einer Selbstporträtbüste aus dem Jahr 1990 ein weit überlebensgroßes Holzrelief seiner heutigen Erscheinung gegenüberstellt und damit auch die Spanne von 30 Jahren vergangener Zeit thematisiert. Die Repräsentation der eigenen äußeren Erscheinung im bildnerischen Medium war nur ein Aspekt des Selbstporträts in der Kunstgeschichte, daneben und dahinter ging es immer auch um das Verhältnis eines Individuums zur Welt. Und darum geht es vielen der 24 beteiligten Künstlerinnen und Künstler auch in dieser Ausstellung: Die Zone, wo sich das Eigene und das Andere treffen, wo sie ineinanderfließen, sich vermischen und sich im Prozess der Individuation wieder trennen. Bei Christiane Toewe ist es die Zerbrechlichkeit des Selbstkonzeptes, wenn es in Konflikt mit der Umwelt tritt, symbolisiert durch ein hauchfeines aber starres Herz aus Porzellan, auf das ein reales, unaufhörlich schlagendes Herz projiziert wird.

Das prägendste Phänomen unserer Kultur, das Auto bedeutet nichts Anderes als Selbst. Automobil, also selbstbeweglich wurde zum Synonym für selbständig. Adelbert Heil zeigt uns mit 4 Bronzeskulpturen seine Vorstellung davon, wie das Tretauto ausgesehen haben könnte, das der Bamberger Jesuit Peter Maser im späten 18. Jahrhundert baute und von dem nur wenige literarische Nachriten überliefert sind. Bewege ich mich selbst, oder habe ich ein bewegliches Selbstbild? Oft scheint eine Steigerung des Ersten das Zweite einzuengen. Gert Ressel hingegen versucht das Selbstbild eines gedachten Künstlers zu erweitern. Mit dem „ich ist ein Anderer“ von Arthur Rimbaud, will er das festverankerte Ich verlassen. Die Freiheit dazu gewinnt er aus der bewussten Nichtbeachtung malerischer Konventionen.

Thomas Michel greift die fortschreitende Konventionalisierung von Schönheit auf. Aus biometrischen Datenbanken stammende Informationen menschlicher Gesichter werden von Algorithmen ausgewertet und so kombiniert, dass sich voreinstellbaren Konventionen entsprechend, möglichst schöne aber künstlich erschaffene Gesichter ergeben, die er dann in handgemalte Ölbilder umsetzt. Michaela Schwarzmann verwendet die Iris ihrer beiden Augen als visuelles und inhaltliches Bildmotiv. Mit bunten Fäden auf schwarzes Leinen genähte Linien verbinden sich zu ihrem individuellen Irismuster. Die Regenbogenhaut des Menschen bildet die Grenze zwischen Innen und Außen. Von sichtbarer Außenwelt, zu der man in Distanz treten muss, will man erkennen und innerer Welt, wo sich viele Einflüsse vermischen und überlagern müssen, um Selbsterkenntnis zu ermöglichen.

Gerhard Schlötzer wird die Besucher bitten, mit ihm zusammen eine Gemeinschaftszeichnung zu erstellen. Wer daran teilnehmen will, soll aus dem Gedächtnis den Grundriss der ersten Wohnung seiner Kindheit auf einen großen Bildträger zeichnen, der sich während der Ausstellung mit Grundrissen füllen wird. Die dadurch ausgelösten Erinnerungen werden mit der Videokamera dokumentiert und erzählen vom Einfluss des frühen engen Lebensumfeldes auf die Entwicklung der eigenen Identität. Wie tief eingegraben in die Erinnerung und identitätsprägend die Räume der Kindheit sein können, zeigt Nelly Schrott mit ihrer Serie „18 Zimmer“. Kleine Guckkastenbühnen, immer wieder unterschiedlich ausgestattet und bevölkert, nehmen als großes Fototableau eine Wand des Kaminzimmers in der Villa Dessauer ein. Nina Gross stellt sich selbst mit Graphit- und Buntstiftzeichnungen bei einer Reihe von Tätigkeiten in der Küche dar. Ein Raum, der eng mit dem traditionellen Tätigkeitsfeld von Frauen verknüpft ist aber schon immer vielfältig genutzt wurde, bis hin zur Heimarbeit in proletarischen Verhältnissen. Den Künstlerinnen und Künstlern, dem wirtschaftlichen Proletariat der Gegenwart, muss die Küche oft das Atelier ersetzten.

Eröffnung: Freitag 2.10.2020, 18:30 Uhr

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag und feiertags: 12 bis 18 Uhr

Begleitveranstaltungen:

  • Sonntag 25.10. 15 Adelbert Heil, Vortrag zu Peter Masers Tretauto
  • Sonntag 25.10. 16 Uhr, Künstlergespräch Nelly Schrott, Irmgard Kramer
  • Sonntag 25.10. 17 Uhr, Gerhard Schlötzer, zeichne den Grundriss deiner ersten Wohnung
  • Sonntag 8.11., 15 Uhr, Irmgard Kramer, Führung durch die Ausstellung

Weitere Begleitveranstaltungen unter: bbk-oberfranken.de

Details

Beginn:
Oktober 2
Ende:
November 15
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Stadtgalerie Villa Dessauer
Hainstraße 4a
Bamberg,