„Frischer Wind in und aus der Kirche“

Erzbischof Schick plädiert vor evangelischer Synode in Hof für Buß- und Bettag als ökumenischen Feiertag

Bamberg/Hof. (bbk) In der Kirche müssen nach Worten des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick die Fenster nicht nur geöffnet werden, um frischen Wind hereinzulassen, sondern auch, um ihn in die Welt zu bringen. Katholiken, Protestanten und Orthodoxe müssten gemeinsam die Fenster aufreißen, um das Evangelium zu verkünden. „Frischer Wind aus der Kirche in unsere Welt heute tut not“, sagte Schick am Montag auf der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Hof.

Er erinnerte dabei an das nicht belegte, aber oft zitierte Wort von Papst Johannes XXIII.: „Wir müssen die Fenster der Kirche weit aufmachen, damit frischer Wind hereinkommt.“ Dies soll er einem Kardinal gesagt haben, der ihn nach dem Zweck des Konzils fragte; dabei habe er die Fenster seiner Privatgemächer geöffnet. Diese Anekdote könne auch in umgekehrter Richtung gedeutet werden, sagte Schick: „Die Fenster der Kirche müssen weit offen sein, damit die Bergpredigt und die Gleichnisse Jesu, die Erzählungen vom Barmherzigen Samariter und vom verlorenen Sohn in die Welt hineingeblasen werden, um ihr Sauerstoff und frischen Wind zu geben.“

„Reißen wir die Fenster der Kirche weit auf, damit das Evangelium in unsere Gesellschaft hineinweht“, appellierte der Erzbischof. „Denn ohne den guten Geist Christi wird unsere Welt arm und kalt. Das dürfen wir nicht zulassen.“ Christen hätten der Welt viel zu sagen und müssten gelegentlich auch den Politikern auf die Nerven gehen, wenn es um Gerechtigkeit und Frieden in der Welt und das Überwinden von Umweltkatastrophen und Krankheiten gehe. „Der Hunger und auch die Aids-Pandemie können überwunden werden“, sagte Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist. „Aber dazu brauchen wir Langstreckenläufer. Sprinter sind für Missions- und Entwicklungsarbeit nicht geeignet.“ Schick bezeichnete es als erschreckend, dass in 15 Jahren 125.000 Pflegekräfte fehlen sollen. „Hier haben wir miteinander ein großes Aufgabenfeld.“ Immigration und Integration sind und bleiben Herausforderungen, bei denen wir Christen wichtige Aufgaben wahrnehmen müssen. „Gemeinsam sind wir für diese Aufgaben stark. Sie bringen uns als Katholiken, Orthodoxe und Protestanten auch zusammen.

Dabei plädierte Erzbischof Schick für die Wiedereinführung des Buß- und Bettages als gesetzlichen Feiertag. Der 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschaffte evangelische Feiertag könne ein gemeinsamer Feiertag der Ökumene sein, schlug Schick vor. „Buße und Gebet sind unabdingbare Voraussetzungen für die Einheit in Christus.“ Dieser Aspekt komme bei der Ökumene viel zu kurz.

Evangelische und katholische Christen verbinde mehr als sie trenne. „Wir sind nicht am Ziel, aber wir haben mehr Freundschaft und tun mehr gemeinsam für das Reich Gottes und das Gemeinwohl, als oft in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Wir haben mehr Verbindendes als Trennung, lassen wir uns das nicht absprechen“, appellierte der katholische Bischof an die evangelische Synode.

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