Eugen Gomringer hüllt sich in Schweigen. Vielleicht, weil wir vergessen haben, dem Grandseigneur der Konkreten Poesie zum gestrigen Geburtstag zu gratulieren.

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Eugen Gomringer

Von Chrysostomos

Mehrfacher Vater ist er, von vielen Söhnen und einer Tochter, mit der zusammen er inzwischen Lesungen unternimmt, Vater aber ist er auch einer in den frühen Fünfzigern aufkommenden Richtung der Lyrik, für die er, Eugen Gomringer, dem wir, wenn auch mit der Verspätung eines Tages, herzlich zum Geburtstag gratulieren, den Namen „Konkrete Poesie“ prägte. Gomringer, 1925 in Cachuela Esperanza („Stromschnellen der Hoffnung“), Bolivien, geboren und seit bald viereinhalb Jahrzehnten in Oberfranken zuhause, schrieb zunächst Sonette à la Stefan Georg, die er an Hermann Hesse schickte, der sie, und ihn, lobte.

Die Begegnung mit der Konkreten Kunst (Max Bill, Theo van Doesburg, Josef Albers und, das sei nicht vergessen, der Bamberger Werner Assenmacher) auf einer Ausstellung in Basel und zuvor schon in Zürcher Gallerien brachte Gomringer, der einige Jahre als Sekretär von Max Bill an der Hochschule für Gestaltung in Ulm arbeitete, dazu, mit Schrift und Schriftbild, mit der Materialität von Buchstaben zu spielen und neue, zwischen Bild und Text angesiedelte Konstellationen und Ideogramme zu schaffen.

Es ist die Stille, die Leerstelle, die spricht in dem in vielen Schulbüchern und zahlreichen Anthologien zu findenden „schweigen“. Oder, wie Nora Gomringer es formuliert: ihr Vater sei „der Mann, der die ‚Weißheit‘ des Blattes wie kein anderer“ respektiere und die Leere in diesem Gedicht monumentalisiere. Weiß stehe im Werk ihres Vaters nicht für „zu Erwartendes, noch zu Füllendes“, sondern für „Meditation, zu kostenden Luxus, Großzügigkeit“.

NB: Eugen Gomringers Admirador (Berlin: Matthes & Seitz, 2012) versammelt Sonette, Essays, Vorträge, biographische und autobiographische Texte, Prosa und Märchen aus sechzig Jahren. Die Äußerungen der Tochter sind entnommen aus ihrem Band Ich werde etwas mit der Sprache machen, 2011 erschienen in Dresden und Leipzig bei Voland & Quist.

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