Froschkönig und Kleopatra

Die Königin Kleopatra

sitzt ganz allein in Mäxchens Bar

und nippt an einem trocknen Gin.

Ihr Blick schweift her, ihr Blick schweift hin.

Fixiert – in grünem Neopren –
den Clemens-Adolf-Gustav Brehm.

Seines Zeichens Unternehmer.

Jetzt trunken und weil’s ihm bequemer

öffnet er die grüne Haut.

Brustbehaarung sich aufbaut.


…


Die Königin, sie lächelt milde

und führt wohl Schabernack im Schilde.

Lockt keck mit ihren üpp’gen Reizen.

Das scheint dem Brehm sehr einzuheizen.

Sein eh schon dicker runder Kopf

schwillt an, wird rot und schweißt und tropft.


…


Die Königin nimmt ihn vom Pfade

der Tugend weg, hinein ins Bade.

Mit Dampf und Sprudel – Thermenglück.

Der Brehm lässt’s Neopren zurück.


…


Die Königin zufrieden lächelt.

Der Brehm sich eifrig Luft zufächelt.

Kühlung finden dann die beiden

am Bach, der plätschert ganz bescheiden,

als sie allein nach Hause geh’n.


Alaaf, Helau auf Wiedersehn.© Cornelia Stößel 2019/Februar

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Das Manuskript

lag gestapelt, getippt.
Jedes Blatt kontrolliert.
Im Eck nummeriert,
am Rand unten rechts.
Der Inhalt verflechts
was Liebe und Leid,
Habgier und Neid.
Abgründe. Eben
menschliches Leben.

Der Autor sitzt stumm
und fragt sich: warum
es zum Schreiben ihn zwingt?
Vom Schicksal bestimmt?
Er trinkt ein Glas Wein.
Flackernd Kerzenlichtschein
wirft ein unruhiges Licht
auf sein Werk, sein Gesicht.
Dann schiebt sich der Mond,
der am Himmel dort wohnt,
neugierig ins Fenster.

Der Autor blickt auf.
Setzt mit Sorgfalt den Lauf.
Der Schuss nur erschreckt
ein Kätzchen, versteckt.

Als der Tag endlich naht
wird der Mann aufgebahrt.
Sein Werk fast der Wind.
Trägt hinfort Dichters-Kind,
das vom Lektor verschmäht.
Von den Lüften gesät,
ob es findet zum Leser?

© Cornelia Stößel 2015/2018

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„Nun … darf es heute etwas mehr sein?“,

fragte Wilhelma den Zauberer Meerstein.

Und legte zu den Krötenbeinen,

– zarten, giftig, grünen, kleinen –

noch einen fetten Wetterfrosch.

„Ganz frisch! Gestern noch kroch

er die Leiter hinauf!

Und heute … nun jedenfalls gab er es auf.“

Derweil mit zittrigen Fingern fasste

Meerstein in Töpfe, was Wilhelma hasste.

Doch den Kunden wollte sie nicht vergraulen,
wünscht’ ihm nur still; sein Hirn würde faulen.

Da erblickte Meerstein mit funkelnden Augen

’nen Käfig darin zwei, schneeweiße Tauben.

„Die will ich haben!“, stellte er klar

und deutete auf die linke vom Paar.

„Die gibt’s nur zusammen, nicht getrennt“,

und Wilhelma erklärte: „Ein Elfengeschenk.“

„Den Elfen kann man leider nicht trauen“,

murmelte Meerstein und ließ es beim Schauen.

Dann roch er an Ölen und magischen Pasten,

kostete Wein und wollte ertasten

und schnüffeln wie reif die Paradiesäpfel seien.

Da biss ihn – und er musste, denn es schmerzte, laut schreien –

ein Spinnentier fest in die Nasenspitze.

Das Geziefer verschwand in der Fußbodenritze.

Und Meerstein zappelte schimpfend herum.

Dann erstarrte er plötzlich und wurde stumm.

Schließlich schrumpfte er unter Donnergetöse.

Und die Spinne Tamara; kicherte böse.

© Cornelia Stößel 2018/Dezember

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