Weiberfasching

Donnerstag, 18:30 Uhr, Kirchgasse 14, 2. Stock

Durch das gebrochene Glas des kleinen Badezimmerfensters konnte man undeutlich die Silhouette einer erwachsenen Person erkenne. Aber wer stiert schon auf ein beleuchtetes Badezimmerfenster mit gebrochenem Glas? Dahinter … in freudiger Erwartung des kommenden Abends, die Beine sorgfältig und langsam rasierend. Bahn für Bahn den Schaum und die Haare abtragend. Die Klinge unter dem laufenden Strahl des Wasserhahns abspülend. Routiniert durch tägliche Übung und doch ungewohnt. Die glattrasierten Beine vor dem Spiegel begutachtend, pudernd. Dann, die Perlonstrümpfe über die langen, schlanken Beine ziehend. Erst den einen, dann den anderen. Diese zarte glänzende zweite Haut kurz liebkosend. Ein kritischer Blick auf den weißen Kittel am Kleiderbügel. Den Kittel vorne zuknöpfend, darunter, der Optik wegen ein BH, der ein bisschen mehr hermachte – als vorhanden. Dann die Perücke. So praktisch. Immer gut frisiert. Rotbraune Locken ins Gesicht gezupft, sehr kess. Das Stethoskop um den Hals gelegt. Mundschutz – musste heute sein. Die grünen Augen, stark umschminkt.

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