Wortlos

Wortkarg war er und wenn er doch das Wort ergriff ein wenig ungeschickt in der Wortwahl. Dabei keineswegs dumm. Anfangs hatte es ihr gefallen, dass er ihr, wortgewandt die sie war, das Reden überließ. Doch irgendwann fing sie an sich über sein verbales Unvermögen lustig zu machen. Was mit kleinen spitzen Bemerkungen anfing, die von Anwesenden mit herzhaftem Lachen quittiert wurden, entartete schnell zu einer Bloßstellung, bevorzugt vor Freunden, vor den wenigen die er hatte, was schließlich zu Wortlosigkeit seinerseits und einer nur noch aus Gewohnheit existierenden Ehe führte. Hinter seiner Verschlossenheit wuchs Hass. Dieser unterdrückte Hass befeuerte ihre Bosheit und in dieser angespannten Atmosphäre stand er eines Tages vor ihrem Bett.

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Die Topfpflanze

Das Entsetzen ließ ihre Stimme noch immer beben. „Verstehen Sie? Zuerst hatte er alle Blüten abgerissen. Jede einzelne! Und dann hat er mit einer Schere die Blätter zerstückelt.“ Ein plötzliches Schluchzen machte ihr das Sprechen unmöglich. Tränen liefen über ihre Wangen. Sie nahm dankend das gereichte Taschentuch und noch um Fassung ringend begann sie stockend weiter zu sprechen. „Auch die Wurzeln schnitt er ab. Ich hatte ihn angefleht! Meine Pflanze – aber er lachte nur. Er lachte! Verstehen Sie?“ Ein erneutes Schluchzen hinderte sie wieder am Sprechen.

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