Nachtfahrt

Ich fahr’ mit mir und meinem Denken
allein verträumt durch Wald und Flur.
Dabei vergesse ich zu lenken
und komm prompt ab von meiner Spur.

Erwach’ dann fröstelnd in ’nem Graben,
der eng und feucht und grasig grün.
Erkenn’ den umgestürzten Wagen
an dem die Blinker rhythmisch glüh’n.

Und kältesteife Motten taumeln
vor dem dampfend lecken Kühler.
In den offenen Türen baumeln
Spinnentiere ohne Fühler.

Ich blick’ zum Mond, der altersweise
mir milde lächelt, voll und rund.
Das Radio dudelt eine Weise
und in der Ferne bellt ein Hund.

© Cornelia Stößel 2019/April

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Im Schlaraffenland

Dort lag ein Limonadensee
mit Waldmeisteraroma.
Geysire spuckten heißen Tee
und Brunnen spien Cola.

Ein dunkler Schokoladenstrom
floss glucksen vor sich hin.
Und Kekse schwammen, fast synchron,
kreiselnd mitten drin.

Am Milchfluss stand ein alter Steg.
Dort hingen Bienenwaben.
Aus denen tropfte unentwegt
Honig-Freund zu laben.

Sprudelnd trat aus Quellen Wein
und Bier im Überfluss.
Zum Naschen lag auf jedem Stein
ein schaumig schwarzer Kuss.

Der Duft von Brot, das frisch gebacken,
umwehte Wurst und Käse.
Die lagen mundgerecht auf Laken,
im Gras der Picknick-Wiese.

Gebrat’ne Tauben flogen tief,
sehr langsam, fast schon träge.
Ein Spanferkel stand etwas schief,
an einem Zuckerberge.

Reifes Obst bot jeder Baum.
Ich wollte danach fassen.
Schlafwandernd schreckt’ ich aus dem Traum.
Es war ein herb’ Erwachen.

© Cornelia Stößel 2019/September

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Oskar der Floh

„Du fehlst mir ja so!“,
sprach Oskar der Floh.
Und hüpfte geschwind
vom Hund auf das Kind.
Doch Flohdame Sibylle
hielt einfach nicht stille.
War schon weiter zur Katze,
die energisch sich kratzte,
mit samtiger Pfote.
Da kam der Postbote.
Dem sprang Oskar aufs Hemd,
in das ein Bauch eingezwängt.
Da hinein Oskar biss.
„Au! So ein Beschiss!“,
rief der Bote verärgert.
Sein Name war Herbert.
Er zerrte am Kragen.
Und, was soll ich euch sagen;
am Ende gab’s Tränen.
Denn Oskar, den Schönen,
ereilte der Tod.
Was blieb: juckt, ist rot!

© Cornelia Stößel 2018/Januar

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