Oskar der Floh

„Du fehlst mir ja so!“,
sprach Oskar der Floh.
Und hüpfte geschwind
vom Hund auf das Kind.
Doch Flohdame Sibylle
hielt einfach nicht stille.
War schon weiter zur Katze,
die energisch sich kratzte,
mit samtiger Pfote.
Da kam der Postbote.
Dem sprang Oskar aufs Hemd,
in das ein Bauch eingezwängt.
Da hinein Oskar biss.
„Au! So ein Beschiss!“,
rief der Bote verärgert.
Sein Name war Herbert.
Er zerrte am Kragen.
Und, was soll ich euch sagen;
am Ende gab’s Tränen.
Denn Oskar, den Schönen,
ereilte der Tod.
Was blieb: juckt, ist rot!

© Cornelia Stößel 2018/Januar

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Fata Morgana

Im Wüstensand, da lag ermattet
der Ritter Wolf von Freienau.
Weit und breit nicht’s was beschattet.
Da hat der Wolfen eine Schau.

Er sieht, von Winden angetrieben,
Dünen wandern übers Land.
Und dazwischen träge liegen
Wüstenschiffe voll bemannt.

Von einem steigt beschwingt hernieder
ein leicht verhülltes dralles Weib.
Der Ritter reckt die müden Glieder
und richtet auf den dürren Leib.

Doch Morgana, Truggebilde,
schwindet in der heißen Luft.
Ein Geier ist’s, der Wolfen findet.
In Freienau bleibt leer die Gruft.

© Cornelia Stößel 2019/Juli

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