Integration: Deutsche mit asiatischen Wurzeln

Von You Xie

Frau Prof. Dr. Jennifer Lee hat zusammen mit meiner ehemaligen Studienkollegin Prof. Dr. Min Zhou das Buch „The Asian American Achievement Paradox“ geschrieben.

In den USA sind Einwanderer aus dem asiatischen Kulturraum höchst erfolgreiche Highschool- und College-Absolventen, 49 Prozent besitzen einen Bachelor-Abschluss, im Vergleich zu 28 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Sie stellen gerade mal fünf Prozent der US-Bevölkerung, aber zum Beispiel ein Drittel der Teilnehmer bei nationalen Mathe- und Physikwettbewerben.

Asiatische Eltern bringen ihrem Nachwuchs früh Fleiß und Disziplin bei. Sie legen Wert auf Bildung, selbst wenn sie nie eine Hochschule besucht haben. Das zeigen Studien wie „The Asian American Achievement Paradox“. Asiatische Kinder sind nicht schlauer oder begabter – Intelligenz verteilt sich gleichmäßig über Nationalitäten und soziale Schichten –, sie machen aber mehr aus ihren Möglichkeiten, sie büffeln mehr, sitzen bis in den Abend hinein an den Hausaufgaben.

Es zeigte sich in einer viel beachteten Studie des US-Thinktanks Pew Research Center. Demnach stimmten 69% der Asian Americans, aber nur 58% aller Amerikaner der Aussage zu, dass man mit harter Arbeit im Leben zum Erfolg kommen kann. 93% der Asiaten betrachteten die Mitglieder ihrer eigenen ethnischen Community als „fleißig“, über die Amerikaner im Allgemeinen sagten das nur 57%. In der Tat: Von allen ethnischen Gruppen in den USA sind die Asiatischstämmigen die erfolgreichste. 49% der Asian Americans über 25 Jahre haben laut Pew-Bericht einen Bachelor-Abschluss. Von den Weißen haben den 31%, 18% der Afroamerikaner und 13% der Latinos. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen der Asiaten beträgt 66 000 $ pro Jahr. Auch das klarer Bestwert.

Im Interview gegenüber VDI nachrichten bestätigte ich „Die Chinesen sind sehr streng. Kinder von Asiaten dürfen nach 20 Uhr nicht mehr ausgehen, solange sie nicht 18 sind. Bei meinem eigenen Sohn war das auch so. Bis zum 18. Lebensjahr durfte er nicht mal ein Handy haben.“

In den USA zählen viele Asiaten zur privilegierten Schicht. Obwohl gut gebildet und ehrgeizig, reicht es hierzulande meist nicht zu ähnlich glanzvollen Karrieren. Die Ursachen liegen im Dunkeln.

Für Asiaten ist gute Bildung die Basis eines guten Menschen und ein wesentlicher Baustein der konfuzianischen Ordnung.

Zahlenmäßig sind die ostasiatischen Communitys in Deutschland überschaubar. Da gibt es die Vietnamesen, von denen viele in den 1970er-Jahren als Boatpeople und in der DDR als Vertragsarbeiter gekommen sind. Dann die japanische Gemeinschaft, die großteils aus Expatriates besteht, Durchreisenden im Grunde. Es gibt die Koreaner, die Chinesen, wenige Taiwanesen und einige Thailänder, von denen viele weiblich sind. Die Menschen mit ostasiatischem Hintergrund sind sehr stark durch die konfuzianische Kultur geprägt. Die Ostasiaten seien familien- und bildungsorientiert, die Eltern bereit, für ihre Kinder größte Opfer zu bringen, die Kinder pflichtbewusst den Eltern gegenüber. „Auch in Bamberg gehen die ostasiatischen Kinder fast alle aufs Gymnasium, Asiaten in Deutschland haben ähnlichen Schulerfolg wie in USA“, so habe ich mich gegenüber VDI nachrichten geäußert.

Eine Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass von den 27.000 Einwohnern mit vietnamesischem Pass über 10.000 in der Gastronomie arbeiten, von 15.000 Thais sind es rund 3.000 und von 29.500 Chinesen fast 7.000. Rechnet man auch Japaner, Koreaner und Taiwanesen dazu, sind von 248.000 Asiaten (ohne deutschen Pass) 48.000 in der Gastronomie tätig, also rund ein Fünftel. Demgegenüber sind nur 4.500 von ihnen in Forschung und Entwicklung tätig, nur 3.500 arbeiten im Maschinenbau, im IT-Bereich sieht es mit 9.400 Beschäftigten nur unwesentlich besser aus.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Eine Umfrage durch meine Zeitschrift „European Chinese News“ im Jahre 2008 zeigte:

100% der chinesischen Restaurantbesitzer, die einen Hochschulabschluss hatten, lehnten ab, dass ihr Nachwuchs ihr Restaurant (Imbiss) weiterführe.

Auch nur 2% der chinesischen Restaurantbesitzer, die keinen Hochschulabschluss hatten, stimmten zu, dass ihr Nachwuchs ihr Restaurant (Imbiss) vielleicht weiterführe.

Wie gut oder schlecht die Asiaten mit deutscher Staatsangehörigkeit, die zweite und dritte Generation also, abschneiden, erfasst das Bundesamt nicht – jedenfalls nicht exakt. Insgesamt haben in Deutschland sogar 458.000 Menschen – ob deutsche Staatsbürger oder nicht – einen ostasiatischen Hintergrund, 117.000 von ihnen gehen zur Schule, 170.000 haben bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung vorzuweisen, davon wiederum 110.000 einen Uni-Abschluss.

Das ist aber die Wahrheit. Von den 310.000 Asiatischstämmigen mit eigenem Einkommen beziehen laut Statistik nur 15.000 ein monatliches Nettoeinkommen von über 3.200 €.

Das mindert den Ehrgeiz vieler Ostasiaten nicht. Jedenfalls warte ich nicht darauf, dass mein Sohn Edwar später meinen China Fan Imbiss von mir übernehme. Edwar ist 26 Jahre alt, schon früher in der Schule stets der Klassenbeste. Er hat an der TU München Physik studiert, erst Bachelor, dann Master, jetzt promoviert er und forscht an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Bereich Quantum Information Processing. Auf Grundlagenforschung laufe es für ihn hinaus.

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