Südliche Promenade – hier ist Stadtplanung gefragt!

Redaktion

„Ich kann es kaum fassen! Da haben wir so einen wunderbaren Ort – prädestiniert für eine Flaniermeile mitten im Herzen der Altstadt. Und dann soll hier ein Busbahnhof manifestiert werden! Wie gehen wir eigentlich mit unserem Welterbe um? Im Jahr des 20-Jährigen Jubiläums?“ Ursula Sowa sprach’s aus, schüttelte den Kopf über den Vorschlag aus dem Baureferat, für 43.000 € den Untergrund der südlichen Promenade oberflächlich zu verdichten und das Pflaster neu zu verlegen oder mit einem provisorischen Asphaltüberzug zu versehen: In Anbetracht der angespannten Haushaltslage seien keine umfangreicheren Maßnahmen möglich.

vorgelegter Rahmenplan des Stadtplanungsamtes für die Südliche Promenade.

Kosmetik abgelehnt – Grundsätzliches eingefordert

Zusätzlich war ein Aufräumen vorgesehen: altes Sitzmobiliar gegen neues austauschen, Verteiler- und Briefkästen entfernen, woanders hinstellen und Haltestellenschilder aufreihen. Ganz nebenbei sollte eine Reihe Anwohner- und Kurzzeitparkplätze wegfallen. Doch aus diesen kosmetischen Feinarbeiten wird nun nichts. Die meisten Stadträte – bis auf zwei aus der SPD und dem Oberbürgermeister – sahen das als Geldverschwendung an und in einer langen Diskussion formulierten sie einen Auftrag ans Baureferat, die notwendigen Maßnahmen zu einer grundlegenden Sanierung zusammenzustellen, inklusive der Kosten und einer zeitlichen Perspektive – schließlich weiß man um den baulichen Untergrund der Promenade, der so gar nicht für den Busverkehr ausgelegt ist: Sind die Bamberger Straßen der Innenstadt für Lastverkehr ausgelegt? Tatsächlich schafften es die Stadträte, die kosmetischen Oberflächlichkeiten abzulehnen und Grundsätzliches einzufordern – ein starkes Stück Arbeit und eine wichtige Diskussion.

Komplexe Situation bedarf genauer Analyse und klarem Willen

Einige Räte aus der SPD und der CSU aus dem Umweltsenat waren allerdings mit der umfangreichen Sitzungsvorlage (allein 8 Seiten Stellungnahme externer Busunternehmer) zufrieden, während andere Grundsätzliches vermissten. So fragte Daniela Reinfelder nach der Stellungnahme der Denkmalpflegebehörden. Ein gewichtiger Beitrag, der in dieser Diskussion nicht fehlen darf und hoffentlich bei gegebenem Anlass nachgereicht wird. Beim Thema südliche Promenade und Busverkehr stellt sich die Frage nach dem ROB (Regionaler Omnibusbahnhof muss mit der Bahn verhandelt werden) eigentlich von allein, eine kurzfristige Lösung am Bahnhof wird es aufgrund des ICE-Ausbaus allerdings nicht geben. Dennoch darf und kann dieser Umstand kein Grund dafür sein, den Druck auf die Innenstadt in Sachen Verkehr noch weiter zu erhöhen.

„Wir haben uns verständigt: Wir kämpfen!“

So Dieter Weinsheimer von den freien Wählern zu Beginn der Sitzung – und das taten sie. Alle Fraktionen hatten sich schließlich im Vorfeld eingehend mit der Problematik beschäftigt: Verkehr macht Denkmäler kaputt, IV: Stadträtinnen Reinfelder und Sauer klagen über die Untätigkeit der Stadt, danach Südliche Promenade: Fragen über Fragen von der SPD. Auch die CSU Busse an der Promenade: CSU fordert die Verwaltung zum Handeln auf und die nicht im Bamberger Stadtrat vertretene FDP FDP fordert Maßnahmen gegen Gebäudeschäden an der Promenade und “Wir brauchen ein dynamisches Verkehrskonzept”. Die GAL bereits im Dezember Alle Busse könnten von der südlichen Promenade weg und Weinsheimer in der WebZet vielfach.

Die CSU war sich nicht ganz einig

Professor Seitz formulierte die diskrepante Haltung seiner Fraktion, grundsätzlich fehle ihm die Perspektive einer langfristigen Lösung. Die zum Teil noch aus dem Mittelalter bestehenden Straßen seien nicht für Schwerlastverkehr ausgelegt. Vielleicht gebe es in Bamberg endlich einmal einen Ansatz für eine wirkliche Lösung? Aus dieser Frage resultierte der Auftrag nach der oben genannten Kostenaufstellung und der Untergrunduntersuchung. Als sofort durchzuführende Maßnahme schlug er eine probeweise Verlegung der Bushaltestellen der Flusstouristen an den Markusplatz vor. Dies würde eine, wenn auch geringe, Entlastung für die Südliche Promenade bedeuten. „Eine klare Verkehrsplanung fehlt in Bamberg!“ Seine Fraktionskollegin Kischel lehnte diese Verlegung an den Markusplatz ab. Sie sieht die Gefahr, dass Touristen, die durch die Kapuzinerstraße gehen müssten, durch die Baustellen aus Bamberg verstört und die Reiseveranstalter zukünftig Bamberg nicht mehr anfahren würden. Die Gehroute über Markusstraße – Markus-Brücke zog sie nicht in Betracht. Frau Kischel betonte außerdem, dass Touristen Geld in Bamberg lassen. Ob und wie viel Umsatz die Flusstouristen der Bamberger Geschäftswelt bescheren, verschwieg sie, wohl auch weil es sich nicht ehrlich sagen lässt. Angemerkt sei, dass es nicht nur in der Langen Straße Einzelhändler gibt, sondern auch in der Kapuzinerstraße, am Elisabethenplatz und in der Sandstraße.

SPD ebenfalls uneinig

Die Stadträte Süß und Fischer aus der SPD wollten die Vorschläge des Baureferats  ausgeführt sehen. SPD-Kollege Dr. Hohmuth sieht am Standort Südliche Promenade ein grundsätzliches städtebauliches Problem. Als Stadtplaner war Dr. Hohmuth langjähriger Leiter des Stadtplanungsamtes der Stadt Bamberg und mit den Örtlichkeiten vertraut, votierte gegen einen Ausbau der Südlichen Promenade und für eine Verlagerung des Busverkehrs an den zukünftigen ROB.

Freie Wähler

Dieter Weinsheimer von den Freien Wähler plädierte grundsätzlich für eine Entzerrung der verkehrlichen Situation, die südliche Promenade müsse wohl den Löwenanteil tragen, aber eine gewisse Entlastung müsse her. So könne mit einer eigens organisierten Busfahrt die Situation am Markusplatz begutachtet werden. Ein sensibles Wohngebiet ist die Promenade schließlich auch.

Die GAL hat große Lösung im Blick, denn „Knochenbrüche heile man auch nicht mit Pflaster“

Peter Gack unterstrich die Reden seiner Vorgänger hinsichtlich der grundsätzlichen Nicht-Eignung der Promenade für die enormen Belastungen durch Busse. Er kritisierte, dass die Vorschläge der GAL – eine Verlagerung von Haltestellen an den Margaretendamm – nicht mal diskutiert worden seien. Aufgabe des Stadtrats sei nicht, „rote Teppiche“ auszubreiten. Grundsätzlich sei der Bahnhof die Mobilitätsdrehscheibe Bambergs, was Ursula Sowa mit „Der Ausstieg ist zu planen!“ auf den Punkt bringen wollte. Der ZOB war von Anfang an eine Fehlplanung und statt die Planungen von damals zu korrigieren, sollte man, weil man nun 30 Jahre Erfahrung mit dem ZOB an der Promenade hätte, den großen Wurf wagen und den ZOB, und da schloss sie sich Norbert Tscherner an, an den Bahnhof verlegen.

Norbert Tscherner blickt zurück

Schon die Planungen bzw. die Ausführungen von 1982 seien ein großer Fehler gewesen. Der ZOB hätte von Anfang an am Bahnhof gebaut werden müssen. Es wird nicht besser, wenn man an dieser Fehlplanung festhält und den ZOB an der Südlichen Promenade ausbaut. „Herr Ilk, zeigen Sie, was Sie können. Busse raus aus der Innenstadt!“

Doch diesem Ansinnen machte der Chef der Stadtwerke und somit des Busbetriebs, Herr Rubach, ein Ende. Ohne den ZOB sei der MIV (= motorisierter Individualverkehr) enorm, für die von der GAL favorisierten Durchmesserlinien bräuchte es erheblich mehr Material, sprich Busse, Fahrer und Geld.

Zeit genug auch für ein Nachdenken über den städtischen Tourismus

In diesem Jahr bleiben die Transferbusse der Kreuzfahrtschiffe aus dem Hafen an der südlichen Promenade, doch die Verwaltung muss den Markusplatz als zukünftigen Standort ins Visier nehmen. Bis dahin werden die Stadtführer des TKS Zeit genug haben, alternative Routen probehalber einzustudieren. Deren ablehnende Haltung gegenüber jeglicher Alternative liest sich im Sitzungsvortrag äußerst ernüchternd. Mit dem Beharren auf der Route Promenade-Grüner Markt ist dem Welterbe nicht gedient. Bamberg ist für die große Anzahl an Bussen nicht geschaffen, doch glücklicherweise sind die Wege nicht weit – von nirgendwo. Bamberg bietet mannigfaltige Möglichkeiten, seine Bewohner und Gäste zu verzaubern, von einer berichteten wir: Flusstourismus: Schiffpendelverkehr vom Hafen in die Innenstadt.

Während der Landesgartenschau ist es Dank intelligenter Gesamtplanung gelungen, Verkehr, Tourismus und städtisches Leben miteinander zu verknüpfen, sodass ein verträgliches Miteinander möglich war. Viele Bamberger berichten noch heute von besonderen Erlebnissen während „ihrer“ LGS, Touristen durften gerne ein paar Meter laufen, Shuttle-Service war selbstverständlich, verschiedene Konzepte griffen klug ineinander, sogar in Baustellennähe – das dürfte doch auf den Bamberger Alltag übertragbar sein!

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weitere Beiträge: : Busse an der südlichen Promenade: Die BASTA-Politik des Oberbürgermeisters / Busse an der Promenade: Interview mit Baureferent Michael Ilk / Alternativen zum Busverkehr an der Promenade: Ein Beitrag zur Debatte / Peter Braun zur Situation an der Promenade: Trouble in Paradise / Touristenbusse versus Denkmäler jüdischer Kultur

13 Gedanken zu „Südliche Promenade – hier ist Stadtplanung gefragt!

  1. Die Kurzzeitparkplätze am Rondo fallen weg! Die Anwohnerparkplätze auch! Und kein Aufschrei der Geschäfte der Langen Straße? Ach so, sind ja nicht die Parkplätze vor den eigenen Läden und die Cafés wollen ja den Touri-Reibach einsacken.

  2. Kindergarten seit 2 Jahren, bloß weil ein kleine Gruppe die IG Promande laut schreit.
    Kümmern sich alle plötzlich um das schreiende Kleinkind. Man könnte ja, von denen gewählt werden. Besonders lieb ist GAL, zum dem schreiende Kind. Ich bau für dich einen großen Busbahnhof am Bahnhof (kostet ja bloß ein paar Millionen) und eine teuere Durchmesserlinie. Auch die FDP kam zu dir und stellte fest: Oh, die großen Busmonster haben ein paar Risse in die Wand gemacht. Allerdings kommst du nicht auf die Idee, das in letzten zwei Jahren im Winter im sehr Kalt war.
    Aber ganz böse, ist der OB Starke. Der will dir noch mehr Busmonster zumuten und deswegen bist du ganz laut.
    OB Starke ist schließlich selbst Vater, deswegen müssen Kinder lernen. Das nicht alles kommen was sie wollen.
    Deswegen schreie und weine schön (IG Promanden) weiter. Aber am Besten bis zum Jahr 2030.
    Schlaf schön!!

    • Ich will ja nicht vom Schreibstil auf das Denkvermögen schließen, aber die Anschaffung einer Grammatik wär‘ schon ratsam.

      • Naja, IG Promenade scheint es aber auch an Denkvermögen zu mangeln.
        Einschließlich Charly Brown, weil die haben alle Angst von den großen Busmonstern und solange das kleine Kind schreit. Werden alle Helfen und das noch bis zum Jahr 2030. Besonders die scheinheiligen GAL, mit Ihrer Durchmesserlinie und den teureren Busbahnhof für ein paar Schüler aus dem Landkreis Bamberg.
        In ein paar Monaten werden sie diesem Bauplan (20.11.2012) alle zustimmen, weil die Kasse in Bamberg leer ist.

        • Fundierte Sachargumente wären hilfreicher, um zu einer fairen Lösung für alle zu kommen, eine unhaltbare Situation in eine erträgliche zu verwandeln und das Welterbe Bamberg lebenswert zu erhalten. Eine Meinung zu äußern genügt nicht, man muß sich auch die -in diesem Fall sehr umfangreiche- Arbeit machen, sich eine Meinung zu bilden. Sie sind herzlich dazu eingeladen, selbst konstruktive Vorschläge zu erarbeiten, um zu einer Lösung beizutragen.

          • Ich hätte gerne mal ein Gutachten von IG Promenade, warum die Straße nicht geeignet ist.
            Desweiteren ein Gutachten, über die angebliche Schäden an den Gebäuden.
            Weil von Außen sieht man garnichts.

  3. „Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es“ ( Erich Kästner ).

    Egal wer wem, wie und warum auf die Schulter klopft, sei’s schriftlich oder mündlich. – Es war der Antrag der CSU-Fraktion und vor allem die Stimmen der CSU-Fraktion, die für den Sieg der Vernunft sorgten.

    • fetzt macht jemand hier den bock zum gärtner!?

      vernunft und CSU – da prallen gegensätze aufeinander. alles was dazu einfällt ist selbstdarstellung und scheintätigkeiten. es genügt nicht laut zu schreien, man sollte schon auch was sinnvolles tun

      • „Sinnvolles tun“: Genau das haben insbesondere Prof. Seitz, Herr Deuber, Herr Kübrich, CSU, die GAL, die Freien Wähler, die Fraktionslosen und Dr. Hohmuth, SPD, in diesem Fall mit ihrem gemeinsam getragenen Vorschlag getan. Ein so vernünftiges, fraktionsübergreifendes, lösungsorientiertes Vorgehen hat es im Bamberger Stadtrat schon zu lange nicht mehr gegeben. Wie Herr Seitz sagte: „Ein Sieg der Vernunft.“

  4. Man sollte das Touristenaufkommen und deren Ausgaben in Bamberg mal besser betrachten:

    Schiffstouristen (Boatpeoples) lassen außer beim Kauf von ein paar Andenken so gut wie kein Geld in Bamberg. (Individualtouristen mit Essen und Trinken und deren Übernachtungen sehr wohl!). Warum soll Bamberg dann für diese wenig Geld bringende Klientel eigene Busterminals bereitstellen, ganz abgesehen von der innerstädtischen Belastung der Straßen und Gebäude.

    In anderen Städten (z.B.: Linz (Östereeich)) wird die Liegedauer eines Boatpeopleschiffs umso billiger (pro Tag), je länger es im Hafen liegt.
    Wir Bamberger (ob CSU, SPD Grüne oder sonst was) müssen unseren Lebensflair erhalten und uns nicht den Wünschen und Erfordernissen des Tourismus unterwerfen. Ansonsten erfolgt eine VerRothenburgisierung Bambergs.

    P.S.: Tourismus, Weltkulturerbe, alles schön und gut, aber wenn wir Bamberger darunter leiden, verzichte ich auf beides!

  5. keine konzepte und keine ahnung
    lauter kurzsichtige köpfe im stadtrat – oder sinds egoisten?

    fischer und süss kommen doch aus dem osten?! die sind ja eh für die totale zerstörung der innenstadt. genauso wie auch beim eisenbahnbau. hauptsache die paar deppen haben ihre ruhe

    ein teufel wer schelmisches denkt

  6. „Kischel lehnt diese Verlegung an den Markusplatz ab …“ … „Die
    Gehroute über Markusstraße – Markus-Brücke zog sie nicht in
    Betracht.“

    Stadträtin Kischels Adresse laut Website der Stadt Bamberg/Stadrat: Markusstraße 7 a also nahe Markusplatz und Kapuzinerstraße. So ein Zufall.

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