Dialyseskandal – über 70.000 Patienten protestieren

Martin G. Müller, Spektrum Dialyse

Absenkung der Dialysesachkosten um ca. 10% bringen Dialysepatienten in Not! Über 70.000 protestieren. Anhörung am 13.5.2013 in Berlin erreicht!

Die gesunden Nieren filtern 1.800 Liter Blut, die künstliche Niere schafft nur 10% der Leistung

Die gesunden Nieren arbeiten 7 Tage die Woche, 24 Stunden und filtern täglich 1.800 Liter Blut. Die künstliche Niere (Dialyse) filtert an 3 Tagen die Woche, in 12 Stunden nur 180 Liter Blut. Sie schafft es somit nur 10% der gesunden Nierenfunktion zu ersetzen. Die zurückbleibenden Abfallstoffe, die normal durch den Urin ausgeschieden werden, häufen sich im Körper an. Dadurch wächst das Risiko für zusätzliche Krankheiten, wie etwa für Arterienverkalkung (Atherosklerose), Herzinfarkte und Schlaganfälle. Ohne Dialysebehandlung würden die Patienten innerhalb weniger Tage versterben. Einziger Ausweg ist eine erfolgreiche Nierentransplantation, doch die ist nicht bei jedem Dialysepatient möglich.

Falsche Zahlen bei der Berechnung der Dialysesachkosten bringen Patienten in Not

Nur eine gute Dialysequalität sichert das Überleben der Patienten. Reduziert man die Dialysesachkosten, bedeutet dies wie in jedem Bereich, eine Qualitätsverschlechterung. Seit Einführung der Dialysekostenpauschale im Jahre 2002 sind die Kosten, nicht angepasst worden. Jedoch sind z.B. die Preise für Wasser und Strom (beides benötigt man in großen Mengen für die Dialyse), massiv angestiegen. Neben den vorgenannten Preissteigerungen sind auch die Personalkosten gestiegen. Für die Dialysepatienten ist es ein Skandal und völlig unverständlich, wie der Bewertungsausschuss von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Krankenkassen Spitzenverband GKV eine Absenkung der Kosten am 19.3.2013 beschließen konnte. Bei einem Überschuss der Kassen von ca. 26 Milliarden Euro, bestand für die Senkung keine Not. Ebenso ist es unverständlich wie der Bewertungsausschuss mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes argumentiert, die das Bundesamt selbst als ungeeignet bezeichnet und zurückgezogen hat. Der Bewertungsausschuss bringt so die Dialysepatienten in große Not.

Schlusslicht bei den Dialysesachkosten im europäischen Vergleich

Durch diese Absenkung auf ca. 441 € „Wochenpauschale pro Patient“ (147 € pro Behandlung) ist Deutschland im Vergleich mit 21 europäischen Nachbarstaaten Schlusslicht hinter Rumänien. Unser Nachbar Frankreich zahlt 350 € pro Behandlung. Im Sozialstaat Deutschland spielt der Mensch keine Rolle mehr, wer nichts mehr leisten kann, ist nur noch störender Kostenfaktor.

Rückläufige Organspendenzahlen

Die Transplantationsschlagzeilen 2012 führten bei der Organspende deutschlandweit zu einem Rückgang um 18%. Im Saarland ist z.B. die Organspendebereitschaft von 14,9 Organspendern pro Million Einwohner 2011, auf 8,9 Organspender pro Million Einwohner 2012 gesunken. Dadurch trifft die aktuelle Kürzung der Sachkostenpauschale die Patienten noch härter. Die Wartezeiten auf ein Organ steigen drastisch, die Dialysequalität sinkt. Jedoch nur ein Bruchteil der rund 90.000 Dialysepatienten (2012 standen nur 10% auf der Warteliste für eine Nierentransplantation) haben eine Chance, dem Ganzen durch eine Transplantation für einige Jahre zu entgehen. Bei vielen Patienten ist aus gesundheitlichen Gründen oder dem hohen Alter keine Transplantation mehr möglich. Ihre einzige Möglichkeit zu Überleben ist die Dialysebehandlung.

Petition mit über 70.000 Unterschriften erreicht öffentlich Anhörung in Berlin

Durch die rückläufigen Zahlen bei der Organspende und die Senkung der Dialysesachkosten, fürchten die Patienten jetzt um ihr Leben. Mit einer Petition und über 70.000 Unterstützer (saarlandweit 2000), setzen sie sich zur wehr. So muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit dem Thema auseinandersetzen. In einer öffentlichen Anhörung am 13.5.2013 kann die Petentin Monika Centmayer die Thematik vortragen. Das Ziel und die Forderung der Patienten ist es, die Absenkung der Dialysesachkosten zu verhindern. Die vorgesehene Absenkung ist ein lebensbedrohlicher Skandal.

Quelle der Daten: Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), Kuratorium für Dialyse (KFH), Ärzte Zeitung, Informationsdienst Wissenschaft, Verband Deutscher Nierenzentren e.V.

Spektrum Dialyse ist ein privater Internetauftritt, der sich für die Probleme, Interessen und Informationen rund um das Thema Nierenerkrankung, (Dialyse, Transplantation und Organspende) öffentlich, in Medizin und Politik für Patienten einsetzt. Das Motto ist, „gelebte Erfahrung“ und 30-jähriger Betroffenenkompetenz.

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