Von Frühlings-Lust und Gott zur Ehr‘. Ein Besuch bei der „sicher eigenwilligsten Lyrikerin des Barock“.

Gott-lobende Frühlings-Lust

JAuchzet / Bäume / Vögel singet! danzet / Blumen / Felder lacht!
springt / ihr Brünnlein! Bächlein rauscht! spielet ihr gelinden Winde!
walle / Lust-bewegtes Träid! süsse Flüsse fliest geschwinde!
opffert Lob-Geruch dem Schöpffer / der euch frisch und neu gemacht!
jedes Blühlein sey ein Schale / drauff Lob-Opffer ihm gebracht /
jedes Gräslein eine Seul / da sein Namens-Ehr man finde.
an die neu-belaubten Aestlein / Gottes Gnaden-Ruhm man binde!
daß / so weit sein Güt sich strecket / werd‘ auch seiner Ehr gedacht.
Du vor alles / Menschen Volck / seiner Güte Einfluß Ziele!
aller Lieblichkeit Genießer Abgrund / wo der Wunderfluß
endet und zu gut verwendet seinen Lieb-vergulten Guß.
GOtt mit Herz / Hand / Sinn und Stimm / lobe / preiße / dicht‘ und spiele.
Laß / vor Lieb‘ und Lobes-Gier / Muht und Blut zu Kohlen werden /
lege Lob und Dank darauff: Gott zum süssen Rauch auf Erden.

Catharina Regina von Greiffenberg

Von Chrysostomos

Sie ist zwar – im September 1633 – auf Schloß Seyssenegg bei Amstetten in Niederösterreich geboren, aber eng mit Franken verbunden. Denn mit der Dichtung Georg Philipp Harsdörffers, der 1644 den Pegnesischen Blumenorden, den noch heute bestehenden literarischen Zirkel der Pegnitzschäfer, mitbegründete, hat sich Catharina Regina von Greiffenberg intensiv beschäftigt; und es war der ebenfalls dem Pegnesischen Blumenorden angehörende Sigmund von Birken, mit dem sie Briefe tauschte und der 1662 die Veröffentlichung der Geistlichen Sonnette / Lieder und Gedichte zu Gottseeligem Zeitvertreib von Greiffenberg besorgte.1680 ging Catharina nach dem Tod ihres Mannes nach Nürnberg, wo sie vierzehn Jahre später verstarb.

Nach dem frühen Tod des Vaters kümmerte sich dessen Halbbruder Hans Rudolf als Vormund um Greiffenberg und sorgte dafür, daß sie eine umfassende Bildung genoß. Der fast drei Dekaden ältere Onkel verliebte sich in Catharina und hielt 1659 um ihre Hand an. Erst nach langem Widerstreben willigte sie 1664 in die rechtlich bedenkliche Heirat (Stichwort Blutschande) mit ihrem nahen Verwandten ein, mit dem Resultat, daß sie unter psychischen und familiären Problemen litt. In ihren Geistlichen Sonnetten kommt der Wunsch zum Ausruck, Gott möge ihr wenigstens in ihrer Lyrik eine freie Entfaltung gewähren.

„Mein ganzes Leben“, schrieb Greiffenberg einmal, „war ein Todesverlangen.“ Nach einem religiösen Erweckungserlebnis 1651 widmete sie dieses Leben der Verherrlichung Gottes. Ihre Sonette handeln, wie beispielsweise die „Frühlings-Lust“, von der Verehrung Gottes in der Natur, von der Vorsehung, von der Gnade und Güte Gottes. Neben Gedichten veröffentlichte Greiffenberg eine Folge von Andachtsbüchern, etwa Des Allerheiligst- und Allerheilsamsten Leidens und Sterbens Jesu Christi Zwölf andächtige Betrachtungen von 1672. Außerdem war Greiffenberg bestrebt, Kaiser Leopold I. zum lutherischen Glauben zu bekehren.

Obgleich sie noch und immer wieder in Anthologien zu finden ist, ist Catharina Regina von Greiffenberg heute kaum mehr bekannt. Heinrich Detering, dem Göttinger Bob-Dylan- und Thomas-Mann-Mann, gilt sie als die „wohl bedeutendste, sicher eigenwilligste Lyrikerin des Barock“. Die Bemühungen um die „sprachliche Vergegenwärtigung religiöser Erfahrungen“, schreibt Detering, „führt in diesen Gedichten zu immer neuen Konstruktionen kühner Komposita und manieristischer Metaphern, mit denen Greiffenberg zu den Sprachexperimenten des Barock wesentlich beigetragen hat“.

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