Herstellung der aquatischen Durchlässigkeit der Regnitz im Stadtgebiet von Bamberg

Ausschnitt aus einer Vogelschauansicht des Klarissenklosters, 1742 von Adam Heinrich Mahr. Oben der Mühlgraben (Regniz Fluss), darunter Walkspund und Fischwinterungen, darunter links der über den Nonnengraben (Closter Jungfrauen Fischwasser) führende Aquaedukt in den Stadtgraben, der sich um das Kloster bis zum rechten unteren Bildrand hinzieht (SAB A 221, Stb. 75, fol. 1. – S. 1018 und 1020).

Redaktion

Bamberg ist eine Stadt am Fluss und eine Stadt im Fluss. Geprägt von der Lebensader Regnitz. Und den zahlreichen Berufen, die direkt oder indirekt mit dem Leben am Wasser zu tun haben. Bedeutende Denkmäler weisen bis heute darauf hin, Klein Venedig dürfte der bekannteste Hinweis sein. Weniger bekannte, bisweilen zugeschüttete Relikte dieser Entwicklungsgeschichte gehören jedoch unbedingt zur Integrität und Vielfalt der Geschichte, auch der Industriegeschichte, hinzu. Wilfried Krings, Professor für historische Geographie, stellt nicht nur das historische Nonnenwehr im Bereich des Denkmal-Ensembles Innenstadt und den geplanten Umbau vor, sondern auch die Hemmnisse für die Forschung. Erschwerend kommt bisweilen die mangelnde Transparenz der in unserer Stadt laufenden Planungen hinzu.

Professor Wilfried Krings

In Kürze beginnen die Baumaßnahmen am Nonnenwehr. Das über dieses Wehr abfließende Wasser der Regnitz kommt teils aus dem Hollergraben, teils vom sogenannten Walkspund der ehemaligen Walkmühle der Tuchmacher (Mühlwörth 17). Über das Alter des Wehrs habe ich keine Angaben. Ich vermute, dass es im Zusammenhang mit dem Ausbau des Nonnengrabens für den Ludwigkanal angelegt wurde. Auf der Vogelschau im Klosteratlas des Geometers Adam Heinrich Mahr von 1743 (wiedergegeben auf Infotafel am ehem. Dienstbotengebäude des Klosters, Schillerplatz 13) kann ich kein Wehr erkennen. Dargestellt sind an der betreffenden Stelle zwei künstliche Grabenquerungen, nämlich eine hölzerne Rinne zur Wasserüberleitung aus dem linken Regnitzarm in den Stadtgraben (zur Durchspülung/Reinigung des Grabens, bereits auf der Vogelschau des Heinrich Hayßdorf von 1706 eingezeichnet) sowie das – wohl im Grabenbett verlegte – „Wasser Rohr in die Fischgruben, 1743 dahin gelegt“. Letzteres hatte den Zweck, Wasser aus dem linken Regnitzarm durch den städtischen „Bürgermeistersgarten“ in den klösterlichen Fischbehälter zu leiten.

Die geplante Maßnahme bildet den Abschluß des Vorhabens, in Entsprechung zu der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie die Durchlässigkeit der Regnitz für Fische durch sogenannte Aufstiegshilfen herzustellen. Der erste Schritt war die Anlage des Fischpasses auf dem ehemaligen ERBA-Gelände im Rahmen der LGS 2012. Das Ergebnis wird größtenteils sehr positiv bewertet, hauptsächlich allerdings, weil im Zuge des Fischpasses äußerst attraktive Wasserspielplätze für Kinder geschaffen wurden.

Am Fischpass der LGS 2012 (oberer Bereich), mit Sams. Foto: W. Krings März 2013

Der Fischpass beginnt am Werkkanal der ERBA bzw. der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei A.-G., einer künstlichen Anlage aus den 1850er Jahren, und mündet in den linken Regnitzarm oberhalb des Werkanals und der ERBA-Schleuse. Ich hätte es begrüßt, wenn alternativ die Freilegung des in den 1960er Jahren verfüllten ehemaligen Flußbetts insgesamt in Betracht gezogen worden wäre. In diesem Fall wären auch die Freilegung der verfüllten Verbindungsschleuse, die Erhaltung beider Schleusenhäuser und die Einbeziehung der Sandsteinpfeiler des Grundablasses möglich gewesen. Da man aber nach einer Attraktion für die LGS suchte, für die es Fördermittel gab, wurde eine Neuschöpfung bevorzugt, die dem Zeitgeschmack nach „natürlicher“ Gestaltung entgegenkommt.

Das ehem. Schleusenhaus, erbaut um 1910, die „Villa Wunschpunkt“ für Besucher der LGS im Kindesalter, nach Beendigung der Veranstaltung. Foto: W. Krings März 2013 Der Grundablaß befand sich links (Pfeilerrest wieder sichtbar), die Verbindungsschleuse rechts von dem Gebäude

Bei der inzwischen abgeschlossenen zweiten Maßnahme am Hollergraben wurde 2012 das beliebte „Hufeisenwehr“ beseitigt. Dieses Wehr ersetzte das „Steinwöhrlein“ in Höhe des Druidentempels an der Südspitze des Theresienhains und gehörte zu der Landschaftsgestaltung unter der Hainbrücke.

Der Planer, Prof. Bernhard Winkler (*1929), München, wurde 1973 mit einem BDA-Preis ausgezeichnet. Eine Betonstele mit einem Bronzeknauf erinnert daran, allerdings sind die zugehörigen Schrifttafeln seit längerem nicht mehr vorhanden.

BDA-Stele. Foto: W. Krings Febr. 2013

Es handelt sich bei der Winkler’schen „Brückenlandschaft“ um ein zeittypisches, aber heute, weil „unnatürlich“, nicht mehr als zeitgemäß betrachtetes Element. Die hierfür jetzt gewählte Umgestaltungslösung respektiert meiner Meinung nach das Vorgegebene und fügt sich relativ diskret in den Bestand ein. Damit wäre die im RathausJournal v. 27.07.2012 genannte Vorgabe, dass „die bestehende architektonische Formgebung im Grundriß erhalten bleiben soll“, eingelöst.

Hollergraben unterhalb der Hainbrücke nach der Umgestaltung. Hier befand sich vorher das Hufeisenwehr. Blick gegen die Fließrichtung. Foto: W. Krings, März 2013

Die nun anstehende Maßnahme „Umbau Nonnenwehr“ (Einbau raue Sohlrampe, Herstellung der Durchgängigkeit im Stadtgebiet Bamberg) ist bisher nach meiner Kenntnis lediglich aus Zeitungsberichten bekannt. Auf meine Bitte machte das für die Planung zuständige Wasserwirtschaftsamt Kronach mir die Planunterlage, datiert 15.02.2013, mit Schreiben vom 06.03.2013 zugänglich, wofür ich an dieser Stelle ausdrücklich danke.

Das bestehende – historische – Nonnenwehr ist laut Unterlagen ca. 26 m breit; hinzu kommen 4 m für das ehemalige Triebwerk der Fa. Müller (Eisengießerei und Maschinenfabrik). Die erhalten gebliebene Girard-Turbine wurde vor einigen Jahren ausgebaut; sie sollte restauriert und wieder eingebaut werden. Wie der aktuelle Stand ist, weiß ich nicht.

Blick auf das Nonnenwehr in Richtung auf die Stengelallee. Foto: W. Krings März 2013

Mit Rücksicht auf das Müller’sche Triebwerk soll auf der Seite des Clarissenwegs ein 4 – 5 m breiter „Leerschuss“ freigehalten werden. Das heißt, dass das Ufer, bestehend aus einer Sandsteinmauer und einer unterhalb sich anschließenden bewachsenen Böschung, nicht angetastet wird. An den Leerschuss schließt sich die „Sohlrampe“ an. Sie ist knapp 12 m breit. Von dem bestehenden Wehr bleiben 14,50 m zum Gelände der Schleuse 100 hin übrig.

Die Sohlrampe wird 46 m lang und mit 14 Riegeln aus „Wasserbausteinen“ gegliedert. Integriert sind 3 „Ruhebecken“, offenbar für die Senioren unter den Fischen, denen der Aufstieg nicht mehr auf Anhieb gelingt. Der Unterschied zwischen Unter- und Oberwasser beträgt 1 m.

Positiv an der gewählten Lösung ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass die Rampe so platziert wird, dass keine Verbindung mit den Ufern besteht. Dies ist dagegen bei den beiden anderen Konstruktionen – Fischpässe LGS-Gelände und Hollergraben – der Fall, so dass das Gewässer für Mensch und Hund frei zugänglich ist und Nutzungskonflikte vorprogrammiert sind. Am Nonnengraben wäre das nicht wünschenswert, denn die beidseitigen Uferwege Clarissenweg und Leinritt sind seit langem als klassische Hundeklo-Alleen in Gebrauch.

Die „Wasserbausteine“ sind roh zugerichtete Bruchsteine unbekannter Herkunft. Solche kamen in Bamberg in jüngster Zeit mehrfach zum Einsatz; so wurde z. B. die Einmündung des historischen Geyerswörth-Querkanals in den Nonnengraben mit derartigem Material verfüllt, während die westliche Kanalböschung sorgfältig gepflastert war (alte Pflasterung z.T. erhalten bzw. wiederhergestellt). Auch entlang des neuen Uferwegs am Schiffbauplatz und am Weidenufer ist das preisgünstige (?) Material zu finden. Es eignet sich ebenfalls gut als Kontrastmittel zu frisch gedämmten Fassaden, so bei Mehrfamilienmietshäusern im Hainviertel. Die Steine entsprechen einer aktuellen Mode, die ein naturhaftes Erscheinungsbild favorisiert. Die Utopie des urbanen Dschungels gewinnt immer mehr an Anziehungskraft.

In nicht allzu ferner Vergangenheit wurde einem eher technisch anmutenden Erscheinungsbild der Vorzug gegeben. Ein Beispiel von der Rodach zeigt das nachstehende Foto.

Fischpaß (links) am Rodachwehr in Neuses, LK Kronach. Foto: aus Klupp 1985

Heimatbewußte Fische werden die Aufstiegshilfen zweifellos begrüßen, hungrige Kormorane vermutlich ebenfalls. Wie es in unserem Raum derzeit um die Fischwanderungen bestellt ist, müssen Fachleute beantworten. Gelesen habe ich darüber noch nichts. Nachweisbar ist, dass es in der Vergangenheit Wanderungen gab. Vom Lachsfang in dem Flüßchen Sinn oberhalb von Gemünden am Main, heißt es aber bereits 1838, er sei jetzt „sehr selten“. (Georg Höfling: Historisch-topographisch-statistische Notizen über das Städtchen Gemünden in Unterfranken und Aschaffenburg. Würzburg 1838, S. 20.) Auch der Stör kam vor. (Hilmar Tkocz: Fischarten in den Bamberger Gewässern im 14. und 15. Jahrhundert, in Klupp 1985, S. 99.) Unklar ist, wann genau die Wanderungen aufhörten. Ein konkretes Datum ist vom Main überliefert: Der letzte Stör – von 9‘ 9‘‘ Länge [= 2,63 m + 0,26 m = 2,90 m] und 130 Pfund Gewicht – sei am 19.06.1826 nachts um ½11 Uhr gefangen worden. (Carl Heffner: Würzburg und seine Umgebungen. Ein historisch-topographisches Handbuch. Würzburg 1852, S. XVIII.)

Die möglichen Ursachen für das Aufhören der Wanderungen liegen allerdings auf der Hand. Eugen Roth reimte treffend – und auch auf fränkische Gewässer gut passend:

„Abwässer, Kraftwerk und Kanal
vertrieben Huchen, Hecht und Aal.
Ein einz’ger Färber oder Gerber
ward meilenweit zum Fischverderber.
Und seit man den Zement erfand,
der Fisch aus Fluß und Bächen schwand.“

(Eugen Roth, zit. n. Klupp 1985, S. 22.)

Um 1900 wurde das Amt eines „Kreiswanderlehrers für Fischereiwesen“ geschaffen, aber das war natürlich kein wirklicher Ersatz (und auch nicht als solcher gemeint!).

Die Regnitz ist seit Jahrhunderten kein natürlicher Flußlauf mehr. In Bamberg existierten Wehre, nicht nur – bis heute – im linken Flußarm, dem Mühlgraben, sondern auch im rechten (Buger Wehr, ersetzt durch Jahn-Wehr). Dass sie nicht unüberwindbar waren, zeigt die gelegentliche Erwähnung besonderer Fänge. So wurde aus Erlangen berichtet, die dortige Universitäts-Sammlung bewahre den Kopf einer „in der Regnitz bei Bruck gefangenen Lamprete [Neunauge]“. Das sei „ein Beweis, daß die Wanderungen derselben sich sehr weit erstrecken.“ (H. C. Küster 1839/40) Näheres zu den Gewohnheiten dieser aalförmigen Art in Brehms Tierleben.

Fest steht, dass sich mittlerweile an der Regnitz einiges zum Besseren gewandelt hat. Dass sich die alten Verhältnisse wieder einstellen, halte ich jedoch für wenig wahrscheinlich. Der menschliche Einfluß hat gewollt und ungewollt neue Gegebenheiten hervorgerufen. Zu ihnen gehört, dass der Biber neuerdings seine Baumfällkünste demonstriert. Auch die Fischbestände sind weitgehend anthropogen.

Dass sich allerdings, wie in lokalen Leserbriefen behauptet, Hunde auf Fischfang verlegt hätten, kann ich nicht bestätigen. Ich bin kein Hundehalter und war auch nie einer. Der Vorschlag, gegen das beklagte Angeln durch Hunde helfe nur noch „der Austausch der heimischen Wasserbrut gegen blutrünstige Piranhas“ (Klaus Rakette, Leserbrief FT 28.02.2013), sollte dennoch – auch unter dem Aspekt der Klimaerwärmung – einmal gutachterlich geprüft werden, am besten „ergebnisoffen“. Der Hund Berganza jedenfalls begnügte sich, 200 Jahre ist’s her, damit, am Weg nach Bug mit den Fischen Gespräche zu führen.

Die relative aquatische Unübersichtlichkeit der Regnitz macht es notwendig, dass an wenigstens zwei Stellen für Migranten aus dem Reich der Fische der offizielle Wegweiser angebracht wird.

Der offizielle Wegweiser

Die erste Stelle wäre das Ende des ERBA-Werkkanals in Höhe der „Seebühne“ der LGS. Die zweite Stelle wäre an der Unteren Brücke am Ende des Nonnengrabens. Würde man sich dort als Fisch rechts halten, gelangte man bekanntlich in eine Sackgasse mit den Endpunkten Brudermühle bzw. Bischofsmühle.

Unverkennbar ist ein Bewußtseinswandel bezüglich unserer Gewässer, zumindest auf behördlicher Seite. Als sich zu Beginn der 1980er Jahre ein Verbund Bamberger Vereine, darunter der Historische Verein, dafür einsetzte, dass die Fischwinterungen im Mühlwörth erhalten und reaktiviert würden, war diese Initiative noch erfolglos. Damals wurde auch bereits angeregt, die Stadt Bamberg möge sich um eine Landesgartenschau bewerben. (Schreiben der federführenden SGAB v. 26.04.1982). Dreißig Jahre später (!) war es dann tatsächlich soweit.

Zugleich ist zwischenzeitlich der Nutzungsdruck auf die Regnitz immer mehr gestiegen. Der Fluß wird insbesondere für Freizeitzwecke in Anspruch genommen, wenn auch noch nicht in dem Maße wie die Isar in München. Am linken Regnitzarm wurde zugunsten der „Hainbadestelle“ eine „Badeverbotsaufhebungszone“ ausgewiesen, markiert und beschildert. Ein gewisses Konfliktpotential bleibt bestehen. Je „natürlicher“ ein Fluß erscheint, desto attraktiver ist er für den Menschen. Um auch noch einmal auf den Hund zu kommen, ihm wurde jüngst ein beliebter Sandstrand an der Regnitz genommen, weil die von der Einrichtung ausgehenden Geräuschemissionen auf dem gegenüber liegenden Campingplatz als störend empfunden wurden.

Sollten sich die angesprochenen Maßnahmen zur Herstellung der aquatischen Durchlässigkeit als erfolgreich erweisen, bleibt ein wesentlicher Kritikpunkt übrig, der vermeidbar gewesen wäre und künftig vermieden werden sollte. Speziell beim Umbau des Nonnenwehrs geht es nicht ausschließlich um „Natur“. Betroffen von den Maßnahmen ist schließlich ein hochrangiges Denkmalensemble mit der Schleuse 100 als Kern. Sie ist die einzige noch funktionsfähige und vollständige Anlage ihrer Art am ehemaligen Ludwigkanal. Wichtiges Zubehör ist die Blickbeziehung vom Zwinger in Richtung Walkspund und insbesondere in Richtung Dom, der im Zusammenhang mit der Restaurierung unter König Ludwig I. als visueller Endpunkt des Kanals Bestandteil des Bauprogramms war – ebenso wie die Befreiungshalle in Kelheim und das Kanalmonument am Erlanger Burgberg. (W. Krings 1988)

Das Erscheinungsbild des Wehrs, das hauptsächlich vom Clarissenweg aus wahrnehmbar ist, wird durch die Sohlrampe, wenn ich mir deren Endzustand vorzustellen versuche, erheblich verändert.

Zur Illustration des oben Gesagten füge ich eine Darstellung aus der Frühzeit des Ludwig-Donau-Main-Kanals bei. Sie lässt erahnen, dass es bei dem Kanalbau um mehr ging als um die verkehrstechnische Verbindung zweier Flüsse oder, wie die romantische Traumvorstellung war, zweier Meere (Nordsee und Schwarzes Meer), ja Kulturkreise (Okzident und Orient). Der Kanal sollte nicht zuletzt dazu beitragen, dass die verloren gegangene Einheit des Reichs wiederhergestellt würde. Dieses politische Ziel wurde erst rund 25 Jahre später mit der Gründung des Deutschen Reichs Wirklichkeit. Damit hatte der Kanal seinen Zweck im Grunde erfüllt. Von bayerischer Seite wurden Neubaupläne verfolgt. Es sollte aber rund 100 Jahre dauern, bis ein neuer Kanal durchgehend befahrbar sein würde. Die noch in den 1930er Jahren betriebene Main-Werra-Verbindung – mit ausgedehnten Hafenanlagen in Bamberg – ist längst vergessen.

„Schleusse am Walkerspund in Bamberg“. Stahlstich von Alexander Marx, 1845. Blatt 25 der 26teiligen Folge „Pittoreske Ansichten des Ludwig-Donau-Main-Kanals“

Man beachte die – heute teilweise durch Bäume verdeckte – Stadtsilhouette mit den Türmen von Altenburg, St. Stephan, Oberer Pfarrkirche U.L.F. und Dom. Das Nonnenwehr ist gut erkennbar.

Die angesprochenen Besonderheiten hätten es erforderlich gemacht, einen Ausgleich zwischen naturschützerischen und denkmalpflegerischen Interessen zu suchen. Vor allem aber hätte ich mir gewünscht, dass die Öffentlichkeit frühzeitig über die Planung und mögliche Alternativen informiert worden wäre. So bleibt nur, das fertige Produkt zur Kenntnis zu nehmen. Darauf zu bauen, die Bevölkerung werde das Resultat schon begeistert aufnehmen, scheint mir nicht vertretbar zu sein. In Bamberg gibt es aus jüngerer Zeit Beispiele, wo intransparente Planungen zu Veränderungen führten, die auf Widerspruch stießen. Nur, wenn ein Vorhaben einmal durchgeführt, sprich das Kind in den Brunnen gefallen ist, helfen Proteste nicht mehr.

In der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie steht:

„(14) Der Erfolg der vorliegenden Richtlinie hängt von einer engen Zusammenarbeit und kohärenten Maßnahmen auf gemeinschaftlicher, einzelstaatlicher und lokaler Ebene ab. Genauso wichtig sind jedoch Information, Konsultation und Einbeziehung der Öffentlichkeit, einschließlich der Nutzer.“

Bamberg, im März 2013 Wilfried Krings

Was wird Petrus dem „Planner“ an der Himmelspforte sagen? I’m sorry, good intentions aren’t enough!

Literaturhinweise:

  • Klupp, Robert [Fischereioberrat Oberfranken, Bayreuth] u.a.: Fischerei in Oberfranken. Darstellung der gesamten oberfränkischen Fischerei. Bayreuth 1985.
  • Krings, Wilfried: Zwischen Befreiungshalle und Bamberger Dom: Kelheimer Bau und Bamberger Restaurierung als „Mittel zur Stärkung nationaler Identität“/ Ein Kanal mit ideeller Aufgabe. (= Ludwig-Donau-Main-Kanal). In: Mittelbayerische Zeitung (Regensburg) v. 17.2.1988, Beilage „Blick in die Region/Der Ludwig-Kanal“.
  • Küster, H. C.: Das Wandern der Thiere in Beziehung auf die Veranlassung und ökonomische Wichtigkeit. In: Jahresbericht über die Königliche Landwirthschafts- und Gewerbsschule Erster Classe zu Erlangen 1839/40, S. 29ff.
  • Nordrhein-Westfalen / Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hg.): Handbuch Querbauwerke. Bearb. v. Ulrich Dumont. Düsseldorf: MUNLV, 2005. 212 S. Basiert auf der „Studie zur Ermittlung und gewässerökologischen Bewertung von Stauanlagen in den Gewässern von NRW und zur Ausweisung von gewässerökologisch angepassten energetischen Nutzungsmöglichkeiten“ – Internet: Fischaufstiegsanlagen (ca. 5,3 MB) (aus Handbuch Querbauwerke, 2005, S. 107ff.) (abgerufen am 12. Oktober 2008; PDF-Datei)
  • Wasserrahmenrichtlinie = Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik. Siehe Wikipedia

Kontakt: wilfried.krings@uni-bamberg.de

Ein Gedanke zu „Herstellung der aquatischen Durchlässigkeit der Regnitz im Stadtgebiet von Bamberg

  1. Auf der Suche nach einem geeigneten Treffpunkt für meine Studienkollegen aus Nürnberg, Amberg, Ansbach, Regensburg (78/82 Nürnberg, Grafik-Design) habe ich das Hufeisen-Wehr gewählt und hier wichtiges Hintergrund-Wissen gefunden.

    Herzlichen Dank
    (… mit Erinnerungen an Bächlein nördlich des früheren Bundesbahn-Betriebswerks Bamberg)

    Helfried Miekautsch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.