Bamberg auf dem Weg zur „Fairtrade-Stadt“

Jérôme Grad

FAIRE Stadt. Foto: Erich Weiß

Nach einstimmigem Beschluss der Mitglieder aller Fraktionen des Umweltamtes bemüht sich die Stadt Bamberg um den Titel „Fairtrade-Town“.

„Fairtrade-Towns“ ist eine im Jahr 2000 ins Leben gerufene Kampagne der Organisation TransFair e.V., der sich mittlerweile Städte und Gemeinden in 24 Ländern angeschlossen haben. Seit 2009 können sich auch Kommunen in Deutschland für das Siegel „Fairtrade-Stadt“ bewerben.

Ziel von „Fairtrade-Towns“ ist die Zusammenbringung unterschiedliche Akteure aus Handel, Politik und Zivilgesellschaft. Damit soll ein Zeichen gegen die Armut in den Entwicklungsländern gesetzt werden und zugleich an eine gerechtere Gestaltung des globalen Welthandels appelliert werden. Und dies – so das Grundverständnis der Kampagne – ist von jedem einzelnem Bürger umsetzbar, allein durch den Kauf von Fairtrade-Siegel gekennzeichneten Waren.

Was ist Fairtrade?

Nach Informationen von FAIRTRADE Deutschland kauften Verbraucherinnen und Verbraucher weltweit im Jahr 2011 im Wert von fünf Milliarden Euro Fairtrade-zertifizierte Produkte ein. Allein die Deutschen konsumierten für insgesamt 400 Millionen Euro.

Doch was heißt Fairtrade eigentlich? Fairtrade (dt: fairer Handel) erlaubt es, den Produzenten aus den Entwicklungsländern mit einem von der Fair-Trade Organisation festgelegten Mindestpreis für ihre Ware zu rechnen. Dieser liegt über dem jeweiligen Weltmarktpreis, womit die Erzeuger ein höheres Einkommen im Vergleich zum herkömmlichen Handel garantiert wird. Die 1997 gegründete internationale Dachorganisation FLO (Fairtrade Labelling Organisation International) überwacht zudem die Einhaltung der vorgeschriebene Umwelt- und Sozialstandards.

TransFair e.V., die nationale Organisationen in Deutschland, vergibt das Fairtrade-Siegel und schließt Lizenzverträge mit Unternehmen ab. Diese dürfen – die Einhaltung der Fairtrade-Standards vorausgesetzt – das Siegel auf ihre Produkte abbilden. Die Auswahl ist dabei vielfältig und erstreckt sich neben Lebensmitteln wie u.a. Bananen, Kaffee und Zucker auch auf Baumwolle und Blumen.

Damit wird dem Verbraucher garantiert, dass die höheren Fairtrade-Preise den Produzenten in den Entwicklungsländern zu Gute kommen. Weltweit profitieren so laut FAIRTRADE Deutschland 1,2 Millionen Landwirte in über 60 Ländern vom fairen Handel. Zusammen mit ihren Familien sind das nach eigenen Aussagen rund sechs Millionen Menschen, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Wie wird man „Fairtrade-Stadt“?

Insgesamt 137 sogenannte „Fairtrade-Städte“ gibt es mittlerweile in Deutschland.

Fairtrade Towns Logo

Bevor die Stadt Bamberg sich jedoch mit dieser Auszeichnung schmücken darf, müssen die fünf von TransFair e.V. ausgeschriebenen Kriterien erfüllt werden, welche von der Organisation im Turnus von zwei Jahren überprüft werden.

  1. Es liegt ein Beschluss der Kommune / des Kreistages vor, dass bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Rates sowie im Bürgermeister-, bzw. Landratsbüro Fair Trade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet wird. Es wird die Entscheidung getroffen, als Stadt den Titel „Fairtrade Stadt“ anzustreben.
  2. Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die auf dem Weg zur „Fairtrade-Stadt“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert.
  3. In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants werden Fair Trade-Produkte ausgeschenkt.
  4. In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fair Trade-Produkte verwendet und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt.
  5. Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zur „Fairtrade-Stadt“.

Stadt Bamberg noch am Anfang

Das erste Kriterium wurde mit dem einstimmig durch die Mitglieder aller Fraktionen des Umweltsenats gefassten Beschluss bereits erfüllt.

Die Einrichtung der lokalen Steuerungsgruppe erfolgt noch in diesem Monat, bestehend aus Vertretern des Agenda 21-Büros der Stadt Bamberg, des Weltladens, TransFair e.V. und der Studentenschaft.

Zur Ermittlung des Status quo des bereits bestehenden Angebots von Produkten aus „Fairem Handel“ soll eine Umfrage gestartet werden. Dabei wird sowohl der Einzelhandel als auch Vertreter der Gastronomie angeschrieben. So soll ermittelt werden, ob die obligatorischen 15 Geschäfte und 8 Gastronomiebetriebe in Bamberg bereits vorhanden sind. Zusätzlich werden Interessierten im Laufe des Jahres Informationsveranstaltungen angeboten.

Einen Schritt weiter ist die Stadt bei den Bemühungen um Schulen, Kirchen und Vereinen. Mindestens je eine Schule, ein Verein und eine Kirche müssen Fairtrade Produkte anbieten und Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchführen.

In der letzten Woche wurden die Umweltbeauftragten der Schulen bei einem Treffen über dieses Vorhaben informiert. Das Clavius-Gymnasium beteiligt sich jetzt schon an der Aktion. Kürzlich fand unter Anleitung von Frau Stanke von TransFair e.V. ein Workshop zum Thema

„FAIR-suchung Schokolade“ in der Klasse 6f statt. Frau Gebert vom Amt für Umwelt, Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Bamberg sprach hierbei aber nur von einem ersten Schritt, dem weitere Schulen folgen sollen.

Einen konkreten Termin, bis wann alle fünf Punkte erfüllt sein sollen, gibt es noch nicht, jedoch äußerte Frau Gebert den Wunsch, Bamberg als „Fairtrade-Town“ im Zeitraum eines Jahres zu etablieren.

Und wer weiß, vielleicht schafft es Bamberg dann auch zur „Hauptstadt des Fairen Handels“ – die Oberpfälzer Nachbarn aus Neumarkt belegten 2011 immerhin den 4. Platz.

2 Gedanken zu „Bamberg auf dem Weg zur „Fairtrade-Stadt“

  1. Vor allem wäre es jetzt endlich mal angebracht, den GAL-Antrag von 2013 zu behandeln, der über den schicken Titel weit hinaus geht und echte öko-soziale Verantwortung der Stadt bei Einkäufen und Vergaben zum Ziel hat.
    „https://www.gal-bamberg.de/index.php?id=1601&tx_ttnews[tt_news]=681&cHash=099211cdc833b00015b7284b2814a778“
    Danke übrigens an die Onlinezeitung, dass sie das tolle Fotos mal wieder aus dem Archiv gezogen hat. Das war echt eine famose Mitmach-Aktion der GAL auf dem Maxplatz.

  2. Die Idee der Fair-Trade-Town Bamberg finden wir von der GAL-Stadtratsfraktion auch sehr gut. Wir wünschen der neuen Inititative der Stadt ein gutes Wachsen und Gedeihen und nicht dass es ihr so geht, wie manchen anderen „Projekten“ aus denen letztendlich nur Etiketten wurden. Mir fallen da ein „Kopf an – Motor aus“, oder das Fahrradforum oder die Regionalkampagne die auf halben Wege verhungert sind. Das Gefeilsche um schlappe 1.000 Euro Projektmittel für die Fair-Trade-Town Bamberg bei den Haushaltsberatungen für das Jahr 2013 (beantragt waren 3.000, genehmigt dann die schlappen 1.000) lassen vermuten, dass es manch einem im Rathaus nicht ganz so ernst damit ist.

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