Fällung der Eiben am Michelsberg: zukünftig Transparenz wagen

 Redaktion

Eibenwäldchen im Kloster Michelsberg. Foto: Erich Weiß

Seit gestern sind die 16 Bäume weg. Nach der Veröffentlichung des Briefes der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg am letzten Donnerstag an die Stadt Bamberg verschickte diese am Freitag nachfolgende Pressemitteilung.

In der heutigen Sitzung des Bau- und Werksenats wurde aufgrund eines Dringlichkeitsantrags der GAL die Fällung der Eiben thematisiert: zum ersten Mal. Der mangelhaften Öffentlichkeitsarbeit gegenüber den Vertretern der Bürgerschaft, des Stadtrates, und den Trägern öffentlicher Belange ist die Aufregung um die Fällung geschuldet. Wir haben die Anfrage der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg an die Stadt veröffentlicht: Baumfällung am Kloster Michelsberg?

Bertram Felix, Bamberger Finanzreferent und Chef des Immobilienmanagements und zukünftiger Nutzer des ehemaligen Benediktinerareals sah zwar „die Dringlichkeit nicht mehr gegeben, weil die Fällung bereits vollzogen“ sei, zitierte aber ausführlich das Schreiben der Bamberger Gebietsreferentin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Frau Dr. Faber, die die Bäume als Nachpflanzung aus den Jahren nach 1950 als „nichthistorischen Bestandteil“ und somit als Fremdkörper des Innenhofs beurteilte. Da die Pflanzung nicht standortgerecht sei, begrüße sie deren Entfernung. Auch Dr. Gerdes vom städtischen Umweltamt bestätigte das korrekte Verfahren und betonte, dass die Bäume als Tiefwurzler das darunterliegende Kanalsystem erheblich verwurzelt haben. Auf Grund der mangelhaften Pflege der letzten Jahrzehnte seien sie unten verkahlt und nach oben ausgewachsen. Einen Rückschnitt auf Stock hätte er wegen des Alters der Bäume nicht empfohlen. Außerdem seien die Bäume zu nah an der Sandsteinmauer des Dientzenhoferbaus gepflanzt, somit deren Abtrocknen nach Regen verhindert und biogenen Bewuchs gefördert.

Das sind gewichtige Gründe für eine Fällung. Eine Rücksprache mit der hauseigenen Denkmalbehörde sowie mit dem Stadtrat und der Öffentlichkeit wäre der Stadt ans Herz zu legen – dringend. Denn die schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit mit mangelhafter Transparenz, mit Entscheidungen, die explizit dem Willen der engagierten Bürger auch im Berggebiet widersprechen, fördern ein schlechtes Klima. Intransparenz und fehlende Kommunikation legten in diesem Fall Vermutungen nahe, noch mehr Parkplätze schaffen zu wollen. Die Aufregung hatte den Vorteil, dass die Stadt ausdrücklich darauf hin weist, dass keine Parkplätze an dieser Stelle angelegt werden.

Zur Erinnerung sei hinzugefügt: In der besseren Vergangenheit war das Zusammenspiel von Denkmalpflege und Naturschutz ein echter Gewinn. Der barocke Terrassengarten von St. Michael und dessen Pflege ist ein glänzendes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit.

Herr Dr. Händler von der Schutzgemeinschaft ist mit dieser Antwort „zufrieden“, gewährleistet die Stadt ja den denkmal- und naturschutzgerechten Umgang mit dem Innenhof von Kloster Michelsberg.

Pressemitteilung Stadt Bamberg

Eiben Michelsberg, Foto von 2012

Aus Denkmalschutzgründen müssen zeitnah die unmittelbar vor der Fassade des ehemaligen Wirtschaftsflügels der ehemaligen Klosteranlage stehenden Eiben entfernt werden. Vom Eigentümer der Klosteranlage, der Bürgerspitalstiftung Bamberg, wurde bereits im Dezember 2012 ein entsprechender Antrag zur Fällung der 16 Bäume gestellt. Die naturschutzrechtliche Zustimmung hierzu liegt vor.

Michelsberg um 1887

Die Fällung der Eiben wurde unumgänglich, da zwischenzeitlich die denkmalgeschützte Bausubstanz starke Schäden erlitten hat. Insbesondere die Fassade des Galeriebaus hat bereits deutliche Schäden durch das bauphysikalisch ungünstige Mikroklima in diesem Bereich erlitten. Die erhöhte Feuchtigkeit und die unzureichende Abtrocknung der Sandsteinfassaden in diesem Bereich führen gerade auch bei der aktuellen Witterung immer wieder zu Frostschäden. Wertvolle Bausubstanz geht unwiederbringlich verloren. Aber auch unter der Erde verursachen die Bäume erhebliche Probleme. Eine kürzlich durchgeführte Videobefahrung der in diesem Bereich liegenden Kanalleitungen hat dokumentiert, dass die Leitungen hier vollständig mit Wurzelwerk durchsetzt sind. Dies hat bereits in der Vergangenheit öfters zu erheblichen Folgeschäden, wie z. B. feuchten Außenwänden und Kellern oder hinterspülten Stützmauern geführt.

Michelsberg vor 1950

Aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten ist die Fällung dieser neuzeitlichen Bepflanzung ebenfalls wünschenswert, da mittelfristig eine an die historische Ausführung des Innenhofs angelehnte Gestaltung angedacht ist. Selbstverständlich werden im Bereich der gefällten Eiben keine Parkplätze eingerichtet, vielmehr wird dort eine Grünfläche gestaltet.

Freuen dürften sich über die Fällung alle Allergiker, da der Blütenstaub der Eiben höchst allergisch ist und die Pollensaison in Kürze beginnt. In Fachkreisen ist die Eibe zudem wegen der extremen Giftigkeit ihrer Nadeln und Samen bekannt. Das herzwirksame Alkaloid Taxin kann bei Tieren und selbst bei Menschen tödliche Auswirkungen haben.

Als Ersatzpflanzung hat sich die Bürgerspitalstiftung verpflichtet im Laufe dieses Jahres 16 neue Bäume zu pflanzen. Dabei handelt es sich um Obst- oder Laubbäume die auch der Erhaltung der Streuobstwiesen und damit der historischen Klosterlandschaft dienen.

4 Gedanken zu „Fällung der Eiben am Michelsberg: zukünftig Transparenz wagen

  1. Jeder halbwegs ausgebildete Gärtner weiß, dass jede Eibe und sei sie noch so alt, erheblich bis ins alte Holz zurückgeschnitten werden kann und sie danach willig wieder austreibt und sich somit jederzeit verjüngen/verkleinern läßt. Somit hätte das ach so ungünstige Mikroklima der Bausubstanz in der oberen Ebene schon einmal nicht mehr geschadet.
    Eine Schande, dass man das nicht wenigstens versucht hat. Es wäre eine Chance gewesen, solch wertvolle alte Methusalems zu erhalten, die dies mindestens genauso verdient hätten wie das Gebäude selbst. Traurig, dass oft solche Kleinhirne die Macht haben so etwas Unsinniges ohne dass dies vorher in irgendeiner Weise zum Beispiel von Naturschutverbänden hatte geprüft werden müssen, durchzusetzen. Wo bleibt denn hier der Schutz der Bäume – keine Baumschutzverordnung vorhanden? Da hat die Stadt wohl etwas wesentlich Wichtiges vergessen und das in Zeiten, wo heute jeder Baum der Hitze und Borkenkäferbefall gut widersteht, um so mehr Beachtung und die ihm zustehende Wertschätzung und Pflege verdient hat. Es gibt in Deutschland kaum noch einen wertvolleren Baum als unsere Eibe!!
    Für die Kelten war sie heilig – als Druidenbaum. Für die Germanen das Sinnbild der Ewigkeit. Und die Römer schätzten die Eibe (Taxus baccata) für ihr besonders elastisches Holz.
    Die Europäische Eibe ist also ein Nadelbaum mit vielen Facetten. Dass es heute kaum noch Eiben in unseren Wäldern gibt, hat viele Gründe. Zum einen war Eibenholz sehr begehrt für den Bau von Bögen und Armbrüsten – vor Erfindung der Feuerwaffen „die“ Fernwaffe. So wurden im Hundertjährigen Krieg ganze Schiffsladungen nach England exportiert, um dort zu den berühmten Langbögen verarbeitet zu werden. Heute ist die Europäische Eibe deshalb als Waldbaum selten und steht in Deutschland unter Naturschutz. Die größten verbliebenen Eiben-Bestände befinden sich im Dreiländereck Thüringen-Hessen-Niedersachsen, insbesondere an unserer Urwaldperle, der Maienwand in Heiligenstadt.
    Auch das ist Geschichte, meine lieben Herrschaften aus Bamberg! Vielleicht machen Sie sich einmal Gedanken über Ihre unsinnige Tat und überlegen, wie viele Menschenleben es nun dauern mag, bis ihre neu gepflanzten Obstbäume auch nur zu einem Zehntel die Aufgabe der Luftreinigung dieser 16 hunderte von Jahren alten wunderschönen Eiben übernehmen können. Hoffentlich haben Sie auch an den intensiven Erziehungsschnitt, den späteren Erhaltungs- und Verjüngungsschnitt, die Ernte, das Laubfegen und natürlich das zeitlebens lange Gießen in den zukünftigen Dürresommern gedacht. Eiben brauchen all dies nicht und kommen ohne uns Menschen klar!

  2. Jeder halbwegs ausgebildete Gärtner weiß, das jede Eibe und sei sie noch so alt, erheblich bis ins alte Holz zurückgeschnitten werden kann und sie danach willig wieder austreibt und sich somit jederzeit verjüngen/verkleinern kann. Somit hätte das ach so ungünstige Mikroklima der Bausubstanz in der oberen Ebene schon einmal nicht mehr geschadet.
    Eine Schande, dass man das nicht wenigstens versucht hat. Es wäre eine Chance gewesen solch wertvollen alten Methusalems zu erhalten, die dies mindestens genauso verdient hätten wie das Gebäude selbst. Traurig, dass oft solche Kleinhirne die Macht haben so etwas Unsinniges durchsetzen zu können. Wo bleibt den hier der Schutz der Bäume – keine Baumschutzverordnung vorhanden? Da hat die Stadt wohl etwas wesentliches vergessen und das in Zeiten, wo heute jeder Baum der Hitze und Borkenkäferbefall gut widersteht, um so mehr Beachtung und die ihm zustehende Wertschätzung und Pflege verdient hat. Es gibt in Deutschland kaum noch einen wertvolleren Baum als unsere Eibe!!

  3. Mit Verlaub, liebe Pressestelle der Stadt, Ihre oben zitierte Argumentation erinnert in fataler Weise an die frühere Kampagne des ADAC, mit der dieser Alleebäume bekämpfte, weil sie die Autofahrer bedrohten. Trotzdem:
    Gott Felix sei Dank, dass diese lebensgefährllichen Bäume von unserer tapferen Stadtgärtnertruppe endlich unschädlich gemacht wurden. Jetzt kann diese sich ja endlich des mindestens ebenso gefährlichen Filzgeflechts annehmen, das mit immer dichteren Auswüchsen die Stiftungen und die Stadtverwaltung umwuchert und dem zarten Pflänzchen Demokratie langsam die Luft abdrückt.

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