Entdeckungsreise für kleine Mädchen. Thomas Gsellas saukomische Lyrik.

Großer Tag für kleines Mädchen

Hurra jetzt
weiß ich wo
die Klito-
ris
is

Thomas Gsella

Von Chrysostomos

Dort, wo Clemens Brentano begraben liegt, also in Aschaffenburg, ist Thomas Gsella mit seiner Frau und zwei Kindern, über die er öfters schreibt, zuhause. Man kennt den satirischen Autor – 1958 ist er in Essen geboren – als ehemaligen Redakteur des von Robert Gernhardt, Hans Traxler, F. K Waechter und Kollegen gegründeten Magazins Titanic. Mit zwei anderen Weggefährten ist er als Satirikertrio Titanic Boy Group unterwegs. Im Hofgarten zu Aschaffenburg lädt Gsella regelmäßig ein zu der Reihe „Gsella läßt lesen“.

Seine unmittelbar zugänglichen Gedichte handeln (tatsächlich) von Gott und der Welt, die sie oft auch verspotten, beispielsweise in einer Folge von Schmähgedichten auf IHRE STADT!, die 2011 bei Eichborn erschienen sind. Ein Bei- und Ratespiel: „Wo scheißt die Sau ins Marmorklo? / Wo trägt man hohe Häuser / Und noch beim Lieben Anzug? / Wo hält jeder Duck sich Mäuser?“ Acht Verse weiter folgt die Auflösung: „Wo sich die Säcke, Sack an Sack, / Bedienen und entlausen. / Es muß das Börser-Bänkerpack / Zu Recht in Frankfurt hausen.“

2011 wurde Gsella mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet für Gedichte in Reimen zu Tierbildern von Achim Greser (aus Lohr am Main) und Heribert Lenz aus Schweinfurt, die beide, wie Gsella, in Aschaffenburg leben und arbeiten. Als Buch herausgekommen ist die Sammlung unter dem Titel Viecher in Versen 2012 bei Bertelsmann in München.

„Großer Tag für kleines Mädchen“ ist Gsellas Debüt als Dichter entnommen, Materialien zur Kritik Leonardo Di Caprios und andere Gedichte (Frankfurt: Eichborn, 1999). Zu finden ist es freilich auch in der von Steffen Jacobs edierten Anthologie Liederlich! Die lüsterne Lyrik der Deutschen, die 2008, ebenfalls bei Eichborn, erschienen ist und die nur empfohlen werden kann. Zu dem „Großen Tag“ gibt es übrigens ein feines Pendant für Jungs; geschrieben hat es Thom Gunn. Es heißt „Courage, a Tale“. Doch dazu, vielleicht, ein anderes Mal mehr.

Ein Gedanke zu „Entdeckungsreise für kleine Mädchen. Thomas Gsellas saukomische Lyrik.

  1. Die Ascheberscher! Urban Priol ist ja ebenfalls aus dem bayerischen Nizza. Auch ich stamme aus dem schönen Fleck in der Mainschleife und bin gespannt auf die Jungsvariante …. Bitte, Chrysostomos!

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