Gut gewürzt. Quadro Nuevo spielt im Hegelsaal auf und nimmt das doch ziemlich karge Publikum mit auf eine musikalische Weltreise allererster Güte.

Von Musicouskuß

Vor zwei Jahren war das oberbayerische Quartett um Mulo Francel in den Haas-Sälen zu erleben, nun gastierte man im Hegelsaal der Konzerthalle, der leider so gut besucht nicht war. Wer aber gekommen und zugegen war, dem dürfte dieses Konzert lange in bester Erinnerung bleiben. Es war eine hochspannend-abwechslungsreiche Reise in musikalische Zauberwelten, auf die Quadro Nuevo die nicht erst am Ende begeisterten Zuhörer mitnahm.

Auguste Escoffier, der Begründer der Grande Cuisine, der König der Köche und Koch der Könige, sprach davon, daß eine gute Küche das Fundament allen Glücks sei. Und das Fundament einer schmackhaften Küche sind doch wohl, neben der hervorragenden Qualität der Ausgangsprodukte, die mit handwerklicher Meisterschaft verarbeitet werden (alles bei Quadro Nuevo gegeben), gute Gewürze. Was das mit Musik, mit Quadro Nuevo zu tun hat?

Nun, viele Menschen würden den Aphorismus Escoffiers dahingehend umwandeln, daß gute Musik die Grundlage allen Glücks sei. Gute, handgemachte Musik, wie sie am Donnerstagabend eben Evelyn Huber, Mulo Francel, Dietmar Lowka (der übrigens auch ein ausgezeichneter Photograph ist) und Andreas Hinterseher über zweieinhalb Stunden hinweg, wenn man die Pause mitrechnet, im Hegelsaal boten. Und die Gewürze? „Songs of Spices“ heißt eine inzwischen knapp vier Jahre alte Silberscheibe, auf der die muntere Viererbande die so bunte wie schmackhafte Welt der Gewürze musikalisch durchdekliniert, von Liebstöckel über Lavendel und Knoblauch bis hin zu schön anzuschauendem (und anzuhörendem) Sternanis und Paprika. Zu der Vertonung der roten Schoten, die dem Bamberggastspiel einen ordentlichen Schuß Würze gaben, hat sich Francel, wie könnte es auch anders sein, in Ungarn inspirieren lassen.

Sie spielen eine Musik, diese Vier, die das Herz leicht macht, die die eben noch schwere Seele heiter stimmt, auch wenn den von vielen Kulturen inspirierten Melodien eine gewisse Melancholie häufig alles andere als fremd ist. Erstaunlich ist es, daß ungeachtet der Aufforderung Francels (nicht Carl Maria von Webers), man möge doch bitte tanzen, sich dann doch niemand traute, einen, oder eine, sprichwörtlich aufs Parkett zu legen. Astor Piazzolas „Libertango“ jedenfalls ging ins Blut. Und ins Bein. Piazollas Genius entsprang auch die letzte Zugabe. Zuvor gab es „Drei Chinesen mit dem Kontrabaß“ unter anderem in einer oberpfälzischen Variation und, endlich, unter Beteiligung der hier zu Mitmusizierenden mutierten Zuhörer.

Rhythmus, Schwung, schiere Vitalität, Einswerdenmitdermusik zeichnet Quadro Nuevo aus und macht sie so besonders, so einzigartig, diese Vier. Lowka entlockt seinem Kontrabaß mal gezupfte, mal gestrichene, immer aber sonore Töne, macht daraus bisweilen kurzerhand ein Perkussionsinstrument, trommelt mit flacher Hand darauf herum, und auf der benachbarten Harfe der grandios aufgelegten Evelyn Huber gleich mit. Andreas Hintersehers Akkordeon, seinem Bandoneon – entwickelt hat es, um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum, der Krefelder Heinrich Band – und Hintersehers Vibrandoneon (geschaffen von dem Italiener Guido Tononi, vor wenigen Jahren erst: eine Mischung aus Melodika, Mundharmonika und Akkordeon, pure Wehmut sein Klang) entströmen bezaubernde Klänge, ob nun bei Tango, bei Walzer, bei Musette. Ach ja, sous le ciel de Paris, cherie! Weißt Du noch?

Und Francel? Der ist in der Saxophon- und Klarinettenfamilie zuhause, quer durch deren vielfältig schillernde Klangfarbenpalette. Und er komponiert und er moderiert. Gesungen hingegen wird nicht an diesem Abend, Gesang steht ihm fern, diesem Quartett. Und doch ist seine Herzblutmusik der menschlichen Stimme so nah, geht unter die Haut, rührt, verwirrt, bezirzt Sinn und Sinne. In diesem Sinne: Wir wünschen uns ein baldiges Da Capo. Und wer nicht warten mag, dem bleiben primo die Erinnerungen an einen prima Konzertabend, secundo die Möglichkeit, den mehr als einem Dutzend CDs und, auch das, und warum nicht, Hörbüchern nachzulauschen, zwischen „Mocca Flor“ und (Goethes) „Italienischer Reise“. Wie auch immer: bon voyage und auf ein Wiederhören. Ein hoffentlich baldiges.

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