Der Hauptsmoorwald im Wandel der Zeit, Teil VIII

Der Hauptsmoorwald ist für Bamberg von herausragender Bedeutung: als Rohstofflieferant, als Wasserschutzgebiet, als Frischluftschleuse. In dieser Serie legte der Forstamtsrat dessen Ausdehnung und Schrumpfung, seine historische Entwicklung, seinen Funktionen sowie die historische Waldnutzung dar. Ganz nebenbei wurden bei einem Spaziergang die dortigen Denkmäler vorgestellt. Von seiner einstigen Größe von 4500 ha, als Kaiser Heinrich das Bistum Bamberg gründete, sind bis heute 2800 ha verblieben – die gilt es zu schützen! Den letzten Beitrag widmet Forstamtsrat Richard Kaiser der Wiederaufpflanzung durch Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Appell, die „Grüne Lunge“ zu schützen. Zum Abschluss umreißt er noch seine Tätigkeit und seine Liebe zum Wald.

In Teil I wurden bereits allgemeine Aspekte des Hauptsmoorwaldes angesprochen und somit ein Überblick geschaffen. Teil II befasste sich mit der Geschichte. Teil III widmete sich dem spannenden Teil der Waldfunktionen, wobei auch die Flösserei und allerhand Viecher angesprochen werden. Mit Teil IV des Hauptsmoorwald-Mehrteilers stellte Forsamtsrat Richard Kaiser die Erholungs- und Schutzfunktionen des Hauptmoorwaldes vor, in Teil V erläuterte er die Forstverwaltung am Beispiel Pödeldorf. Teil VI widmete sich bereits mit einem kulturgeschichtlichen Spaziergang der Waldarbeit und dem Sandabbau. Mit Teil VII folgte mit wunderbaren historischen Abbildungen und einem Einblick in die traditionellen Waldarbeit eine Fortsetzung.

Richard Kaiser

Pflanzung durch Frauen

Rückseite des 50 Pfennig Stücks

Frauen trugen ihren Männern nicht nur das Essen zu, sie legten auch selbst Hand im Wald an. 100 000 ha Kahlflächen waren 1948 als Folgen des Krieges in Bayern vorhanden. Bis 1955 waren diese Flächen wieder aufgeforstet, sehr hohen Anteil daran hatten die „Pflanzweiber“. Die Leistung der Pflanzfrauen in den Nachkriegsjahren wurde auch auf der Rückseite des 50-Pfennig-Stücks gewürdigt.
Auch im Hauptsmoorwald mussten damals große Flächen wieder angepflanzt werden. In den Revieren Pödeldorf und Kunigundenruhe zusammen waren in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu 50 Frauen damit beschäftigt, jungen Wald zu begründen. Bodenbearbeitung, Pflanzenanzucht, Pflanzung, Ausgrasen und andere Arbeiten waren zu leisten. Viele der Frauen kamen aus Pödeldorf.

Ausblick

In den letzten tausend Jahren hat sich die Hauptsmoorwaldfläche von 4500 auf 2800 ha verringert. Wald ist wichtig für uns alle. Jeder von uns sollte daher einen möglichst großen Beitrag dazu leisten, auch diese „Grüne Lunge“ zwischen Bamberg und dem Ellertal zu erhalten.

Nicht der Wald braucht den Menschen, sondern der Mensch braucht den Wald!

Im Anschluss möchte unser Autor sich und sein Tätigkeitsfeld bei der Bayerischen Forstverwaltung vorstellen:

Richard Kaiser

Als waschechter Oberfranke, aufgewachsen auf dem Lande, bewirtschaftete die Familie  einen kleineren Bauernhof mit etwas Waldbesitz. Bereits im Alter von 9 Jahren entstand der Wunsch, Förster zu werden. Nach Durchlaufen der erforderlichen Schulen erfolgte 1985 der Abschluss des Studiums der Forstwirtschaft in Weihenstephan, worauf sich bis zum Frühjahr 1987 der Vorbereitungsdienst für die Beamtenlaufbahn bei der Bayerischen Staatsforstverwaltung anschloss. In dieser Zeit verbrachte Kaiser jeweils mehrere Monate an der Forstschule in Lohr sowie an den Forstämtern Bad Kissingen und Ebrach. Nach Bestehen der Staatsprüfung arbeitete er zunächst als Förster am Forstamt Burgebrach. Im September 1987 wurde ihm dann die Leitung des Staatswaldrevieres Pödeldorf am Forstamt Bamberg übertragen, damit wurde er als Förster zuständig und verantwortlich für gut 1.000 Hektar (= 10 km²) stadtnahen Waldes im Osten von Bamberg, im Hauptsmoorwald. Seit 2003 Leitung des Reviers „Bamberg II“ und 2007 Wechsel als Mitarbeiter an die Zentrale der Bayerischen Staatsforsten. Seit April 2009 ist Kaiser am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg als Berater der Waldbesitzervereinigung Bamberg, seit 2012 zusätzlich der Waldbesitzervereinigung Steigerwald tätig.

Die Reform der Bayerischen Staatsforstverwaltung im Jahr 2005 hat zu einer Umverteilung der Aufgaben geführt. Da diesbezüglich immer wieder Fragen an die Forstleute herangetragen werden, möchte er nachfolgend versuchen, die neuen Zuständigkeiten darzustellen:

Forstreform 2005

Die Bayerische Staatsforstverwaltung mit den ihr zugehörigen Staatlichen Forstämtern war lange Zeit zuständige Behörde für die Belange im Staatswald, Privatwald und Kommunalwald.

Dies änderte sich mit der Forstreform im Jahre 2005: Die Bayerische Staatsforstverwaltung wurde funktional in zwei Teile geteilt.

  • Bayerische Staatsforsten AöR
    Ein Teil wurde für die Bewirtschaftung des Staatswaldes in die neu gegründete Anstalt des öffentlichen Rechts „Bayerische Staatsforsten (BaySF)“ übernommen. Die großen Waldgebiete um Bamberg (Hauptsmoorwald, Bruderwald und Michelsberger Wald) sind weitgehend im Eigentum des Freistaates Bayern und damit Staatswald, Ansprechpartner vor Ort für diese und weitere Staatswälder im Raum Bamberg ist seit 2005 der BaySF-Forstbetrieb Forchheim. Im Zuge der Organisation wurde in den letzten Jahren die Zahl der BaySF-Forstreviere verringert und damit die zu betreuende Fläche pro Förster erhöht.
  • Bayerische Forstverwaltung
    Der zweite Teil der Staatsforstverwaltung wurde umstrukturiert und, da nicht mehr für die Bewirtschaftung des Staatswaldes zuständig, in Bayerische Forstverwaltung umbenannt. Die Umorganisation der Staatsforstverwaltung betraf auch deren nachgeordnete Behörden: Die Forstdirektionen wurden aufgelöst, die Forstämter mit den Forstrevieren als Abteilung in die Landwirtschaftsämter eingegliedert, die Ämter folgerichtig umbenannt in „Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF)“. Auch hier wurde die Zahl der Forstreviere verringert und damit die zu betreuende Fläche pro Förster erhöht. Stadt Bamberg sowie die Landkreise Bamberg und Forchheim liegen im Amtsbereich des AELF Bamberg (Behördenleiter: Leitender Forstdirektor Dr. Andreas Knorr; Abteilungsleiter Forst für Stadt und Landkreis Bamberg: Forstdirektor Hans Schmid). Die der Bayerischen Forstverwaltung verbliebenen Aufgaben sind sehr vielfältig, hier ein paar Beispiele:
    • Schutz des Waldes, auch Forstaufsicht genannt
      Als für den Schutz aller Wälder – also auch für den Staatswald – im Amtsbereich zuständige Behörde verteidigt das AELF Bamberg den Wald gegen unnötigen Flächenverlust, unerlaubte Rodung oder Zerstörung. Entsprechend aufmerksam werden daher die gegenwärtigen Überlegungen für eine neue Bahntrasse durch den Hauptsmoorwald beobachtet – die Bewirtschaftung des Staatswaldes ist zwar Aufgabe der BaySF, hoheitliche Dinge wie z.B. die Erlaubnis zur Rodung von Waldfläche fallen aber in allen Wäldern, auch im Staatswald, in die Zuständigkeit der Forstabteilungen an den AELF‘s, hier konkret das AELF Bamberg. Auch wacht das AELF Bamberg darüber, dass die BaySF den Staatswald im Sinne des strengen Bayerischen Waldgesetzes bewirtschaften.
    • Beratung und Fortbildung, finanzielle Förderung
      Unentgeltlich , kompetent und neutral berät das AELF private und kommunale Waldbesitzer in fast allen Fragen der Waldbewirtschaftung. Auch bietet es spezielle Kurse zur Aus- und Fortbildung der Waldbesitzer an. Die meisten Gemeinden im Landkreis nehmen die fachliche Beratung und auch die gesamte Bewirtschaftung ihres Waldes durch das AELF in Anspruch. Der Freistaat Bayern gewährt für viele Maßnahmen im nichtstaatlichen Wald eine finanzielle Unterstützung, für deren Vollzug sind auch die AELF’s zuständig.
    • Waldpädagogik
      Den Wald erleben mit allen Sinnen, die Geheimnisse des Waldes erforschen, Wissenswertes über Wald und Natur erfahren … Die Forstverwaltung hat den im Bayerischen Waldgesetz festgeschriebenen Auftrag zur Waldpädagogik. Ziel ist, dass jedes Schulkind einmal mit dem Förster den Wald kennen lernt, diese Veranstaltungen finden vor allem mit 3. Klassen statt. Besonders in Stadtnähe erlebt man es als Förster immer wieder, dass manche Kinder auf diese Weise das erste Mal in ihrem Leben Kontakt mit Wald haben.
    • Waldbesitzervereinigungen (WBV)
      sind Selbsthilfeeinrichtungen für Besitzer von Privat- und Körperschaftswald.
      Um die Bedeutung dieser Vereinigungen deutlich zu machen, hier ein paar Zahlen:
      • Die Gesamtfläche von Stadt und Landkreis Bamberg beträgt etwa 1.220 km², hiervon sind rund 460 km² Wald, dies entspricht einem Flächenanteil von 38 %.
      • Die 460 km² Wald sind zu 50 % in privatem Besitz (= Privatwald), 8 % des Waldes gehören Städten und Gemeinden (= Kommunalwald), 41 % dem Freistaat Bayern (= Staatswald) und 1 % der Bundesrepublik (= Bundeswald; meist Militärübungsplätze).
      • Der Privatwald in Stadt und Landkreis Bamberg verteilt sich auf ca. 15.000 Besitzer, die einzelnen Waldflächen sind oft sehr klein und nicht einfach zu bewirtschaften. Unterstützung bieten dabei die Waldbesitzervereinigungen, die ihren Mitgliedern mit vielen Dienstleistungen Hilfe anbieten, vor allem bei Holzeinschlag, Holzverkauf, Pflanzenbestellung und der Waldpflege.

Im Bereich des AELF Bamberg sind vier Waldbesitzervereinigungen ansässig. In vielen Bereichen besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem AELF Bamberg. Zur Unterstützung stellt das AELF Bamberg jeder WBV auch einen Forstlichen Berater zur Verfügung und bewilligt finanzielle Förderungen.

Unser Förster Richard Kaiser wünscht uns und unserer Lebensgrundlage Wald alles Gute. Wie bereits geschrieben: Nicht der Wald braucht den Menschen, sondern der Mensch braucht den Wald!

3 Gedanken zu „Der Hauptsmoorwald im Wandel der Zeit, Teil VIII

  1. Ja, der Wald braucht den Menschen , um ihn vor anderen Menschen zu schützen.
    Natürliche ist auch richtig: der Mensch braucht den Wald – nur die Bemühungen ihn zu schützen, stehen in keinem Verhältnis zu seiner Bedeutung. Beispiel Hauptsmoorwald:
    Obwohl der Hauptsmoorwald Bannwald, Naherholungsgebiet und in Teilen Wasserschutzgebiet ist, gibt es kein klare Stellungnahme vom Staatsforst gegen die ICE-Trasse entlang der A73, gegen die Umwandlung von Schießplatz und Muna in ein Gewerbegebiet. Auch ist nicht erkennbar die Bemühung um eine schonende Bewirtschaftung des Waldes durch den Staatsforst.

  2. „Der Mensch braucht den Wald“
    Genau. – sonst ersticken wir.
    Genau deshalb muss der Klimaschutz vorangehen, die Energiewende schneller geschafft werden.
    Um Windparks kommen wir nicht herum.
    Auch wenn sie in einem Wald stehen, ist das o.k.
    Die beiden Themen widersprechen sich nicht.
    Sondern sie sind eine Ergänzung:
    wenn wir Menschheit überleben wollen, dann müssen wir vorausdenken und unser Wissen jetzt in die entsprechenden Handlungen umsetzen.
    Sonnen- und Windkraft (und natürlich auch die Wasserkraft) sind für den Artenschutz wichtig.
    Gehen wir’s an.

    • Die Energiewende brauchen wir unbestritten. Da aber auch die sogenannten regenerativen Energieformen nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, führt am Ende der Energieverschwendung und einer rationalen Energieverwendung kein Weg vorbei.

      Abgesehen von den Rohstoffen und Flächen, welche für die Errichtung der regenerativen Energieversorgung notwendig sind, sind auch Betrieb und spätere Entsorgung mit teils erheblichen ökologischen Auswirkungen negativer Art verbunden. Das ist zwar längst nicht vergleichbar mit dem fossilen und dem nuklearen Weg, aber dennoch nicht zu unterschätzen.

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