VCD zur Brose-Ansiedlung an der Breitenau und deren Auswirkungen

Mitteilung und Forderungen des Verkehrsclub Deutschland

P&R-Anlage Breitenau. Foto: Erich Weiß

Zusätzlicher Flugverkehr

Die ganze Neuansiedlung von Brose hängt an einer Voraussetzung, die in allen bisher vorgelegten Papieren nicht angesprochen ist: an einer drastischen Ausweitung des Flugverkehrs.

Es liegt auf der Hand, dass es nicht bei den bisher genannten 1,5 Flugbewegungen am Tag bleibt. Wenn das global operierende Unternehmen nur annähernd so stark expandiert, wie es heute in Aussicht stellt, und wenn weitere Unternehmen in den Flugverkehr einsteigen (wie es zu erwarten ist), wird es zu einem heftigen Flugverkehr nach nah und fern kommen. Leidtragende werden v. a. die Anwohner in Kramersfeld, Memmelsdorf (besonders in der Lichteneiche), Gundelsheim, Weichendorf und in der Gartenstadt sein. Mittlerweile fliegen die Jets auch quer über die Stadt zum oder vom Flugplatz.

Für den erforderlichen Lärmschutz sind bisher nicht einmal erste Überlegungen vorgelegt.

● Wir fordern die Stadtverwaltung auf, umgehend ein Konzept für den Lärmschutz zu erarbeiten (das Lärmgrenzen festlegt, die Flugbewegungen beschränkt, den Luftraum über der restlichen Stadt sperrt und ein Nachflugverbot einschließt) und unmittelbar in die weiteren Beratungen der Bebauungspläne einzubringen.

Zusätzlicher Straßenverkehr

Die Neuansiedlung von Brose wird zu einem erheblichen Pkw- und Lkw-Verkehrsaufkommen führen. Den durch A 70, A 73, Bamberger Kreuz, Berliner Ring und Memmelsdorfer Straße belasteteten Anwohnern der Gartenstadt ist ein weiterer Anstieg der Lärmimissionen nicht zuzumuten.

● Wir fordern die Stadtverwaltung auf, entlang der Memmelsdorfer Straße von der Kreuzung Berliner Ring ab stadtauswärts auf den Seiten mit Wohnbebauung Lärmschutzvorrichtungen anzubringen.

Memmelsdorfer Straße. Foto: Erich Weiß

Umweltauswirkungen

Die mit Brose avisierte Nutzungsänderung des Areals hat grobe verkehrliche Auswirkungen, also grobe Umweltauswirkungen. Diese sind in der weiteren Abwägung der Bebauungspläne zu berücksichtigen. Die Weigerung der Stadtverwaltung, einen Umweltbericht vorzulegen, ist nicht sachgerecht.

● Wir fordern die Stadtverwaltung auf, einen detaillierten Umweltbericht erstellen zu lassen.

Bebauungsgrenze

Die jetzt gezogene Bebauungsgrenze gehört zu dem dicken Paket an weitreichendem Entgegenkommen gegenüber Brose. Das Umfeld des Flugplatzes ist jedoch nicht Bauland auf Abruf, sondern, seiner ökologischen Wertigkeit wegen, ein Schatz der Bürgerschaft. Einen Schatz verhökert man nicht und schmeißt ihn nicht weg, sondern hegt ihn und pflegt ihn.

● Wir fordern den Stadtrat auf, die jetzt gezogene Grenze ein für allemal festzuschreiben.

Ebenerdige Stellplatzanlage

Den Freiraum der bisherigen Stellplatzanlage zwischen Berliner Ring und Parkhaus zu erhalten ist eine gute Entscheidung.

● Wir fordern die Stadtverwaltung auf, die Begrünung der Stellplatzanlage durch zusätzliche Anpflanzung großkroniger und hochstämmiger heimischer Laubbäume großzügig zu erweitern.

Grünordnung

Die Vorgaben der Stadtverwaltung zur Grünordnung begrüßen wir ausdrücklich. Sie sind in dem Verfahren allerdings zuerst ein billiges Feigenblatt: sie lenken von der Weigerung ab, das Umfeld des Flugplatzes insgesamt als Naturschutzgebiet zu deklarieren. Darüber hinaus ist zu befürchten, dass nicht einmal diese bescheidenen Vorgaben erfüllt werden.

● Wir fordern die Stadtverwaltung auf, die Einhaltung der Grünordnung – kurzfristig wie langfristig – mit Nachdruck sicher zu stellen.

Grünstreifen entlang Memmelsdorfer Straße

Der Grünstreifen entlang der Memmelsdorfer Straße ist schmal, aber besser als nichts. Es ist dort Platz für deutlich mehr Hochstämme als bisher vorgesehen. Sie schaffen die Chance, wenigstens einen Teil der zu erwartenden Riesenfassaden („WH 14 m“) optisch verschwinden zu lassen. Bamberg braucht nicht noch einen Stadtteil in Industriegebiet-Look. Bamberg muss sich nicht auch noch an dieser Einfallschneise als Fortsetzung der Industriewüste Laubanger präsentieren.

Grünzeug

Der Grünstreifen entlang der Memmelsdorfer Straße wird auch als Schutz gegen den irren Kfz-Verkehr auf dieser Trasse gebraucht. Blattmasse absorbiert Staub und Schadstoffe; Blattmasse dämpft Lärm und Stress. Grünzeug bringt Stadtqualität; Grünzeug bringt Lebensqualität.

● Wir fordern die Stadtverwaltung auf, den Grünstreifen in diesem Sinn exzessiv auszugestalten.

Abriss der P & R-Anlage

Zum Abriss der P & R-Anlage gab es aus Stadtrat und Stadtverwaltung seltsame Kommentare. Die Fakten sagen anderes:

  1. Die schlechte Auslastung lag zum einen daran, dass die aus Richtung Scheßlitz Anfahrenden unmittelbar vor der Abzweigung zur P & R-Anlage in die Innenstadt gelockt wurden. Die Anzeige des Parkleitsystems, unmittelbar vor der Abzweigung platziert, wies immer viele freie Stellplätze in der Stadtmitte aus. Sie war die Aufforderung „Weiterfahren in die Stadt!«
    Zum zweiten lag die schlechte Auslastung an der Einschränkung der Werbung für dieses Parkangebot. Offensichtlich sollte der Innenstadt als Pkw-Ziel nicht ernsthaft Konkurrenz gemacht werden.
  2. Die bisherige Lage war – für eine Anlage dieser Art innerhalb der Stadtgrenzen – optimal. Unmittelbar an den Einfallstraßen gelegen, nach einfacher Beschilderung zu finden, in größtmöglichem Abstand zur Innenstadt.
  3. Der ins Auge gefasste Stellplatz an der Kronacher Straße hat alle diese Vorzüge nicht. Er kann die heutige Anlage nicht ersetzen. Vor allem die bisherigen Nutzer aus Richtung Scheßlitz werden nun bis in die Innenstadt fahren. Aber die Innenstadt hat schon jetzt zu viel Pkw-Verkehr. Ein Stellplatz an der Kronacher Straße sabotiert alle Bemühungen, die Verkehrsbelastung der Innenstadt kleiner zu kriegen.

Der Abriss der P&R-Anlage ist ein neuer schwerer Schlag gegen die Bamberger Innenstadt.

● Wir fordern die Stadtverwaltung auf, umgehend ein Konzept vorzulegen, das den Pkw-Andrang aus dem nordöstlichen und nördlichen Umland bereits außerhalb der Stadt abfängt.

Im Rahmen der Aushandlung des Nahverkehrplans können Möglichkeiten geschaffen werden, kleine dezentrale Park & Ride-Anlagen außerhalb Bambergs zu schaffen und an zweckmäßig getaktete Buslinien anzubinden.

Wirtschaftsstandort Bamberg

Die sog. „Begründung“ der Bebauungsplanung stützt sich darauf, wie sich OB und Stadtrat für die Brose-Zusage selbst auf die Schulter klopfen. Dieses Selbstlob steht auf tönernen Füßen.

Im Landesentwicklungsprogramm von 2006 ist eine ausgewogene Branchenstruktur im produzierenden Gewerbe und in den Dienstleistungsbereichen als erstrebenswertes Ziel formuliert. Dieser raumwirtschaftliche Auftrag wird durch die zusätzliche Ansiedlung von Brose konterkariert. Angesichts der bereits heute hochgradigen Abhängigkeit des Bamberger Arbeitsmarktes von der Konjunktur der Automobilindustrie bewirkt sie das Gegenteil von dem, was die „Begründung“ behauptet: die zusätzliche Ansiedlung der fast ausschließlich im Automobilsektor tätigen Brose-Gruppe schwächt die Basis des Wirtschaftsstandorts Bamberg für eine nachhaltige Entwicklung.

Das Gesamtstädtische Stadtentwicklungskonzept hatte 2010 ebenfalls den Finger in diese Wunde gelegt und vor der besonderen Abhängigkeit des Bamberger Wirtschaftslebens von der Automobilindustrie gewarnt.

Auch dieses Gutachten, mit großem Aufwand an Sachverstand und Arbeitszeit vieler Beteiligter erstellt, geht damit den Weg aller für Bamberg aufwändig und kostenträchtig erstellten Gutachten: Stadtrat und Stadtverwaltung scheren sich nicht darum.

3 Gedanken zu „VCD zur Brose-Ansiedlung an der Breitenau und deren Auswirkungen

  1. Hallo,

    es wundert immer wieder, wie viel Stimmung mit so extrem wenig Fakten und Sachverstand gemacht werden kann.

    Warum genau liegt was auf der Hand? Wo sind die belastbaren Fakten? Alle beteiligten Parteien haben sich – natürlich auch zum Thema Fluglärm geäußert und festgestellt, dass es zu keiner nennenswerten Steigerung des Flugaufkommens kommen wird. Es gibt keinen Grund etwas anderes anzunehmen … außer man ist Berufs-Pessimist oder Stimmungsmacher.

    Michel

    • Und warum hat die Stadtverwaltung dann versucht, in die Nachbarschaft betreffenden Bebauungsplänen festzuschreiben, Ansprüche irgendwelcher Art seien selbst dann ausgeschlossen, wenn es zu erheblich ansteigenden, durch den Flugplatz bedingten Immissionen kommen sollte?

  2. Hier wurden endlich einmal einige sehr bedenkenswerte Aspekte genannt, die auch mir schon länger auf der Seele liegen! Und dabei wissen wir dank der aus meiner Sicht undemokratischen Geheimniskrämerei vermutlich noch nicht mal ansatzweise, welche Zugeständnisse Brose im Einzelnen noch gemacht wurden. Da wird in den nächsten Monaten und Jahren sicher in Salamitaktik noch einiges auf uns zukommen.

    Eigentlich sollte bei solchen Deals schon der gesunde Menschenverstand zur äußersten Wachsamkeit mahnen: Wenn eine Partei extremen Zeitdruck aufbaut, wie werden sich Chancen und Risiken der Übereinkunft dann wohl verteilen? Bei jedem Marktschreier oder Hausierer, dessen wundersame Tinkturen etc. „nur hier und heute“ so günstig zu erwerben seien, wäre der Fall klar.

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