Bamberger Freizeitbasketballer bekommen einen Korb

Basketball. Foto: S.G.

„It’s playoffs, Baby!“ – In wenig anderen deutschen Städten spukt der Sportsgeist derart wild in den Köpfen der Ballverrückten umher wie in der Domstadt. Seit Jahren beherbergt Bamberg das Nonplusultra des deutschen Basketballs und der finanzstarke Sponsor selbigen Vereins spritzt enorme Summen von der ersten Mannschaft in der BBL bis hin zur Jugend. Weiterhin scheint Bamberg ein buntes Sammelbecken diverser Korbball-Konkurrenzvereine darzustellen, denn vom Highflyer bis zum Hobbyspieler kann jeder Trainingseinheiten genießen und am Wochenende durch das fränkische Umland fahren und in Fahrgemeinschaften zu irgendwelchen Auswärtsspielen zu tingeln. Derartiges nennt man wohl ‚flächendeckende Vereinsmeierei‘.

Jetzt gibt es aber tatsächlich Menschen, unter ihnen vor allem junge Wahlbamberger, die wochenends ihre Freizeit oftmals auf deutschem Schienennetz beziehungsweise auf deutschen Autobahnen verbringen, ergo unter anderem deswegen auf eine Karriere im Vereinsbasketball verzichten wollen. Viel lieber fröhnt dieser Menschenschlag seiner Leidenschaft im Freien, bestenfalls begleitet von UV-Strahlung sowie anregender Rapmusik aus einem Kofferradio (ja, man sieht diese wunderbaren technischen Erzeugnisse noch). Die Resonanz wäre da, nicht nur innerhalb der Studentenschaft spielt sich das sportliche Interesse vor allem auf dem Freiplatz ab. Das Problem: Es herrscht ein akuter Mangel an adäquaten Sportstätten für den freizeitlichen Basketballgenuss.

Zwar hängen in und um Bamberg einige Körbe von der Gegend, aber leider lassen diese oftmals keinen basketballähnlichen Ablauf zu. Nicht allein die Tatsache, dass es sich meistens um einen einzelnen Korb auf einer kleinen, eher einer Grundstückseinfahrt ähnelnden Plattenfläche gibt, verhindert eine gemeinschaftliche Sportbetätigung. Weiterhin sind diese Körbe oftmals sehr schwer zu spielen, da sie aus Stahl gefertigt wurden und somit dem Ball nur wenig Spielraum lassen. Damit lernt man aber umzugehen und man versteht auch die Beweggründe der Installation – die Anlagen sollen wetterbeständig und möglichst unkompliziert in der Wartung gehalten sein. Kein Problem. Jetzt aber von der, teilweise nachzuvollziehbaren, Qualität aber auf die Quantität. Von den an Schulen oder sonstigen Bildungseinrichtungen angeschlossenen und zumeist nicht öffentlich zugänglichen Anlagen abgesehen, existieren in der Basketballhochburg Bamberg nur sehr wenige Freiplätze, die zu einem gelungenen Spiel einladen. Außer der Hainstraße gibt es in der Innenstadt nichts. Das ist sehr schade, lässt sich offiziell aber sicherlich mit Budgetkürzungen für zweitrangige politische Ziele erklären – immerhin gilt es, dem allgemein angestrebten Fiskalpakt auch im fränkischen Ländle zu entsprechen.

Abschließend allerdings noch eine kleine Anekdote: Im Zuge der Vorbereitungen für die Landesgartenschau 2012 in Bamberg wurden viele Gebiete in der Umgebung des Gartenschaugeländes auf Vordermann gebracht. Das ist sehr löblich. Unter anderem bekam der Bolzplatz unter der Friedensbrücke einen neuen Anstrich. Im Internet aufgelistet unter der Adresse der Stadt Bamberg, erscheint bei der Beschreibung, es gebe sowohl einen Basketball- als auch einen Streetballplatz. Wunderbar, denkt sich ein junger sportlicher Anwohner. Beim Eintreffen fällt ihm allerdings auf, dass ihm die Bamberger Öffentlichkeitsarbeit einen Bären aufgebunden hat: Die vermeintliche Streetball-Anlage besteht aus der oben bereits genannten Freifläche und einem ringartigen Seilgeflecht, welches an einem Brett angebracht ist, das von der Größe her eher einem Tablett der Bamberger Mensa erinnert. Glücklicherweise wurden auf der nebenseitigen Rasenfläche zwei „richtige“ Korbanlagen angebracht. Auf Gras spielt es sich wohl besser. Bleibt nur eins: In den sauren Apfel beißen und die Veranstalter der Landesgartenschau mit seinem schwerverdienten BAföG füttern. Oder Basketballschuhe mit Stollen erfinden – die Bamberger Jugend wird es danken.

S.G.

Ein Gedanke zu „Bamberger Freizeitbasketballer bekommen einen Korb

  1. Angesichts des unbestreitbaren Mangels, der hier gewiss richtig beschrieben wird, stellt sich dem unbefangenen Beobachter allerdings die Frage, warum die wenigen vorhandenen Basketball-Freiplätze oft genug den interessierten Dribblern überhaupt nicht zur Verfügung stehen.
    Beispiel? Seit der Sanierung des Priesterseminars existiert am Heinrichsdamm ein wunderbarer Freiplatz, der wahrscheinlich noch nie benutzt worden ist. Mir jedenfalls (und ich wohne am Heinrichsdamm!) sind dort dort noch nie Basketball-Spieler aufgefallen. Was eigentlich hindert den Domberg (oder wer auch immer dafür zuständig sein mag) daran, diesen Platz für die Korbleger-Gemeinschaft zu öffnen? Die Kuttenträger in spe haben ja ganz offensichtlich kein Interesse an der Nutzung des schönen Platzes…

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