Eisheilige und Eishockey

Fritz Froschelmann und Winnie Wenzel

Mit Mamertus am 11. Mai geht es los, dann folgen Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie. Den Mamertus kennt man dabei praktisch nur in den nördlicheren deutschen Landen, im Süden beginnen die sogenannten Eisheiligen mit Pankratius am 12. Mai. Diese Namenstage bezeichnen in Mitteleuropa meteorologische Singularitäten (Witterungsregelfälle); denn nach uralten Beobachtungen von Bauern wird das milde Frühlingswetter erst nach der „kalten Sophie“ verlässlich: Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis die Sophie vorüber ist. Meteorologisch lässt sich diese Wetterregel im Zuge der Klimaerwärmung nicht mehr belegen. (Hier muss ich einer Infotafel auf der Landesgartenschau widersprechen.) Hat man beispielsweise zwischen 1951 und 1961 noch vier Frosttage im Mai gemessen, so zwischen 1991 und 2006 keinen einzigen mehr.

Nach christlicher Tradition gelten die Eispatrone als Bischöfe und Märtyrer aus dem vierten und fünften Jahrhundert, wir wissen es besser: Es handelt sich dabei um Angehörige jener legendären deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, die im Olympischen Eishockeyturnier von Innsbruck (1976) die bislang einzige Bronzemedaille für Deutschland in dieser Sportart erkämpfte: Erich-Pankratius Kühnhackl (der Kleiderschrank auf Kufen), Servatius-Alois Schloder, Bonifatius Auhuber usw. „Kalte Sophie“ war, wenn wir uns jetzt recht erinnern, der Spitzname von Franz Reindl. Jedenfalls findet jener Bronzemedaille eingedenk alljährlich im Mai eine Eishockey-WM statt, so auch im heurigen Jahr in Finnland und Schweden. Nach dem bisherigen Turnierverlauf sieht es nicht danach aus, dass wir neue Eisheilige bekommen werden. Unser Team bezwang zwar im ersten Spiel Italien mit 3:0, verlor dann aber nacheinander die Partien gegen Lettland (2:3), Russland (0:2) und Schweden (2:5). Details zum Verlauf der WM hier.

Ein Problem bei den Eisheiligen, jetzt mal wieder meteorologisch gedacht, resultiert aus einer Umstellung des alten Kalenders durch Papst Gregor XIII. im 16. Jahrhundert. Nach altem Kalender lagen die Eisheiligen nämlich etliche Tage später, was auch besser zu der häufig zu beobachtenden N/NO-Wetterlage in den Tagen vom 21. Mai an passt. Egal, auf unser diesjähriges Wetter scheinen die aktuellen Eisheiligen zuzutreffen, denn uns überfällt gerade eine markante Kaltfront mit Regen und Gewitter. Die ersten Tropfen prasselten um 21:35 Uhr auf den Balkon und die Blitze schlagen immer näher ein. Späterer Hagel ist nicht auszuschließen.

Eigentlich reichen uns die Eisheiligen, die wir haben. Diesen Bericht verfassten Fritz Froschelmann und Winnie Wenzel gemeinsam bei einigen wärmenden Getränken, schon sehr gespannt darauf, ob ihn die Redaktion unter „Wetter“ oder „Sport“ einordnen wird.

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