Encyclothek – Ausgewählte Objekte aus der Sammlung Fukurô

Encyclothek_Das Bergrefugium

Das Kunsthaus in Nürnberg zeigt nach der überaus erfolgreichen und brillanten Fotoausstellung „Toter Erde schöner Schein“ im Herbst letzten Jahres, erneut eine sehenswerte Ausstellung. In dieser haben die drei jungen Künstler Sebastian Hein, Matthias Böhler und Christian Orendt (zwei von ihnen haben gerade den Bayerischen Kulturförderpreis des Freistaates Bayern erhalten) alle Räume mit dem gesichteten Sammlungsmaterial eines japanischen Privatsammlers ausgestattet. Der bei uns wenig bekannte Sammler Yasha Fukurô (ein Sprössling aus einem alten japanischen Adelsgeschlecht) legte dabei einen großen Wert auf Gegenstände der „Dingbarmachung“ der Welt durch den Menschen. Dass dabei ein nachdenklicher Blick von „Außen“ auf die europäische und US-amerikanische Zivilisation geworfen wird, ist eine der erkenntnisreichen Wirkungen dieser internationalen Schau. Dreisprachig, auf deutsch, englisch und japanisch geleitet, kann man sich durch die Exponate bewegen und dabei einem rätselhaften Owlman (Eulenmann) nachspüren oder sich über die Einsatzmöglichkeiten der Geodätischen Kuppeln nach dem Prinzip von Walther Bauersfeld (1879 – 1959) und Richard Buckminster Fuller (1895 – 1983) erkunden. Neben den biografischen Bezügen der Sammlerperson, die bereits 2010 verstorben ist und über die es wenig Biografisches gibt, wird durch die geschickte Zusammenstellung der Exponate durch die drei Kuratoren, unterschwellig der Frage nach dem Gewaltpotential in unserer Gesellschaft nachgegangen. Es ist dies „schlicht Fukurôs persönlicher, unverwandt-faszinierter Blick auf die vermeintlichen Zeugnisse menschlichen Strebens nach Größe und Macht“.

Wie es bei allen guten Kunstausstellungen sein sollte, ist es gerade hier so: Kunst soll Spaß machen, Gesellschaftskritik in sich tragen und als eine erweiterte Form des Realen sich offenbaren. Doch vorsichtig: Vielleicht ist die Realität bei dieser Ausstellung nicht so, wie sie scheint und vielleicht bleibt so die Frage im Raum stehen, ob der ominöse Sammler letztlich nicht nur eine Fiktion der Künstler ist, um das Potential zeitgenössischer Kunst auszuloten. Wir wünschen viel Vergnügen beim Besuch der Ausstellung und seien Sie sich über Nichts sicher, was Sie sehen – jetzt oder künftig!

M.A.

Kunsthaus Nürnberg
Königstrasse 93 (direkt am Hauptbahnhof)
Öffnungszeiten
Di, Do-So 10 – 18 Uhr
Mi, 10 – 20 Uhr
Noch bis 18. März
Eintritt frei
Führungen (Empfehlenswert 2 €, jeweils sonntags 14 Uhr)

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