Gigaliner

… zu lang, zu gefährlich, verkehrspolitisch unsinnig

So die überwiegende Meinung des Nürnberger Stadtrats zu dem Verkehrsversuch des Bundesverkehrsministers Ramsauer, der seit Januar 2012 angelaufen ist und 5 Jahre dauern soll. Mit über 25 Meter können die XXXL-Laster bis zu 44 Tonnen Gewicht transportieren. Ramsauers Beamte schätzen, dass wegen der grenzenlosen Globalisierung bis 2025 noch einmal 70 Prozent mehr Güter zu transportieren sind als 2004. Der Bayerische Rundfunk berichtete unlängst, auch quer. Laut Bayerischer Staatszeitung ist Nürnberg damit die einzige angefragte Stadt in Bayern, die sich rechtzeitig mit dem umstrittenen Feldversuch auseinandergesetzt und im Interesse der Sicherheit und des Straßenzustands dem fragwürdigen Projekt einen Riegel vorgeschoben hat. Darüber hinaus würde eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die immer mehr Güter von der Schiene weg auf die Straße verlagern würden. Die Auswirkungen auf die Städte wären enorm.

Selbst bei Spediteuren und Fahrern stoßen diese Megatrucks auf Ablehnung: Die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende, Andrea Kocsis, warnte davor, dass die Arbeitsbelastung der Lkw-Fahrer durch den Einsatz von überlangen Lastwagen weiter steigen werde. „LKW-Fahrer haben eine hohe Verantwortung. Schon heute ist der Druck riesengroß. Mit dem Gigaliner noch einen oben drauf satteln zu wollen, ist fahrlässig“, sagte Kocsis. Um den Arbeits- und Gesundheitsschutz sei es in der Transportbranche nicht zum Besten bestellt. Der enorme Preisdruck im Straßengüterverkehr führe schon jetzt dazu, dass Fahrer systematisch zur Selbstausbeutung gezwungen seien. „Wenn das Bundesverkehrsministerium von den Riesen-Lkw mehr Effizienz erwartet, ist das eine Effizienzsteigerung auf den Knochen der Fahrerinnen und Fahrer“, bilanzierte Kocsis. Lediglich die großen Speditionsunternehmen würden hiervon profitieren. Ein heftiger Verdrängungswettbewerb gegen die mittelständischen Unternehmen ist im Gange.

Die Wissenschaftler des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) haben nach großflächigen Untersuchungen im Dezember 2011 vor einer möglichen Gefährdung des Bahngüterverkehrs durch Lang-Lkw gewarnt.

Die Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen klagen gegen den von der Bundesregierung geplanten Test auf deutschen Straßen. Wie die Fraktionen in Berlin erklärten, fechten sie den Beschluss zu den Riesenlastwagen gemeinsam vor dem Bundesverfassungsgericht an. Er sei ohne Zustimmung von Bundestag und Bundesländern erfolgt und habe die Beteiligungsrechte des Parlaments verletzt.

In Bamberg hat die GAL im Dezember den Oberbürgermeister ebenfalls um eine Ablehnung der Teilnahme am Versuch gebeten – aus eben jenen Gründen. Nach dem Nürnberger Vorstoß sei der Frankenschnellweg nun aus dem Feldversuch ausgenommen und für Bamberg sei es ein leichtes, sich diesem Vorstoß anzuschließen. Auf der A70 können sie fahren.

Der Bamberger Oberbürgermeister (SPD) antwortete Ende Januar, dass die Unternehmen eine Chance erhalten sollten, an dem Versuch teilzunehmen, wegen des Wettbewerbvorteils, sie könnten Aufträge verlieren. „In Bamberg handelt es sich um die Standorte der Firmen UPS, Gutenbergstraße und der Firma Elflein, Regnitzstraße.“ Die Allianz pro Schiene stellt allenthalben enorme Lobbyarbeit der Logistikunternehmen fest, bishin auf europäischer Ebene. Offensichtlich auch auf kommunaler Ebene.

Ein Gedanke zu „Gigaliner

  1. Die Fahrer brauchen keine Gigaliner !
    Grund: zu Lang, für deutsche Strassen, kein Parkplatz zur gesetzlichen Pause oder Ruhezeit. Mehrarbeit beim entladen zum Wucherlohn. Es nützt nur der Verlader und Herstellerlobby, billiger Transport bzw mehr Umsatz der Fahrzeugindustrie.
    Ein Fernfahrer packt aus !!!
    Kassel. Die Logistikbranche in Nordhessen sorgt weiter für Schlagzeilen: Das Magazin Stern schildert in seiner aktuellen Ausgabe den Fall eines Fernfahrers, der die Arbeitsbedingungen bei der Kaufunger Spedition Ullrich anprangert.
    Kommentar: Wie schon öfters von mir behauptet, arbeitet die Transportbranche am Rande der Legalität. Sie ist meiner Ansicht nach, eine kriminelle Vereinigung. Die Fahrer werden , ausgebeutet, schikaniert und zum Betrug mit der Fahrerkarte gezwungen. Obwohl in der Öffentlichkeit längst bekannt , billigt der Gesetzgeber das Treiben.Die Löhne werden um die Hälfte des Tariflohnes unterschritten, Überstunden nicht bezahlt und dann wundert sich die Transport – Mafia, dass sich kein Nachwuchs mehr findet. Wer heute für diese Wucherlöhne arbeitet , findet sich später in der Rente , bei der Sozialhilfe.Der Gesetzgeber, sollte dem Treiben ein Ende setzen und den Betrügern , die Transportgenehmigung entziehen, dann trennt sich automatisch , die Spreu vom Weizen.

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