Wer die Wahl hat … hat die Qual!

Das ist nicht neu und nicht von mir.
Doch aktuell muss das durchleben,
wer demokratisch und dafür
ist Bürgerstimmen abzugeben.

Denn …
es lächelt uns von Wahlplakaten,
wer Volksvertreter werden will.
Ach würd’ das Lächeln doch verraten
was jener denkt, so heimlich, still.

Denn …
was man hört an Wahlversprechen
ist kaum zu glauben und zu oft
gab’s am Ende Wahlverbrechen.
Der Bürger büßt, der arme Tropf.

Denn …
Dass, Steuern sinken, Renten steigen,
Das glaubt ja selbst der Dümmste nicht.
Dass Krieg und Terror unterbleiben,
Das, wäre doch der Großen Pflicht.

Auch …
wünsch’ ich all den Menschen Frieden,
die Krieg und Elend trieb zu uns.
Denn Jesus sprach schon: „Ihr sollt lieben!“
So gewährt den Armen Gunst.

Nun …
wollen wir die Pflicht erfüllen,
die demokratisch hält das Land.
Und uns nicht faul im Wohlstand wühlen.
Der dann nicht länger hätt’ Bestand.

Jetzt …
sag’ ich noch – dann will ich enden –
Vertraut nicht dem, der Worte spricht.
Schaut auf den, der mit den Händen
und durch seine Tat besticht.

Cornelia Stößel, 2017/September

 

Ein Nekrolog

Sandkirchweih, bist du jetzt tot?
Können wir zu Grabe tragen,
was uns lästig wurd’ in Jahren?
Wie …
angepisste Mauerecken,
vollgekotzte Gartenhecken,
umgestürzte Bierzelttische
Und den Müll, der schwimmt beim Fische.
Den Stau auf allen Zufahrtsstraßen
und grölend laute Menschenmassen,
die taumelnd durch den Sand sich schieben,
wo Hektoliter Bier versiegen
in ausgedörrten Kirchweihkehlen,
die schlucken, wenn sie nicht krakeelen.
Oder …
Sollten wir beleben
und ein Kirchweihfest anstreben,
das mit Steckelfisch- und Bratwurstduft
in Harnstoff freier Atemluft,
Willkommen heißt gezählte Gäste.
Bei diesem kleinen feinen Feste,
säh man auch einige Touristen,
die nett bei Zwiebeltretern sitzen.
Man würd’ sein eignes Wort versteh’n
und nicht zu spät nach Hause geh’n.

Cornelia Stößel, 2017/September

 

Ritter Fabian van Urck

 

Es lebt auf seiner Ritterburg
der Ritter Fabian van Urck.
Dem schmiedete der Schmied ’ne Rüstung.
Damit steht Fabian jetzt an der Brüstung
und strahlt im hellen Sonnenlicht.
Nur sehen kann er sich selbst nicht.
Obwohl, der Page hält den Spiegel
blickt Ritter Fabian auf Riegel.
Denn das Visier von seinem Helm,
das klemmt. Er ruft: „Bringt her den Schelm!“
Dann brüllt er laut und reichlich zornig:
„Holt mir den Schmied, den Friedrich Dornig!
Der soll das schnellstens reparieren.“
Der Page flitzt. Er tat’s kapieren:
dem Ritter nicht zum Spaßen ist.
Der schwankt vor Wut, fällt hinter sich
und scheppernd stürzt er tief ins Tal.
Stößt jeden Stein, schreit auf in Qual
und landet endlich in dem Fluss,
der fließt – wie er nun einmal muss.
D’rin schwimmen Fische, Essensreste
rund um die Urcksche Ritterfeste
und Fabian – der schluckt viel Wasser.
Sein Blech-Gewand wird nass und nasser.
Als er schon meint: das ist’s gewesen.
Da kommt der Fährmann Kaspar Thesen,
packt ihn am Bein und fischt ihn raus,
verbeult und feucht – es ist ein Graus.
Doch Gott Lob! Der Ritter lebt.
Mit einer Winde man nun hebt,
– um auf ’nen Karren abzuladen –
den ritterlich verblechten Schaden.
Ein alter Esel zieht sodann
den eingeklemmten Rittersmann
zum Schmied, der greift zu seinem Hammer.
Laut hört man Fabians Gejammer.
Doch schließlich schnauft er auf – befreit –
und schwört: „Hört her ihr Leut’!
Von diesem Tag an leb ich ohne
Blechverkleidung auf meinem Throne.“

Text und Bild: Cornelia Stößel, 2017

 

Dichter – Sommer

Cool bleiben!
Ich muss schreiben …

Hitzewelle ~
Auf die Schnelle
Ideen – woher?
Mein Kopf – völlig leer!
Kein kluger Gedanke!
Vor dem Hirn – eine Schranke.
Es ist abgesperrt.
Zugang verwehrt
Und wird bedampft mit Ozon.
Da schwindet Konzentration.

Atempause!
Cool bleiben!
Ich kann schreiben …

Von der Stirn rinnt der Schweiß.
Unterm Hemd – furchtbar heiß.
Um mich her – nackte Beine,
große und kleine,
besonnte und blasse.
Nicht jedes hat Klasse.

Atempause!
Cool bleiben!
Ich sollte nun schreiben …

Vorher noch ein Eis,
Oder Tee, kalt nicht heiß!
Was läuft im TV?
Lieber lesen? Macht schlau.

Atempause!
Cool bleiben!
Ich werde jetzt schreiben …

… Wenn’s kühler wird. Laufen?
Gemütlich, ruhig schnaufen.
Den Blick schweifen lassen,
durch nächtliche Gassen,
über’n Fluss zur Natur,
such die eigene Spur.

Atempause!
Cool bleiben!
ich will endlich schreiben …

Und dann, unverhofft!
Bin ich wie betropft
von Ideen und Gedanken.
Weg sind die Schranken.
Schnell, Stift und Papier!
Ich schreib und notier,
in einsamer Wacht.
Und als der Morgen mir lacht,
da steht ein Wort-Werk auf Seiten.
Mir Seufzer entgleiten.
Zufrieden ich schau
in den Himmel hell-blau.

Atempause!

Cornelia Stößel, 2015/2017

 

Die blaue Stunde

Der Berg gehüllt in blaues Licht,
Die Stund’, in der das Aug ihr bricht.
Ihr rotes Blut vom Felsen floss.
Ihr golden’ Haar sich dort ergoss.
Nun liegt sie kalt und leichenblass
Im abendfeuchten, grünen Gras.
Über ihr das Sternenzelt,
Doch ihre Seele fern der Welt.
Er, der’s getan irrt ziellos nun,
Vom Fels zur Schlucht, kann nicht mehr ruh’n.
Im Tal die Glock’ er läuten hört.
„Hab’s nicht gewollt!“, er leise schwört.
Doch keinem nützt jetzt sein Bedauern.
Er denkt an sie mit argen Schauern.
So kehrt er um und hebt sie auf.
Trägt gar zum Gipfelkreuz sie rauf.
Hier bettet er sie sanft auf Steinen.
Ein Tier schreckt auf von seinem Greinen.
Sein Schluchzen dringt bis in das Tal.
Das Leben scheint ihm nur noch Qual.
Und, als das Licht sich wieder bricht,
Die Welt wird blau im Morgenlicht,
Da legt er Hand ans eig’ne Leben.
Die Sonne steigt, wird ihm vergeben?

Cornelia Stößel, 2017

 

Schlangenbrut

Einst Medusens Haupt Umzüngelnde,
Äskulaps Stab Umkringelnde,
Wirst von der Welt als Wurm betrachtet –

Verachtet?

Im Staube kriechende Kreatur,
Das Böse läg in deiner Natur,
Vom Schöpfer zu Boden geworfen –

Verworfen?

Geschlüpft, nicht geborene Schlangenbrut.
Nackt nicht geschorene Ausgeburt
Der Hölle wirst du genannt –

Verkannt?

Aus dem Neste drängelndes Ur-Reptil,
Zu töten ist fortan dein Lebensziel,
Allein und verborgen –

Zu morden.

Du mit gespaltener Zunge zischelndes Vieh,
Giftzahn bewehrte Natterie,
Ein Fakir spielt dir zum Tanz.

Komm tanz!

 

Cornelia Stößel, 2016

 

Als die Erde noch eine Scheibe war …

Uns der Höllenfürst kleine Teufel gebar,
die er alsbald der Menschheit sandte.
Inquisitor so einen Teufel man nannte.
Dessen oberste Pflicht war es zu richten
Und alles frei Denkende zu vernichten.
Auch Heilkundige, Ammen war’n auszurotten
Und die Menschen gänzlich vom Geist abzuschotten.
So brannten im Feuer, mit gebundenen Armen
Männer und Frauen, ohne Erbarmen.
Die Erde, jetzt rund, doch es wurde nicht besser.
Der Höllenfürst wetzt, wie damals, die Messer
gegen Denker und Dichter und aufrechte Leute,
die leben für Frieden und Freiheit im Heute.
Menschen, die trotz Bedrohung es wagen
Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen.
Die gegen Einfalt und Hochmut zu Felde zieh’n
Und niemals vor selbigem niederknien.
Gott liebt die Vielfalt, das weiß ich bestimmt.
Nur Einfalt und Hochmut vom Teufel sind.

Cornelia Stößel, 2016

 

Kissen

Daunen befüllte,
Seidig bezogene …
Ich ließ mich hinein sinken,
Wollte den Alltag abstreifen,
Mich umfangen lassen von Zeitlosigkeit.
Dem Traumweltenraunen ergeben lauschend
Zogen plötzlich Gedankenwolken auf.
Zuerst flüchtig und nichtig,
wurden sie langsam dunkel und schwer.
Und erbarmungslos fielen Gedankentropfen
als stetiger Schauer in meine nächtliche Welt.
Und Daunen und Seide wurden
zu hartem Gestein.

Cornelia Stößel, 2015

 

Pilze

Es ist der Mensch dem Pilz so ähnlich.
Beide gibt’s mal bunt mal grau.
Und viele wähnst du ungefährlich,
Doch hüte dich! Und sieh genau!

Was da so unscheinbar und mickrig
Fürs Auge scheint, ist pures Gift.
Im Dunkel wächst, es gallebittrig.
Jetzt sei gewarnt, vertrau ihm nicht!

Denn, ein einz’ger Giftpilz in der Suppe
Verdirbt das ganze gute Mahl.
So ist’s auch in der Menschengruppe,
Ein Ekel bringt dem Rest nur Qual.

Cornelia Stößel, 2013

 

Dreck-Spatzen

Es hüpften, zwitschernd vor sich hin
Die Spatzenkinder Tom und Tim.
Und badeten nach Spatzenart
Im Sand, der scheuert ziemlich hart
Doch wirkungsvoll aus dem Gefieder,
Lästig juckendes Ungeziefer.
Da kam der Kater Friederich.
Der war so richtig liederlich.
Sein funkelnd grünes Augenpaar,
Sofort die kleinen Spatzen sah.
Den Blick von Tom zum Tim er lenkte.
Dabei den Katzenkopf er senkte,
Lauernd auf die Spatzenbrüder.
Die ahnten nichts vom Stubentiger.
Ein Tschilp-Lied laut und fröhlich singend,
Erschreckt’ der Kater sie erst springend.
Nach rechts und links die Spatzen stoben.
Den Kater hat es fast verbogen,
weil er sie beide fassen wollte.
Nun unsanft er im Staube rollte.
Und statt ’nen Sperling in der Pfote,
Trug er davon ’ne Nas’ ’ne rote.
Und Tim und Tom, die flogen fort
an einen unbekannten Ort.

Cornelia Stößel, 2017