Suche dringend ein Zimmer

Suche dringend ein Zimmer,

das nicht jeder kennt,
mit einer Tür, die nicht jeder stemmt,
mit einem Sessel, in dem ich träumend versinke,
mit Büchern, von deren Geschichten ich trinke,
mit einem Tischchen, das mir den Tee serviert,
und leiser Musik, die meine Seele berührt,
mit einem Fenster, das den Blick über grüne Wiesen lenkt,
mit einem Kamin, in dem immer ein Feuer brennt,
mit einer Lampe die meine Stimmung erhellt,
mit einem Zauber, der mich ganz sanft befällt.

Suche dringend ein Zimmer.
in dem ich heimlich meine Sehnsucht stille;
nach Lesen, nach Büchern, in unendlicher Fülle.

© Cornelia Stößel 2014/11
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org

 

Ein Leben

Ein Leben
!
Geboren
abgelehnt voll Ekel und Schmerz
und doch aufgefangen von Liebe
begegnet dem Neid und dem Hass
und plötzlich umschlungen von
Armen, die liebkosen wollten
greifen nach dem Leben und kämpfen gegen die Angst
leben zwischen Hoffen und Bangen
erkennen der Sinnlosigkeit
Erschöpfung und
Einsamkeit
Tod
!

© Cornelia Stößel 2014
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org

 

Bamberg (letzter Teil)

Ich greif zu meinem Reiseführer.
Da steht, dass auch ein Albrecht Dürer
hier in Bamberg kurz verweilte,
dass Wallenstein vorüber eilte,
der Dichter Hoffmann einst hier lebte
(bis er zu andren Orten strebte),
wo’s „Äpfelweib“, den „Gabelmann“
in dieser Stadt ich sehen kann.
Ich les’ vom Hain, der grünen Lunge,
zum Müßiggang für Alt und Junge.
(dort wäre auch ein Bad im Fluss –
für „Wasserratten“ fast ein Muss.)
und auch, dass Bamberg manchmal zaubert,
Theater spielt: „Man raubt den Raubert!“,
Symphoniker Konzerte geben
und Puppen Mozart neu beleben.
’ne Gondel gondelt auf dem Fluss.
Dabei zu sein, wär ein Genuss.
Zur Sandkirchweih würd’ es sehr voll
und Klein Venedig wäre toll.
Acht Brauherr’n laden herzlich ein
zur Bierverkostung, nicht zum Wein.
Museen find ich aufgelistet
und Kunstgenuss der unbefristet.
Die alte Stadt will man aufpeppen.
… Grad hör ich jemand schimpfen: „Deppen!“
Man könnt’ hier Kunst von Krempel trennen
und was antik ist klar benennen.
Der Zwiebel gäb’ man große Ehre,
weil Bamberg Zwiebel tretend wäre.
Die Gärtnerstadt,
sei unberührt
(was auch zur Weltkultur geführt).
Die Humsera, ein Gärtnersleut,
in Stein gemeißelt sitzt sie heut.
Sie war ein echtes Original.
„Ach ja …“, ich seufz, „… es war einmal.“
Ich pack das Büchlein wieder weg,
denn längst in meinem Herzen steckt
ein Bild von Bamberg unvergänglich,
ein Liebesbrief nicht unverfänglich
an dich du wunderbare Stadt,
von der die Welt nur eine hat.

© Cornelia Stößel 2016/April
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org

 

Bamberg (3. Teil)

Es fällt mir ein, ich könnt’ zum Grab
des Heil’gen Ottos, der hier starb.
Er ward in Bamberg beigesetzt
und Wunder wirken würd’ es jetzt
gebückt sich durch ein Loch zu zwängen,
vorbei am Leichnam sich zu drängen.
Ein wenig bang ich schließlich geh.
Prompt tut mein Rücken nicht mehr weh!
Und endlich fass ich den Entschluss:
„Genug gelaufen. Ich fahr Bus!“
Besuch die alte Burg mit Zwinger
und wünscht hierher mein Dichterzimmer!
„Doch das Wünschen bringt nicht weiter!“,
seufze ich und bleibe heiter.
Mit neuem Schwung, es geht bergab,
an Baum- und Wiesengrün mich lab.
Klopf an bei Matern Nummer zehn.
Hier gibt es Krippen an zu sehn.
Tret noch durch manche Kirchentür.
Bestaun’ den Glanz, die Pracht, die Zier
und lass in jedem Gottestempel
ein Stückchen Seelenlast und -krempel.
Im Freien wieder, pocht das Leben
Studenten … Kinder … Menschen eben.
Auf einer Bank setz’ ich mich nieder.
Ein Spielmann singt mir Sehnsuchtslieder
und Bambergs Neptun blicket stumm
um den ganzen Markt herum.
Dann streck ich meine Beine aus.
Ich sperr die Welt, vor mir, mal raus.

(Fortsetzung folgt am nächsten Freitag)

© Cornelia Stößel 2016/April
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org

 

Bamberg (2. Teil)


Ich muss auf Kopfsteinpflaster geh’n,
weil das mit „Weltkultur“ verseh’n.
Zur Hofhaltung, die ich besuch’,
auf Kopfsteinpflaster! Welch ein Fluch!
Nicht weit entfernt, einst NEU erstellt,
die Residenz für diese Welt.
Ein Lothar Franz von Schönborn war’s.
Ob der im Rosengarten saß,
bei schwarzem Kaffee, Wein und Bier?
Ich bleib ein ganzes Weilchen hier.
Schau auf die Stadt und atme ein
den Duft von Straßen, Mauern, Stein.
Und atme seufzend, sehnend aus:
„Ach ja, hier fühl ich mich zu Haus!“
Ein Geist lockt mich dann wieder fort,
ins Sandgebiet: ein heit’rer Ort.
Doch ich brauch mal ein wenig Ruhe.
Lauf hurtig, ich trag Wanderschuhe
,
zum Michelsberg durch einen Garten
mit Bäumen, Sträuchern vieler Arten.
Seh’ einen Weinberg, zwar recht klein,
doch soll der Wein sehr edel sein.
Mein Blick fällt auf ein Krankenhaus,
aus dem die Kranken zogen aus.
Für Gäste gibt’s jetzt Leibgerichte,
wo früher Medizingeschichte
geschrieben wurde, weltbekannt.
Dann greift ermattet meine Hand
zum Rucksack, der noch aufgehuckelt.
Ich stapf schon langsam recht gebuckelt.

(Drum liebe Leute geht’s erst weiter
am nächsten Freitag, leicht und heiter!)


© Cornelia Stößel 2016/April
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org

 

Bamberg

Geschickt verbirgst du unter’m Kleid,
das schwer barock, ’ne and’re Zeit.
Die fließt durch deine engen Gassen.
Verliert sich dann in breiten Straßen.
Ich bin gebannt, lass mich verführen.
Will Bamberg, deinen Atem spüren,
der über sieben Hügel weht –
was nur noch einem Rom zusteht.
So lockst du mich auf enge Stege
und neu erschloss’ne Uferwege.
Führst mich vorbei an Fachwerkhäusern,
an Sandsteinbauten, Wasserschleusern.
Lenkst meine Schritte hoch zum Dom,
der viertürmig, mit Bischofsthron.
Und einem Grab, es ist bebildert.
Von Kunigund die Mär es schildert.
Die um dem Heinrich Treu zu weisen
einst ging auf glühend heißen Eisen.
Ein Pferd mit Reiter, unbekannt
Hängt unauffällig an der Wand.
Still setz ich mich zum Beten nieder

(Die Fortsetzung: am Freitag wieder!)

© Cornelia Stößel 2016/April
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org

 

Mein Dichter Weg

Ich schritt schon eine ganze Weile
ziellos vor mich hin.

Da lag er plötzlich vor mir,
dieser Weg.

Ich wusste nicht zu sagen,
wie ich dort hin gekommen bin.

Und eh ich es verhindern konnte,
drängten die Gedanken

mich hinein in diesen Weg.
Und Worte gaben mir die Richtung vor.

Noch seh’n ich nicht wohin er führt, der Weg.
Doch scheint es mir,
zur Umkehr ist es längst zu spät.

© Cornelia Stößel
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org