Vom Dichten

Wort für Wort die Zeilen sich füllen.
Gedanken dem Blatte zustreben.
Sie tropfen gleichsam aus geistigen Hüllen
von der Stirn, wo Falten sich legen.

Sehr sanft berührt der Stift das Papier.
Fast liebevoll, möcht’ ich es nennen.
Ein zärtliches Lächeln erzeugt es in mir,
das werdende Werk zu erkennen.

© Cornelia Stößel 2019/Juni

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Licht – Gedanken

Gott Vater selbst sprach einst: „Es werde!“
und schuf für uns das Sonnenlicht.
Es lockt den Keimling aus der Erde
und sorgt für eine gute Sicht.

Nun gibt es unter Menschenkindern
ein paar, die drängen selbstverliebt
sich ohne Rücksicht vor die ander’n,
damit man sie recht deutlich sieht.

Und meinen nun; sie sein ein Leuchten,
ein Licht im Dunkel ihrer Welt.
Ach ja, es gab schon manche Seuchen
und bisher starb noch jeder Held.

Denn, was ist der Mensch im Licht der Zeit?

Nur feiner Staub, der aufgewirbelt
und in der Ewigkeit versinkt.
Genmaterial in sich verzwirbelt,
das als Biomasse letztlich stinkt.

Man sagt, man sieht in spät’ren Zeiten
Die Dinge in ’nem and’ren Licht.
Ich will daraus jetzt nichts ableiten.
Ich nenn’ es einfach andre Sicht.

Es ist auch nicht die Zeit am Gleiten.
Wir gleiten durch und merken’s nicht.
Und am Ende allen Gleitens,
so hoffen wir aufs ew’ge Licht.

Das Spektrum wäre noch zu nennen,
in dem das Sonnenlicht erstrahlt.
Man liest dazu in Diagrammen …
Doch damit wird jetzt nicht geprahlt.

Ich wünsch den Lesern dieser Zeilen,
noch eine schöne lichte Zeit.
Und hoff’ ich hab mit meinen Reimen
ins Herz ein wenig Licht gestreut.

Cornelia Stößel 2016/2019

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Soll das alles gewesen sein?

Sie suchte nach Worten, nach Sinn und Versteh’n.
Wie konnte er jetzt, einfach so geh’n?
Die Töchter erwachsen, beinah’ jedenfalls.
Das Häuschen bezahlt, die Schulden vom Hals.
Was war es, das ihn zu der anderen trieb?
Fehlende Hoffnung, fehlende Lieb’?
War’n es die Falten, die rinnende Jugend?
Sie weinte und fluchte, pfiff fortan auf Tugend.
Tätowierte die Brüste und schnitt sich das Haar
und trug nur noch Kleidung, na ja sonderbar.
Sie führte jetzt Buch – ihre Männergeschichten.
Am Ende von jeder wusst’ sie nur zu berichten:
Das soll mal wieder alles gewesen sein?
Und am Abend ertränkt sie den Kummer mit Wein.
Später kamen Cognac und Whiskey dazu.
Und als man sie trug zur ewigen Ruh
war keiner dabei, der in dem Buche stand
nur ihre Kinder, Hand in Hand.

© Cornelia Stößel 2014/2019

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