Über den Unterschied zwischen minderjährigen und volljährigen Flüchtlingen

Ibrahim Mohamed

Ich heiße Ibo und bin als minderjähriger Flüchtling aus Syrien gekommen. 2015 floh ich aus meiner Heimat, weil dort Krieg war. Meine erste Station in Deutschland war Passau. Von dort wurde ich in eine Gruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Waldkirchen geschickt, wo ich ich mit zehn anderen minderjährigen Jungen zusammen lebte. Nach meiner schwierigen Flucht war das dort der Himmel für mich, wirklich Alles war schön. Keiner von uns konnte Deutsch sprechen, aber wir haben immer viel Hilfe bekommen. Jeder bekam einen Erzieher zur Seite. Der half uns beim Erlernen der deutschen Sprache, beim Lernen im Kurs und den für uns neuen gesellschaftlichen Verhältnissen. Beim Einkaufen von Kleidung war der Erzieher am Anfang immer dabei. Ich bekam auch einen Vormund und Hilfe vom Jugendamt.

Wir lernten die Gesetze und moralischen Vorstellungen der für uns neuen Gesellschaft. Zum Beispiel erfuhr ich, dass man in Deutschland nicht ohne Führerschein Motorrad fahren darf.

Viele Gruppen haben minderjährigen Flüchtlingen angeboten, deutsche Pateneltern für sie zu suchen. Paten sind wie eine Familie, sie unternehmen Freizeitaktivitäten mit uns und unterstützen uns wenn man Hilfe braucht. Ist ein Flüchtling dann 18 Jahre alt, also volljährig, muss er in eine WG umziehen oder sich eine Wohnung suchen. Mit so viel Hilfe und Kontakt zu deutschen Menschen können Flüchtlinge schneller die deutsche Sprache erlernen und deutsche Freunde und Bekannte kennen lernen.

Wäre ich aber bereits volljährig nach der Flucht in Passau angekommen, wäre ich mit vielen anderen Erwachsenen in ein Camp gekommen. Es gibt dort große Altersunterschiede, viele verschiedene Sprachen und wenig Unterstützung für jeden Einzelnen. Meistens schlafen acht Menschen zusammen in einem Zimmer. Es gibt strenge Regeln für Essenszeiten und für den Ausgang. Nach ein paar Monaten kommt man in eine kleine Wohnung mit meistens acht Personen. Von da an muss man sich um alles selbst kümmern. Wenn man Glück hat, kommt vielleicht ab und zu ein Ehrenamtlicher für alle vorbei. Bei solcher Unterstützung ist es viel schwerer, sich zu integrieren. Man hat viel mehr Heimweh und kommt leichter auf dumme Ideen. Ich frage mich: Wie kann ich mich ohne gute Hilfe integrieren? Wie kann ich so deutsche Menschen kennenlernen? Wie kann ich wissen, ob das, was ich mache richtig oder falsch ist? Wie kann ich in einem Camp die deutsche Sprache üben?

Kommst du mit 17 nach Deutschland, bekommst du sehr viel Unterstützung. Wenn du 18 bist, bekommst du wenig Hilfe. Nur 12 Monate Altersunterschied verändern dein Ankommen sehr und du hast es viel schwerer.

 

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