Die blaue Stunde

Der Berg gehüllt in blaues Licht,
Die Stund’, in der das Aug ihr bricht.
Ihr rotes Blut vom Felsen floss.
Ihr golden’ Haar sich dort ergoss.
Nun liegt sie kalt und leichenblass
Im abendfeuchten, grünen Gras.
Über ihr das Sternenzelt,
Doch ihre Seele fern der Welt.
Er, der’s getan irrt ziellos nun,
Vom Fels zur Schlucht, kann nicht mehr ruh’n.
Im Tal die Glock’ er läuten hört.
„Hab’s nicht gewollt!“, er leise schwört.
Doch keinem nützt jetzt sein Bedauern.
Er denkt an sie mit argen Schauern.
So kehrt er um und hebt sie auf.
Trägt gar zum Gipfelkreuz sie rauf.
Hier bettet er sie sanft auf Steinen.
Ein Tier schreckt auf von seinem Greinen.
Sein Schluchzen dringt bis in das Tal.
Das Leben scheint ihm nur noch Qual.
Und, als das Licht sich wieder bricht,
Die Welt wird blau im Morgenlicht,
Da legt er Hand ans eig’ne Leben.
Die Sonne steigt, wird ihm vergeben?

Cornelia Stößel, 2017

 

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