BamLit im „Untersuchungsausschuss“

Redaktion

Nein, die erhoffte volle Zustimmung seines Kreistags erhielt er nicht. Landrat Kalb (CSU) konnte drei seiner 12 Mitglieder des Kultur- und Sportausschusses nicht mit seinem Sachbericht von BamLit zur Zustimmung bewegen. Denn nicht allen war im Oktober 2015 klar, dass der Landkreis als Veranstalter fungieren würde, als man 11.000 € Unterstützung gewährte. Der Landrat versuchte in der heutigen Sitzung, die damalige Unterstützung als selbstverständlichen Eigenanteil eines eigenen Events zu deuten. BamLits Erfolg sei, dass die Ausleihzahlen der Landbüchereien nicht zurückgegangen seien.

„Untersuchungsausschuss Bamlit“

Kritik formierte sich immer wieder an der Informationspolitik des Landrats. „Das ist keine saubere Geschichte von Seiten des Landrats: Der Landrat ist in der Wahrnehmung nur einer der Ehrengäste und nicht der Veranstalter, der nachträgliche Werkvertrag mit der UG ein Fehler“, so Jonas Merzbacher (SPD) der Gundelsheimer Bürgermeister und versagte mit Andreas Lösche (Grüne) und Dr. Liebhard Löffler (FDP) die Zustimmung zur Vorgehensweise (lies auch Bamlit: Kumpanei zwischen CSU-Landrat Kalb und SPD-Fraktionsvorsitzendem Stieringer).

In der vorangegangenen Diskussion betonte Kalb mehrfach seine Absicht als Veranstalter-von-Anbeginn, er habe das „Headquarter im Landratsamt“, ein „Literaturfest kann ja alles mögliche sein“, da „brauchst Du einfach Profis dazu“, bei jener Geburtsstunde am Neujahrsempfang „waren der Wolfgang und Klaus eben auch da“ (gemeint sind Wolfgang Heyder und Klaus Stieringer, die späteren Gesellschafter der UG). Es ging so weit, dass Rüdiger Gerst (CSU) vom „Untersuchungsausschuss Bamlit“ sprach. Schließlich waren die Vorwürfe substantiell: BamLit ist weder gemeinnützig noch transparent.

Kostenaufstellung BamLit

„Verquickung ist der Trick“

Hinter nahezu fast jedem Posten verberge sich privatwirtschaftliche Kosten, die Überweisung an die Künstlersozialkasse (KSK) sei angesichts der Künstlergagen viel zu niedrig (tatsächlich räumte die Geschäftsführerin der UG, Gaby Heyder, eine nachträglich bei der KSK selbstveranlagte Korrektur ein). Die Kinderlesungen seien als gemeinnützig zu bezeichnen, jedoch mit einem privatwirtschaftlichem Festival verknüpft.

Die Kritik ging so weit, dass Wolfgang Heyder – als an der UG Beteiligter von der Besucherbank aus – die Verhältnisse zu bedenken gab: Die öffentliche Förderung für die Symphoniker und das Internationale Künstlerhaus seien bei weitem höher, schon bei „Bamberg liest“ sei der öffentliche Zuschuss von 25.000 € bei 400 Besuchern gelegen.

Bamberger Stadtmarketing sahnt ab

Jonas Merzbacher (SPD) ging in seiner Kritik noch weiter und zog den Kreis bis ins Bamberger Stadtmarketing. Dieses plant bei unklarer Funktion und bislang ungeklärter Tätigkeit mit dem Bamlit ein ordentliches Plus von jährlich 10.000 €:

Bilanz 2015–2017, Stadtmarketing

In der Sitzung vom Freitag, 29.6.2017 wurden viele Fragen gestellt. Es gäbe noch mehr:

Da nun der Landkreis Träger ist, muss sehr genau hingesehen werden. Ist der Landkreis haftbar für Verluste? Die Ausgaben sind tatsächlich fast 50% (in 2017 sogar nochmals mehr) höher als die Planung. Das ist unsolide. Ebenso wie das überstürzte Ticketing vor der endgültigen Projektzusage, wodurch LEADER-Mittel nicht erteilt wurden. Grundsätzliche Managementfehler sind zu beobachten.
Wie setzen sich die 20.000 € „Sponsoren/Spenden“ zusammen? Ein Teil stammt sicher aus der Sparkasse und ihrer Stiftung? Hat der Stiftungsrat Stieringer seine eigene Förderung als Geschäftsmann beantragt und beschlossen?
Wie erklärt sich der Sprung bei
den Eintritten? Planung von 7.000 € auf das 11fache von über 79.500 €? Welche sonst. Einnahmen sind da noch enthalten?
Warum ist Zuschuss von 2.500 € Raummiete der Stadt Bamberg nicht aufgeführt? (siehe Kulturförderbericht 2016 der Stadt
Bamberg)
Wie set
zt sich der veranschlagte Erlös des Stadtmarketings zusammen? Worin besteht die Beteiligung des Bamberger Stadtmarketing? Besteht Gefahr der Quersubventionierung?
Welche Institutionen sind darüber hinaus beteiligt? Welche wurden von der UG noch beauftragt, außer dem Stadtmarketing? Hat der Landkreis hierüber Informationen?

  • wenn öffentliche Institution als Träger, dann unbedingt Einbindung vorhandener öffentlicher Einrichtungen nutzen. Gespräch mit VHS wurde seinerzeit nicht mit dem Landkreis geführt und verlief äußerst unzufriedenstellend (siehe Literaturfestival: Geht es hier nur ums Abgreifen von Fördergelder?). Auch ist das Internationale Künstlerhaus nie gefragt worden. Nora Gomringer, selbst Bachmann-Preisträgerin, ist hoch angesehene Kuratorin großer Literaturfestivals und wird von Landkreis nicht involviert?
  • Hat der Landkreis Einfluss auf die Auswahl der Autoren?
  • Die „Gefahr einer reinen Eventkultur ohne Stärkung der kulturellen Basisarbeit“ war von Beginn an bei LEADER erkannt, wird aber nun mit einer intransparenten Kumpelei und dem künstlich losgetretenen und aus Steuergelder finanzierten Verdrängungswettbewerb eingeleitet. Denn eigentlich ist die „Bewahrung von kulturellen Besonderheiten eines der Ziele innerhalb der LES“ (lokale Entwicklungsstrategie). Wer evaluiert dieses hochsubventionierte Event?
  • Wie garantiert der Landkreis die Stärkung der kulturellen Basisarbeit?

Wenn’s nur das wär, wär’s schon schlimm genug

Bamlit hat einen Verdrängungswettbewerb ausgelöst und Bamberg liest ins Aus getrieben. Das bis 2015 offizielle ambitionierte Literaturfestival der Stadt Bamberg fand 2015 das letzte Mal statt:

Es war einmal: Bamberg liest

Bamlit ist ein hochsubventioniertes Konstrukt. Und das ohne Profil. Weder stehen aktuelle Neuerscheinungen im Fokus noch regionale Autoren oder Themen oder Orte. Noch bekommen Nachwuchsautoren Schreibaufträge. Das Erwachsenen-BamLit ist eine Promi-Show und ein Strohfeuer, an dem sich Provinz-Politiker ein wenig die Hände wärmen dürfen.


Literaturfestival: Geht es hier nur ums Abgreifen von Fördergelder? / Internationales Literaturfestival: LEADER Förderung abgelehnt – es gibt noch keinen Bescheid / BamLit und die Katerstimmung / Sorgloser Umgang mit öffentlichen Geldern? / Bamlit: Kumpanei zwischen CSU-Landrat Kalb und SPD-Fraktionsvorsitzendem Stieringer

 

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