Der Baum der Erkenntnis oder Die Vertreibung aus dem Paradies

Das Feigenblatt hing noch am Baum.
Die Eva war nett an zuschau’n
Und auch der Adam zeigte keck
Was später unterm Blatt versteckt.
Die beiden labten sich an Früchten
Fern von Angst und Zorn und Süchten.
Ein leises Plätschern war zu hören
Und nichts tat die Idylle stören.
Wie das verdammte Schlangentier
Den Weg nur fand zur Gartentür?
Ich weiß es nicht – ist eh zu spät.
Es hat in Evas Herz gesät,
Den Wunsch vom Apfel zu probieren.
Was sollte schon mit ihr passieren?
Zur Sicherheit und weil’s verboten
Lockt sie den Adam, den Idioten.
Der pflückt was man nicht pflücken soll
Und zog auf sich des Himmels Groll.
Erkenntnis der den beiden gab.
Beschämt sah’n sie an sich herab.
Und fühlten sich wie nackte Frösche.
Sie legten Laub auf ihre Blöße.
Und konnten es nicht mehr genießen
Was Gott im Paradies ließ sprießen.
Sie plagten sich nun jeden Tag,
Obwohl der Herrgott längst vergab.
Sie grämten sich und zogen fort
Von diesem wunderbaren Ort.
Als unserm Ahnenelternpaar
Die Eva Söhne nun gebar,
War Ärger wie vorherbestimmt.
Als Kain nun Abels Leben nimmt,
Erbebt der Himmel voller Zorn
Und ließ das Paradies verdorr’n.
Doch in des Menschen Seele blieb
Die Ahnung, dass es etwas gibt
Wofür es sich zu sterben lohnt:
Ein Himmel, der nach diesem Leben kommt.

Cornelia Stößel, 2015

 

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