Der Hölle Rache! – Wenn Emotionen überkochen

Petra Schwarz

Christine Fesefeldt und Ursula Gumbsch. Foto: Felix Gumbsch

Ein vielversprechender Titel, den sich das Duo Ursula Gumbsch (Stimme) und Christine Fesefeldt (Piano) da ausgedacht hat für das neue Programm „Der Hölle Rache“.

Rache ist süß. Und man kann sie auf jedwede Weise erleben oder umsetzen. Einige wunderbare Spitzfindigkeiten zeigt das aktuelle Programm des Künstlerinnen-Duos. Sei es die Gabe von Juckpulver in der Unterhose des Opfers, oder das Erschleichen einer Silberfuchs-Stola, die sich eigentlich die beste Freundin gewünscht hatte.

Erleben konnte man das bisher in der Alten Seilerei (terminlich passend zum Weltfrauentag) und in der Kulturschmiede im Rathaus zu Pettstadt.

Anspruchsvoll gespielte Klaviermusik und teils gelesene, teils in wunderbar komische Szenen verpackte Texte lösen sich in bewährter Manier ab. Gekonnt lockert Christine Fesefeldt die kleinen Pausen zwischen den Szenen mit ihrem Klavierspiel auf. Die ausgesuchten Stücke reichen von Kreisler, Weill, Cole Porter, über Gluck bis zu Mozart und sind für sich genommen schon feine Leckerbissen im Racheprogramm.

Auch Ursula Gumbsch legt sich wie gewohnt eine hohe Latte. Ist die Auswahl der Texte bereits ein Bravourstück, ist die Interpretation einmal mehr sehr breit gefächert. So schlüpft die Fränkin zunächst in die kokette Rolle der Gastgeberin von „Das Tigerfest“ (Georg Kreisler/Topsy Küppers) und singt ganz verträumt, einen Plüschtiger im Arm:

Ich geb’ ein Tigerfest zuhaus’ in meinem Garten.
Ich lad’ euch alle dazu herzlichst ein!
Die Frau’n soll’n noch warten
Die Männer soll’n kommen –
Nicht gleich die Verliebten
Erst nehm ich die Frommen! …

Am Schluss dieses Textes werden alle Gäste von den Tigern gefressen, was der Träumerin aber keineswegs die Laune verdirbt, denn das nächste Gartenfest wird schon geplant. An wem sie sich genau rächt und warum, bleibt im Dunkel. Ein weiteres rachesüßes Stück ist „Mein Mann ist verhindert“. Hier wird Ursula Gumbsch zur betrogenen Ehefrau, die den untreuen Gatten längst um die Ecke gebracht hat und es offensichtlich genießt, dessen Geliebter am Telefon zu erklären, warum er denn heute nicht kommen wird.

Aber nicht nur der Klamauk liegt der Fränkin am Herzen. In die Rolle der Seeräuber Jenny beispielsweise gibt sie mit sonorer Stimme und lässiger Manier den Text von Bertolt Brecht wieder. Auch die „Klavierspielerin“ hat eher einen ernsten Touch, passend zur ausgedachten Rache, die in diesem Fall wohl eher einer prüden Gouvernante zusteht. Schon kurz danach aber wird Ursula Gumbsch in Hollaenders „Die zersägte Dame“ zu einem kleinen Mäuschen und hadert mit brüchiger Stimme damit, dass ihr Partner auf der Bühne, der Zauberkünstler, sie ja doch nicht liebe und sie sich deshalb aus Rache bei nächster Gelegenheit von ihm der Länge nach durchsägen lassen will, anstatt wie gewohnt in der Quere.

Große Klasse ist kurz vor dem Ende des Abends der Auftritt zu „Stroganoff“ (Hollaender). Hier erlebt man das Duo in Höchstform und erfährt, dass es zwischen Omsk und Imsk, in der Nähe von Umsk ein großes Gut gab … und wie es dort zum berühmten Boeuf Stroganoff gekommen ist – Motiv: natürlich Rache! Hier agieren die beiden Künstlerinnen voller Temperament und kraftvollem Ausdruck, verstärkt durch dem immer wiederkehrenden Ausruf: „Das ist russisch, hei, hei!“

So lernt man einerseits viel über die Möglichkeiten einer handfesten und bittersüßen Rache, andererseits amüsiert man sich bestens den ganzen Abend lang.

Weitere Termine sind in der Planung, stehen aber noch nicht fest.

http://www.ursula-gumbsch.de/programm/aktuelle-spielzeit/der-hoelle-rache/

 

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