CarSharing mit meiaudo

Christiane Hartleitner

Der Bamberger CarSharing-Verein feiert sein 25-Jähriges Bestehen. Im Gründungsjahr 1992 teilten sich acht Personen ein Auto. Seinerzeit waren die Gründer innovativ mit dem Wunsch, Ökologie und Mobilität unter einen Hut zu bringen. Diese Vorreiterrolle und Innovationskraft ist dem Verein erhalten geblieben. Über 550 Mitglieder an den beiden Standorten Bamberg und Bayreuth teilen sich mittlerweile 25 Fahrzeuge: vom Elektroflitzer bis zum 9-Personen-Bus. Für jeden Anlass das richtige Modell.

Josef Lehner und Gabriele Wiesemann mit meiaudo. Foto: S. Wiesemann

Statt Blech – höhere Aufenthaltsqualität & bessere Luft

Es hat sich viel bewegt in dieser Zeit. Die Verlässlichkeit des Vereins ist geblieben. Die mobile Flexibilität hat sich sogar noch erhöht, die Kosten hingegen wurden gesenkt. Zudem trägt jeder CarSharer zu einer positiven Entwicklung des Stadtbildes bei, gerade in einer Stadt wie Bamberg mit einer mittelalterlichen Stadtstruktur, wo der Stadtraum rar ist. Mit den festen Stellplätzen wird der Parksuchverkehr vermindert. Statt Blech – höhere Aufenthaltsqualität & bessere Luft. Ganz privat profitiert der CarSharer ebenfalls, denn lästige Dinge, wie TÜV, Reifenwechsel und Wartung erledigt der Verein. Zeit wird frei für die wirklich schönen Dinge im Leben.

Wie funktioniert’s?

Ganz einfach: Durch die Kooperation mit Flinkster, dem CarSharing-Anbieter der Deutschen Bahn, mit einer 24-Stunden-Hotline und dem Internetbuchungssystem, einloggen, Fahrzeug buchen – fertig! Mit persönlicher Karte wird das Auto geöffnet, dann kann man losfahren. Und das in ganz Deutschland, denn die DB hat an jedem größeren Bahnhof ein Flinkster-Auto stehen, das von Bambergern mitbenutzt werden kann. Die Zahlung erfolgt monatlich nach gefahrenen Kilometern und Zeit. Heute ist CarSharing in der Mitte der Gesellschaft angekommen, alle Milieus sind vertreten, Familien, Studenten, Professoren, Angestellte, Selbstständige, Vereine, Kirchen und Stadtverwaltungen. Genutzt als Zweitwagen oder auch als einziges Auto.

Das Logo und sein Wettbewerb an der Hochschule Rhein-Main

Das alte Logo „Ökobil“ stammt aus der Anfangszeit des Vereins, von dem Bamberger Grafiker Alfred Heinz Kettmann (1912–2010) gestaltet, mit späteren Ergänzungen. In den späten 80er Jahre entstanden, wirkt es heute wie aus der Zeit gefallen, es enthielt zu viele Informationen, war vom Design nicht mehr zeitgemäß, ein Wort-Bild-Mix, zu großflächig, eher verwirrend.

Eine Neugestaltung war angesagt. Hierzu hat der Verein Kontakt zu den Profis gesucht, zum Deutschen Designer-Club (DDC). Im Studiengang Kommunikationsdesign der Hochschule Rhein-Main werden regelmäßig in Kooperation mit dem DDC Seminare angeboten, wo der Bamberger Verein seinen Wettbewerb positionieren konnte. Denn ein Logo muss als ständiger Begleiter über die nächsten Jahre viel können. Es muss eine klare Aussage vermitteln. Es ist Träger der Identität. Selbstbewusst und fränkisch ist bereits der Name: meiaudo. In dialektaler Konnotation, die über alle Vokale der deutschen Sprache verfügt. Die neue Wort-Bild-Marke sollte leicht (wie der Bedienungsvorgang) und gleichzeitig cool (wie die Mitgliedschaft in der Sharing-Community), im Stadtraum präsent, aber nicht aufdringlich wirken. Und über eine Eleganz verfügen, das Verlangen hervorruft. Verlangen, Teil dieses CarSharings zu sein und davon zu profitieren. Sehnsucht, nach einem Auto, und zwar deswegen, weil es einfach zu bedienen ist und in fast jeder Lebenssituation Vorteile bringt. CarSharing ist intelligent, nicht exklusiv, elegant, komfortabel und nachhaltig. Es spart Zeit und Geld. Passt sich an wechselnde Bedürfnisse an – ein passendes Auto für alle Lebensphasen, eben:

Eine Gelegenheit, mit dem Wettbewerbssieger, Jörg Sommer, und seinem Seminarleiter, dem Kommunikationsdesigner und DDC-Mitglied Marcus Wenig, ins Gespräch zu kommen:

Jörg Sommer, Sie sind der Designer des neuen CarSharing-Logos. Wie kam es dazu? Ich habe im Winter Semester 2015/2016 am Mixed-Media Projekt an der Hochschule RheinMain teilgenommen. Marcus Wenig war der betreuende Dozent und brachte das CarSharing Projekt mit an die Hochschule, welcher als interner Pitch ausgetragen wurde. Diesen konnte ich glücklicherweise gewinnen und somit das neue Logo auch umsetzten.

Welche Vorgaben wurden Ihnen als Designer zur Hand gegeben? Der Name „meiaudo“ stand schon fest. Im Briefing wurde besonders betont, das neue Logo vor allem modern, leicht, smart und fortschrittlich zu gestalten. Das alte Logo war sehr durcheinander und unklar, daher ist das jetzige Logo auch sehr reduziert geworden.

Jörg Sommer. Foto: Steffen Kraft

Können Sie den Prozess der Logo-Entwicklung schildern? Die Idee, die Erreichbarkeit und die Teilfunktion mit einzelnen Kreisen abzubilden stand für mich eigentlich von Anfang an fest. Die Kreise standen im ersten Entwurf noch etwas anders zu einander, es entwickelte sich aber schnell in die Version, in der Sie es heute sehen.

Die Farbgestaltung und Schrifttype sind sehr reduziert. Warum? Damit das Logo auf einem vorbei fahrenden Auto gut zu erkennen ist, ist es wichtig, es sehr reduziert darzustellen. Eine klar verstandene Typografie, die in zwei verschiedenen Schnitten gesetzt ist, um zu verdeutlichen, dass es hier um „Mein Auto“ geht. Würde das Logo viele Farben oder eine verspielte Typografie haben, wäre es für den Betrachter sehr schwierig es in wenigen Sekunden zu erkennen, geschweige denn es zu verstehen.

Welche Aussagen können Sie mit dem Logo verknüpfen? Das neue Logo ist ein großer Fortschritt für den Verein und spiegelt somit eine neue und frische Identität wieder. Es verhilft den Mitbewohnern von Bamberg, die neue Marke besser im Gedächtnis zu behalten.

Was hat Sie am Thema gereizt? Der Bereich CarSharing war für mich eine neue Herausforderung, da ich mit diesem Thema noch nie in Berührung gekommen bin. CarSharing gibt visuell sehr viele Möglichkeiten her es darzustellen, was in einem Corporate Design sehr spannend werden kann. Hinzu kommt, dass dieses Projekt mit einem realen Kunden verknüpft war, was auch nicht selbstverständlich an der Hochschule ist. Dies hat mich zusätzlich motiviert, das Bestmögliche herauszuholen.

Marcus Wenig

Marcus Wenig, Sie sind Kommunikationsdesigner und haben die Entwicklung des neuen Logos betreut. Wie kam es dazu? Der Deutsche Designer Club – DDC veranstaltet in jedem Semester so genannte Stegreifprojekte. Hierbei betreut ein Designer an vier Abendveranstaltung die Studenten und ein Projekt, welches er vorschlägt. In diesem Fall das neue Corporate Design des CarSharing Bamberg. In der ersten Vorlesung erklärte ich den Studenten noch einmal den Sharing Gedanken im Allgemeinen, und den CarSharing Gedanken im speziellen. Die Studenten taten sich dabei sehr einfach, da diese Generation sowieso lieber Dinge benutzt, als sie zu besitzen.

Während des praxisbezogenen Seminars sind 14 Logos entstanden. Hat das beste Logo gewonnen? Wenn ja, was zeichnet es aus? Wir hatten am Ende drei Favoriten, die sich ein gestalterisches Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten. Alle hatten ihre Stärken, aber auch geringe Schwächen. Am Ende hat das Logo gewonnen, welches sich in seiner Gesamtheit – Typografie-Farbe-Signet – am Besten für die Anforderungen geeignet hat. Das Logo von Jörg Sommer hat den CarSharing Gedanken sehr gut aufgenommen. Es symbolisiert die Orte, an denen die CarSharing-Autos überall in der Stadt verteil sind. 

Exempl. Stadtgrundriss: meiaudo-Stellplätze und Nutzer. Präsentation: Jörg Sommer

Welche weiteren Schritte raten Sie dem Bamberger CarSharing-Verein? Mit der Erstellung des Logos ist ja erst der erste Schritt getan. Als nächstes sollte das Logo in der Stadt seine Sichtbarkeit finden. Das bedeutet, dass man zum Beispiel die Orte, an denen die Autos stehen, auch erkennbar macht, wenn kein Auto darauf parkt. Und natürlich darf man auch die digitalen Medien nicht vergessen. Die Webseite sollte dem neuen Corporate Design angepasst werden.


Am kommenden Samstag, 11. Februar, ab 14 Uhr am Maxplatz möchte der Verein einige Erinnerungen an die Gründungsjahre Revue passieren lassen, die Gegenwart beschreiben und einen Ausblick in die Zukunft wagen (hier).


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