FREU! KLACK! STAUN!

Petra Schwarz

Entenhausen liegt ziemlich nah an Bamberg

… und heißt eigentlich Schwarzenbach an der Saale.

Foto: Petra Schwarz

Wie ich darauf komme? Weil das Erika Fuchs Haus dort steht, das Museum für Comic und Sprachkunst. Erika Fuchs war eine mutige und gebildete Frau aus gutem Haus (1906 – 2005), sie war Chefredakteurin von Mickey Mouse – und sie hat die Donald Duck Comics ins Deutsche übersetzt. Ihre Geschichte hat mich interessiert, die Ausstellung wollte ich mir anschauen. Auch, weil ich doch als Kind die bunten Comics immer verteidigen musste gegen die Anfeindungen der Erwachsenen, das alles sei Schund und würde uns verderben.

Foto: Petra Schwarz

Auf der Fahrt Richtung Fichtelgebirge erreicht man über Münchberg den kleineren Ort Schwarzenbach, der idyllisch an der Saale liegt. Und tatsächlich tummeln sich auf dem fast zugefrorenen Wasser jede Menge Enten – ein Zeichen! Das Museum liegt verkehrsgünstig direkt in der Bahnhofstraße und empfängt die Besucher mit einem hellen Foyer und gut bestücktem Comic-Shop.

An der Wand: die ganze Crew aus Entenhausen, kunterbunt und aufgeräumt als Puzzle. Der Clou: Man kann für jedes einzelne Puzzle-Teil eine Patenschaft übernehmen.

DIE GESCHICHTE

Der Rundgang beginnt mit einer Filmdoku über die Geschichte der Zeichnungen und Karikaturen. Sozusagen von der Höhlenmalerei über die Funnies der 20er Jahre zu den Comics, den Mangas bis zur Graphic Novel. Man erfährt in einer sehr gekonnten und spannenden Multimedia-Präsentation eigentlich über die internationalen, namhaften Zeichner, die Texter und die Entwicklungsgeschichte. An Beispielen erkennt man die jeweiligen Bezüge zu Politik und Weltgeschichte. Schnurstracks ist man mitten in diesem spannenden Universum und wird immer neugieriger.

Automatisch öffnen sich nach diesem wunderbaren Einstieg die Tore und – hoppla! steht man mitten in Entenhausen. Hier ist der Dukatenspeicher von Dagobert, hier der verzweifelte Donald, dort das Erfindungslabor von Daniel Düsentrieb. Der Teufelszacken schaut hinten hervor und die Hexe Gundel Gaukeley saust um ihn herum. Grandios, wie lebhaft und anschaulich das alles präsentiert wird.

In aufschlussreichen Videos kommen an anderer Stelle ausgewiesene Experten zu Wort, wie z.B. eine Kriminalbiologe oder ein katholischer Geistlicher, die die Gesellschaft und die Charaktere der Comic-Stadt Entenhausen fachmännisch beleuchten.

INTERAKTIV UND AUFREGEND

Foto: Petra Schwarz

Eigentlich möchte man gar nicht mehr weg. Aber interaktive Konsolen laden ein, weiter zu machen. Als erstes ist der Stadtplan dran. Hier kann man mittels Lupe ganz Entenhausen entdecken und erfährt dabei jedes Detail. Irgendwie gehört man plötzlich dazu. Geht Richtung Hafen, kommt am Golfplatz vorbei – wie im richtigen Leben.

Die nächste Station ist eine echte Herausforderung. Ein Original Erika Fuchs Text wird gezeigt und fordert auf, die passende Grimasse dazu zu machen – klack, schon wird man fotografiert. Die Diashow, die aus den vielen ziemlich schrägen Fotos der Besucher entstanden ist, ist total lustig. Wer will kann seinen Versuch auch wieder löschen – aber wer will das schon?

Weiter geht es mit der Möglichkeit, einen Original Text nach eigener Fasson zu übersetzen. Bei den Versuchen, sich am Ursprung entlangzuhangeln, sieht man dann mal, wie mutig Erika Fuchs war. Wie sie sich bei ihrer Übersetzung gelöst hat von der englischen Vorgabe und dennoch stilsicher den Sinn transportiert hat. Ob nun Goethe Zitate, der Rütlischwur von Schiller oder Sätze aus Schlagern ihrer Zeit, sie hat alles mit der ihr eigenen Chuzpe eingesetzt.

ERIKA FUCHS

Ein weiteres großes Glück für das Museum ist die detaillierte Darstellung ihres Lebens – natürlich in kunstvoll gezeichneter Form von Simon Schwartz gefertigt. Man erkennt eine anmutige Frau (immer mit Zigarette), die klug über und durch ihre Brille auf den Betrachter schaut Man erfährt von ihrem Doktortitel in Kunstgeschichte, von ihren Studien in Lausanne, London und München, liest von ihrem Mann, der als Ingenieur ihr Berater für Daniel-Düsentrieb- und Panzerknacker-Fragen war. Und man geht mit dem guten Gefühl nach Hause, dass sich die Erwachsenen damals ganz schön getäuscht haben.

BIBLIOTHEK

Viele, viele Comics warten hier auf Leser. Bequeme Sitzbänke laden ein, doch noch länger zu bleiben und Ausgabe nach Ausgabe wieder zu entdecken oder noch mal zu lesen. Feine Sache.

Wichtige Infos:

Foto: Petra Schwarz

Es gibt eine Stiftung und einen Club der Milliardäre. Bei beiden kann man Mitglied werden.

http://www.erika-fuchs.de/ oder: https://www.facebook.com/Dr.ErikaFuchsStiftung/?fref=ts

Bahnhofstr. 12, 95126 Schwarzenbach an der Saale
Telefon: 09284 9498120
Öffnungszeiten: Di – So, 10 bis 18 Uhr

 

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