Villa Wild #3 VOM KÖNNEN: ein Augen-, Ohren- und Gedankenschmaus

Redaktion

Man versprach Tanz, Talk und Musik und die vollbesetzte Alte Seilerei bekam ein Format, das seinesgleichen sucht, in Anspruch und Darbietung mitriss. Sogar so weit, dass am Ende die Besucher die Bühne eroberten.

Vollbesetzte Zuschauerränge. Foto: Jürgen Schabel

Das gänzlich neue Bamberger Format des Internationalen Künstlerhauses lässt seit Kurzem verschiedene Künste, Handwerke und Wissenschaften aufeinander treffen und einen abwechslungsreichen und anregenden Abend kreieren, der seinesgleichen sucht. Initiiert natürlich von Nora Gomringer und Martin Beyer, zwei Auf-Bamberg- und Über-den-Horizont-hinaus-Blicker. Ein Duo, das wenn sie nicht zueinander gefunden hätten, erfunden werden müsste.

Martin Beyer und als Kakerlake verkleidete Nora Gomringer über „Können“ Foto: Jürgen Schabel

Was wir alles können müssen! Und was wir so gerne können würden! „Können“ wird verpackt und verspeist, auch und gerade von kleinen Tieren, wie Kakerlaken, die viel mehr können, schon viel länger auf Erden leben als Menschen, 25 mal pro Sekunde die Richtung ändern, gar einen atomaren Anschlag überleben können …

MC Jonas von Bambaegga und Hörsturz der Kunstwerkstatt der Lebenshilfe. Foto: Jürgen Schabel

Man war gespannt auf Menschen und ließ sich anstecken von ihnen, die etwas wirklich gut können. Die Kombo der Kulturwerkstatt der Lebenshilfe mit MC Jonas (Bambaegga) heizte ordentlich ein, beeindruckte und sog die Hörer, Seher und Krabbeltiere zum Mitgrooven.

Martin Beyer mit Dr. Elisabeth Rauh Foto: Jürgen Schabel

Der Talk vom Nicht-mehr-Können mit der Chefärztin der Schön Klinik in Bad Staffelstein, Dr. Elisabeth Rauh, beleuchtete das Nicht-mehr-Können, die innere Abkehr gegen das Dauer-vermessen-und-getestet-werden, die Folgen Burnout und Depression.

Die Doktorandin Melanie Schädlich berichtete von ihren Studien als Klartraumforscherin, das Können vom luziden Träumen (Bericht hier). Luzides Träumen oder klarträumen ist bewusstes Träumen. Viele können das, alle sollten es probieren, hebt es doch über den Alltag und das vermeintliche Können hinaus.

Wolfgang Stehle. Foto: Tobias Bohm

Der bildende Künstler und aktuelle Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, Wolfgang Stehle, stellte seine Kunst und sein Können vor, eine Performance mit Nudelgesabber bereitete den Talk mit Nora Gomringer. Stehle stellt derzeit in der Villa aus (hier).

Wackelkontakt!, die Tanzformation der Kulturwerkstatt der Lebenshilfe, berührte mit Ausdruck, einer impulsiven Lebendigkeit und Leichtigkeit, die Könnern immanent ist.

 

Wackelkontakt!, die Tanzformation der Kulturwerkstatt der Lebenshilfe

Und das durfte natürlich nicht fehlen: Büchertipps von Beyer und Gomringer. „Wer wir waren“ von Roger Willemsen, ein kongeniales und leider posthumes Werk, ein Pageturner sondersgleichen. Hätte Beyer es nicht empfohlen, hätte es hier empfohlen werden müssen. Gomringer nimmt das Buch „Ich will kein inmich mehr sein“ von Birger Sellin, ohne den – wie sie selbst sagt – sie nicht angefangen hätte zu schreiben. Die Botschaften aus dem autistischen Keller schließen den Reigen des wahrlich genialen Formats. Unbedingt mehr!

 

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