Lesetipp: Die neue Inselrundschau „Bamberger Kulturvielfalt“

Redaktion

inselrundschau_dez_15Sie ist da: die neue Inselrundschau des Bürgervereins Bamberg Mitte (hier). Dem Leitgedanken Bamberger Kulturvielfalt nähert sie sich von unterschiedlichen Seiten: mit einem Blick in die Stadtgeschichte Vergangenheit nicht vergessen und dem Mahnmal zur „Hexenverfolgung“, mit einem deutlichen Bekenntnis zum Neuen: mit dem ausführlichen Beitrag zu kontakt – das Kulturfestival Mit neuen Ideen mitgestalten wird den alternativen Kulturschaffenden entsprechender Raum gegeben und deren Bedeutung für das bürgerliche Miteinander in Bamberg herausgearbeitet: Tatsächlich ist deren Unterstützung  sowie anderer kultureller oder bürgerschaftlicher Initiativen eine langfristige Investition in die Lebensqualität, die Attraktivität und die Zukunft der Stadt Bamberg. Und tatsächlich kann dadurch verhindert werden, dass Bamberg von außen nur als „pittoreske Kleinstadt“, als „Deutschlands schönstes Kaufhaus“ oder als Durchgangsstadt für Studierende wahrgenommen wird – so stellte es das Team im Rahmen der Verleihung des Kulturförderpreises 2015 der Stadt Bamberg fest.

Des Weiteren kommt aus der Geschäftswelt eine überzeugte Innenstädterin zu Wort aus der Langen Straße, die zentrale Innenstadtstraße, die im anschließenden Beitrag zum eigentlichen Thema wird. Eine einfache Rechnung hinterfragt die bislang vermeintliche Existenzsicherung der Kurzzeitparkplätze, deren Umwidmung in einen Streifen eingeschränkten Halteverbots eine breitere Nutzungsmöglichkeit zuließe. Um die Lange Straße und die anliegenden Geschäftsbereiche geht es auch im folgenden Bericht über ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Der neue Stadtheimatpfleger stellt sich vor, bevor unter Rückblick und Vermischtes Vereinnachrichten ihre Verbreitung finden.

Aufmerksame Leser haben festgestellt, dass ein Beitrag hier noch nicht vorgestellt wurde. Den hält die Redaktion der Onlinezeitung für so wichtig, dass sie ihn wörtlich abdrucken möchte: Vielfalt erhalten! Stadtmarketing darf lokalen Initiativen nicht schaden. Das Stadtmarketing habe eine dienende Funktion (und dies offensichtlich vergessen): Die Wucht, mit der StaMa inzwischen auftritt, das als Geringschätzung und fehlender Respekt für das Bestehende wahrgenommene Vorgehen sorgt für erhebliche Beunruhigung in den Kreisen der sich für unser Kulturleben, aber auch weitere Bereiche unseres Zusammenlebens Engagierenden. Die Frage nach der Kontrolle des Stadtmarketings stellt sich bei all der Ämterverquickung zu Recht. Im sachlich-fundamentierten, jegliche Polemik vermeidenden Beitrag wird der Name der zentralen Figur vermieden: Klaus Stieringer, der als Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins mittlerweile eine Spur verbrannter Erde nach sich zu ziehen scheint.

Jeder Leser möge seinen Horizont erweitern, die Vielfältigkeit der Texte, deren inhaltliche Stringenz und Klugheit genießen und nachdenken – ein Glück, dass Bamberg den Bürgerverein und die Inselrundschau hat!

Vielfalt erhalten!

Stadtmarketing darf lokalen Initiativen nicht schaden

Jedes Jahr, wenn uns die Arbeit für unseren großen Antikmarkt wieder einmal überrollt und manches Nervenkostüm bis an die Grenze strapaziert wird, frage ich mich, warum wir uns diese Menge an Arbeit und Aufwand eigentlich antun und ob wir die dabei generierten Geldmittel nicht viel einfacher durch Erhöhung des Mitgliedsbeitrags erzielen könnten. Es wäre aber nicht nur schade um den schönen Markt. Genau so wichtig ist die Wirkung nach innen für unsere Vereinskultur. Gemeinschaftsgefühl und Freundschaften entstehen oder werden gefestigt, und für manche ist die Mithilfe der Einstieg in eine Beirats- oder Vorstandstätigkeit und in die Übernahme von Verantwortung. Solche Initiativen gibt es in Bamberg in außergewöhnlich großer Zahl, im sozialen oder kulturellen wie auch in anderen Bereichen. So wie der Bamberger Einzelhandel durch viele inhabergeführte Geschäfte bunt und interessant ist, so ist es unsere soziale und kulturelle Landschaft durch das Engagement vieler „von unten“.

 

Innen- und Außenwirkung

Öffentliche Veranstaltungen und Vorhaben, ob es sich um ein Straßenfest, die Kurzfilmtage, das Bluesfestival, Canalissimo, den Betrieb der Fähre, „Bamberg liest“ oder die Lichthöfe handelt, haben zwei Seiten: Die eine, vordergründige, ist die Wirkung nach außen, die Präsentation, die Wahrnehmung durch Gäste und Nutzer. Der zweite Aspekt bezieht sich auf die Frage, wer oder was dahinter steht, wer wie welche Leistungen erbringt, um das Ereignis überhaupt zu ermöglichen. Viele meinen, dass man am Flair spürt, ob es sich dabei um ehrenamtlich Tätige mit Herzblut oder um Profis handelt, denen es um Erwirtschaftung von Gewinn oder andere, nicht unbedingt in der Sache selbst liegende Effekte geht. Hierüber mag man geteilter Meinung sein. Unstrittig ist aber: Das meistens enorme und manchmal fast unglaubliche Engagement wirkt persönlichkeitsbildend in einer Weise, die unser demokratisches Zusammenleben nicht nur bereichert, sondern dafür unverzichtbar ist. Es lässt Menschen über den Tellerrand der eigenen Interessen schauen und schafft Solidarität und Verbindlichkeit. Und es entstehen Verflechtungen zwischen verschiedenen Initiativen, man hilft sich gegenseitig mit Rat und Tat und entwickelt gemeinsame Ideen. Auch die Bedeutung solcher Verflechtungen für ein Gemeinwesen dürfte kaum überschätzt werden.

 

Großevents und „kleine“ Initiativen

Große, von professionellen Agenturen durchgeführte Events und hochwertige, von bürgerschaftlichen Initiativen ehrenamtlich gestaltete Veranstaltungen müssen sich nicht stören. Beide können sich gegenseitig befruchten, so wie kleinere Einzelhandelsgeschäfte von attraktiven Magnetbetrieben großer Ketten profitieren können und umgekehrt. Das muss dann allerdings gewollt sein und in die Planung gezielt einbezogen werden. Und hier beobachten wir in Bamberg seit Längerem eine Entwicklung, die wir für fatal halten und die nicht in unser aller Sinn sein kann.

 

Die Rolle von Stadtmarketing

Der mit städtischen Geldern geförderte Verein „Stadtmarketing Bamberg e.V.“ hat u.a den satzungsgemäßen Zweck, „das Kulturleben nachhaltig zu steigern“ und beschreibt als ein Ziel der eigenen Arbeit die „Stärkung ehrenamtlicher und gemeinnütziger Einrichtungen in Bamberg“. Kulturinitiativen aller Art müssten in Stadtmarketing (StaMa) also einen potenten Verbündeten haben. Die Realität hat sich über die Jahre leider anders entwickelt. Das Ziel der Steigerung des Kulturlebens wird sehr einseitig interpretiert, nämlich als Bereitstellung eines teilweise hochwertigen Angebots, das für die Gäste meistens kostenlos ist. Um es plakativ auszudrücken: Hier ist eine professionell arbeitende Eventagentur entstanden, die auf Fördermittel und logistische Unterstützung durch die Stadt Bamberg und weitere Quellen in einem Umfang zurückgreift, von dem andere nur träumen können. Die Problematik, die sich daraus für aktive, oft alt eingesessene Vereine ergibt, wird im Rathaus und im Stadtrat entweder nicht erkannt oder ignoriert.

 

Probleme der Gratis-Kultur

Das – prinzipiell wünschenswerte – kostenlose Bereitstellen von Kulturangeboten wie beim Blues- und Jazzfestival hat für die „Kleinen“ auch problematische Auswirkungen. Denn wie will beispielsweise ein Club seinen Gästen plausibel machen, dass er für das Konzert einer engagierten Band aus der Region einen angemessenen Eintritt verlangen muss, während am Maxplatz und anderswo reihenweise Bands zum Nulltarif zu genießen sind?

 

Stadtmarketing hat eine dienende Funktion

StaMa darf keine verdrängende, sondern muss eine dienende Funktion wahrnehmen, an den Interessen der Bamberger Wirtschaft und der hiesigen Kulturschaffenden ausgerichtet und nicht an den eigenen. Nur dadurch ist die öffentliche Subventionierung zu rechtfertigen. Wenn man konsequent in diese Richtung denken würde, wären Konflikte wie der aktuelle um das unter Mitwirkung von StaMa veranstaltete große Literaturfestival Anfang 2016 vermeidbar. Zur Erinnerung: Bei der Planung des mit einer enorm hohen Summe an öffentlicher Förderung (laut Sitzungsvortrag im Kulturausschuss des Kreistags wurden insgesamt 110.000 € beantragt) konzipierten Festivals hätte man sich eine effektivere und auf mehr Respekt vor dem bereits Bestehenden („Bamberg liest“) beruhende Abstimmung gewünscht. Auch die Tatsache, dass das Festival parallel zu den lange eingeführten Bamberger Kurzfilmtagen stattfinden soll, wird allgemein nicht als vertrauensbildende Maßnahme angesehen.

 

Beispiele: Kurzfilmtage und „Bamberg liest“

Es ist oft gar nicht viel, was ehrenamtlich Engagierte an Unterstützung benötigen. Viel ist schon getan, wenn man sie in Ruhe arbeiten lässt und keine unnötigen Steine in den Weg legt; sie werden ja weitgehend von ihrer Leidenschaft für den Gegenstand getragen. Gerade diese Form der Motivation ist aber besonders verletzbar: Wichtig sind Wertschätzung und Interesse; eine „hoppla, jetzt komm‘ ich, alles wird gut“-Mentalität ist dagegen fatal. Satte 3.200 Stunden werden jedes Jahr ehrenamtlich für die Bamberger Kurzfilmtage und damit für uns alle erbracht. Im kommenden Januar ist man nun damit konfrontiert, dass parallel beim Literaturfestival Tanja Kinkel, Donna Leon, Doris Dörrie und Martin Walser Lesungen halten. Die Absage der Kurzfilmtage wegen daraus entstehender unkalkulierbarer finanzieller Risiken konnte zwar abgewendet werden; was bleibt, ist aber eine erhebliche Irritation über die als erdrückend wahrgenommene Vorgehensweise. Beim ebenfalls gut eingeführten „Bamberg liest“ sieht es nicht besser aus.

 

Beunruhigung und Demoralisierung

Die Wucht, mit der StaMa inzwischen auftritt, das als Geringschätzung und fehlender Respekt für das Bestehende wahrgenommene Vorgehen sorgt für erhebliche Beunruhigung in den Kreisen der sich für unser Kulturleben, aber auch weitere Bereiche unseres Zusammenlebens Engagierenden. Wir haben in anderem Kontext (im Nachgang zum Mediationsverfahren „Masterplan Innenstadt“) erlebt, wie sich interessierte und wache Bambergerinnen und Bamberger mit einer Fülle an guten Ideen für unsere Stadt nach wiederkehrender öffentlicher Beleidigung und Bloßstellung seitens StaMa resigniert ins Private zurückgezogen haben. Das ist in einer Gesellschaft, die eigentlich von Bürgerbeteiligung getragen sein sollte, unendlich bedauerlich. Es muss unbedingt verhindert werden, dass ein solches Gefühl der Demoralisierung sich im feinen Geflecht der Bamberger Kulturschaffenden ausbreitet. Das Resultat wäre eine Brot- und Spiele-Gesellschaft, die sich auf passiven Konsum reduziert und sich ansonsten aus Gemeinschaftsfragen heraus hält. Wollen wir das? Damit sind wir allerdings bei einer entscheidenden Frage gelandet.

 

Wer kontrolliert Stadtmarketing?

Bekanntlich ist der Bamberger Stadtrat dadurch, dass er StaMa e.V. jährlich mit einem Zuschuss unterstützt, ein Aufsichtsgremium für den Verein und hat somit die Möglichkeit, Einfluss auf die Ausrichtung der Tätigkeit zu nehmen und zu überprüfen, ob sie im Sinn des Gemeinwesens ist. Und ebenso bekannt ist, dass der von StaMa angestellte Geschäftsführer nicht nur im Stadtrat sitzt, sondern als Vorsitzender der SPD-Fraktion und als einer der GroKo-Sprecher (mit jeder Menge an Ausschuss- und Aufsichtsratsposten) hier auch noch eine exponierte Stellung innehat. Wir haben die absurde Situation, dass der Kontrollierte sein eigener Kontrolleur ist. Diese Konstellation hätte weder entstehen dürfen noch dürfte sie aufrecht erhalten werden: Sie ist, wenn schon nicht illegal, dann doch mindestens illegitim. Leider sah und sieht die Stadtratsmehrheit hierin kein Problem und kastriert sich damit selbst. Der jährliche Zuschuss von mehr als 60.000 € wird nicht nur als Blankoscheck ohne Pflicht zu einer wirklich fundierten Rechenschaftslegung ausgestellt; es werden sogar Anträge, eine solche einzufordern, von der Mehrheit regelmäßig ausdrücklich abgelehnt, die somit für die bestehenden Verhältnisse verantwortlich ist. So weit, so traurig.

 

Und nun? Die Chance der CSU

Es stellt sich die Frage, wer in Bamberg das Verhältnis zwischen Koch und Kellner wieder in die richtige Ordnung bringt. Bei der SPD-Fraktion fällt einem angesichts der beschriebenen Situation, in die sie sich selbst gebracht hat, kaum mehr ein als Ruhe in Frieden. Die Schlüsselrolle kommt der CSU zu. Sie wird den Nachweis der Notwendigkeit ihrer Existenz als eigenständige und selbstbewusste Stadtratsfraktion erbringen müssen. Das ist eigentlich ganz einfach.

 

Reiner Dietz

 


Masterplan Innenstadt und Stadtmarketing: Der Wert einer Unterschrift Literaturfestival: Geht es hier nur ums Abgreifen von Fördergelder?

 

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