Achterbahnfahrt im Venusberg

Monika Beer

Es wagnerte auf ungewohnte Weise: Künstlerhaus-Stipendiat Steffen Wick präsentierte sich und sein Schaffen beim Wagner-Verband im Bamberger Hof.

Steffen Wick. Foto: Deniz Saylan

Steffen Wick. Foto: Deniz Saylan

Bamberg. Was kommt dabei heraus, wenn ein junger zeitgenössischer Musiker sich in Auftragswerken mit Richard Wagner auseinandersetzt? Höchst Unterschiedliches, zumindest wenn der Künstler Steffen Wick heißt. Der Pianist und Komponist, derzeit noch Villa-Concordia-Stipendiat und demnächst Stipendiat an der Cité Internationale des Arts in Paris, präsentierte am Montag beim Richard-Wagner-Verband Bamberg sich und sein vielgestaltiges Schaffen.

Dass der Wagner-Verband sich mit diesem Musiker intensiver beschäftigen sollte, lag auf der Hand. Wie Vorsitzende Jasenka Roth im Hotel Bamberger Hof eingangs erläuterte, hat Wick, gemeinsam mit seinem künstlerischen Partner Simon Detel, unter anderem den Soundtrack zu dem Dokumentarfilm „Rheingold – Gesichter eines Flusses“ komponiert, der im November im Lichtspiel-Kino gezeigt wurde und demnächst auf DVD erscheint. Laut Steffen Wick wollte der Filmproduzent eine Musik, die zwar nach Wagner klingt, aber gleichzeitig „frisch, leicht, modern und überhaupt“ sein sollte.

Die Antwort auf derlei schwer einlösbare Wünsche ist ein klassischer Fall von Crossover. Wick und sein Kompagnon tüftelten einen von einem großen Orchester eingespielten Soundmix aus, in dem wichtige Leitmotive und Harmonien aus Wagners „Ring“-Tetralogie aufscheinen und elektronisch verfremdet, aufgeraut oder geglättet und weichgespült werden. Dass im „Rheingold“-Vorspiel auch Minimal-Music steckt, liegt nahe. Und wenn Mime gewissermaßen auf Synthesizer-Saiten hüpft und die Nibelungen ihr Schmiedehandwerk unter Discogejaule ausüben, ist das durchaus nicht von der Hand zu weisen.

Während diese auf die Bilder komponierte Filmmusik ein Stilmix mit Wagnermotiven ist, entschied sich Steffen Wick bei dem Projekt „Wagner recomposed“ zu einer offenbar geschlosseneren Ästhetik. Was er an Hörbeispielen für die von ihm bearbeitete Musik für zwei Keyboards und Live-Elektronik zu Elisabeths Hallenarie aus „Tannhäuser“ vorführte, klang nicht nur wegen des überwiegenden Hammondorgelsounds schwer nach Rummelplatz. Das Gefühl einer berauschenden und berauschten Achterbahnfahrt dürfte sich auch bei der Uraufführung in der von König Ludwig II. nachgebauten Venusgrotte auf Schloss Linderhof eingestellt haben.

Dass Wick nicht nur musikalisch, sondern multimedial im Sinne des Gesamtkunstwerks arbeitet, machte er durch die Vorstellung von weiteren Werken deutlich. Das Visuelle ist für ihn ein wesentlicher Bestandteil: bei seiner abendfüllenden „Soundtrack Symphony“, einem Open-Air-Rundumerlebnis, wirken auch Fackelschwimmer mit, sein Filmkonzert mit Videoinstallation „Beyond Vision“ zielt darauf ab, das Unsichtbare hörbar zu machen. Bereits mehrfach hat Steffen Wick auch gezielt für Ballett-Projekte komponiert.

Während seines Aufenthalts in der Villa Concordia arbeitete er vor allem an seinen „Piano Particles“ weiter. Dieses spartenübergreifende Piano-Pop-Elektronik-Projekt steht ab 13. Februar im Stuttgarter Friedrichsbau-Varieté auf dem Programm und kann – ohne spektakuläre Bühnenshow – auf zwei bisher Alben gehört werden: „Piano Particles White“ und „Piano Particles Blue“ sind bei Modul/Universal Music erschienen. Und wer jetzt neugierig auf den international gefragten Künstler ist: Zur Eröffnung der 25. Bamberger Kurzfilmtage gibt es am 23. Februar um 20 Uhr in der Villa Concordia Stummfilmvertonungen von Steffen Wick und dem Henschel Quartett zu hören.

www.steffenwick.de/

www.villa-concordia.de/

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