Vulkangestein, Urgestein: Landschaften in der Wüste

Monika Schau. Fotos: Monika und Klaus Schau

WüsteIn meinem heutigen Bericht geht es nicht ums Essen, es ist einfach zu heiß. Die Hitze erinnert mich allerdings an meine Zeit in Saudi Arabien, wo ich mit meiner Familie von 1988 bis 1993 lebte. Mein Mann war für die GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) im Ministerium für Post, Telefon und Telegraf beschäftigt. Er konnte also telefonieren. Meine Kinder, die damals 12 und 14 Jahre alt waren, gingen in die Deutsche Schule in Riyadh und wir mussten uns auf ein fremdes Land einstellen, was nicht immer einfach war. Vor allem für mich, denn ich durfte nicht Autofahren und war also ‚abhängig‘. Die Umstellung für mich war riesig. Wir hatten zwar alles in dem eingezäunten Compound, wo wir lebten vor Ort: da war ein Pool, ein Bolzplatz für große und kleine Jungs, Tennisplätze und eine Squash-Halle, ein Restaurant, ein kleiner Laden, eine Arztpraxis, aber das war mit meinem bisherigen Leben schwer vereinbar.

Was uns etwas wunderte, war ein Gefährt, das aussah wie ein Schneepflug. Wir konnten uns darauf erst einen Reim machen, als wir den ersten Sandsturm erlebten. Im Compound waren um die Häuser viele Eukalyptusbäume, die ja sehr schnell wachsen. Sie wurden mit aufbereitetem Abwasser gewässert. Sie spendeten Schatten und genügend Luftfeuchtigkeit. Innerhalb des Compounds war es immer einige Grad kälter und dadurch auch viel angenehmer. Irgendwann fuhren wir aus dem Gate, das immer bewacht war und draußen war dicke gelbe Suppe. Der Wind mit all den Sandkörnern war so stark und beißend, dass wir nur mit Licht fahren konnten und wenn wir aus dem Auto gestiegen wären, hätten wir ein Gesichtspeeling gratis verabreicht bekommt. Die geteerten Straßen hatten einen gelben Belag: hier kamm der Schneepflug in Einsatz.

Am Abend, wenn es nicht mehr so heiß war, gingen wir oft in die Stadt zum Einkaufen. Mein Mann und mein Sohn konnten ‚normal‘ rumlaufen. Meine Tochter und ich allerdings mussten uns über der normalen Kleidung mit einer Abaya, einem schwarzen dünnen Mantel bedecken und auf dem Kopf mussten wir ein Kopftuch tragen, das zumindest das Haupthaar bedeckte.

In der Stadt gab es alles, was man sich vorstellen und auch nicht vorstellen konnte. Das spannendste waren die Suks (Basare), also Einkaufsmärkte, in denen es eine riesige Auswahl an Waren gab. Nicht nur Teppiche, Geschmeide und Uhrenläden, Kosmetika und Parfum aus sämtlichen Ländern, Gewürze und Haushaltswaren, sondern auch Elektro- und Elektronikartikel und sonst aller Tand, den man brauchen konnte oder auch nicht. Ein riesiger Warenumschlagplatz. Und das in fast jedem Stadtteil.

Für mich war natürlich der Obst- und Gemüsesuk das Wichtigste. Da konnte man schon auf dem Parkplatz die Süße der Obstsorten riechen. Am besten rochen die Mangos, die aus Indien über den Persischen Golf in kleinen Segelschiffen ankamen – den Dhaus – und vollreif waren. An Kühlung auf diesen Märkten war nicht zu denken und es gab zu dieser Zeit auch keine elektronischen Waagen. Entweder man hatte eine Handwaage oder die Sachen wurden noch im Hohlmaß verkauft. Also ein Körbchen zu einem bestimmten Preis.

Felder in der Nähe von Riyadh

Felder in der Nähe von Riyadh

Das soll jedoch nicht heißen, dass in der sogenannten Wüste nichts angebaut wird. Das Wasser aus den tiefen Brunnen, die es oftmals gibt, kann Weizen, Kartoffeln und Tomaten bewässern, die auf runden Feldern wachsen. In der Mitte der sogenannten Centerpivots sind die Pumpen für das Wasser, das dann an den langen Stangen, die sich unablässig drehen, den Boden bewässert. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu nur sagen: die besten Kartoffeln für Klöße gab es auf dem Gemüsesuk aus Tabuk. Groß und voller Stärke, damit auch in der Fremde ein Heimatgefühl – und vor allem Heimatgeschmack aufkommen konnte, denn zu dieser Zeit gab es auch bei uns noch keinen fertigen Kloßteig und so trieb ich die Kartoffeln durch eine Fruchtpresse. Das, was normalerweise der Trester war, behielt ich als Grundlage für die Klöße zurück und dann wurden sie gebrüht und gegart. Meine Kinder verlangen noch heute Klöße so, wie ich sie damals gemacht habe. Schweinefleisch gab es natürlich nicht, dafür aber wunderbares Rind- und Kalbfleisch und man konnte dann ja auch einen Tafelspitz machen. Der Dill vom Suk war hervorragend. Auch lernte ich damals erst Schlotten kennen, also Frühlingszwiebeln, die bei uns daheim noch nicht angeboten wurden.

Die Waren waren immer topfrisch. Wie sie das machten, war mir ein Rätsel. Die Verkäufer waren Jemenis, also Gastarbeiter aus dem Jemen, die sich mit ihren bunten Kopftüchern von den Saudis gut unterscheiden ließen. Sie waren auch viel kleiner und nicht so vornehm gewandet, wie die meisten Bewohner Saudi Arabiens, die mit ihrem weißen Kleid (Ghalabia) und ihrer Kopfbedeckung (Guthra) sehr eindrucksvoll aussahen. Die anderen, ohne diesen Kopfschmuck mit Kordel, hatten nur ein rotes Kopftuch wie die Palästinenser und das waren die fundamentalistisch ausgerichteten Wahibiten, vor denen man einen Heidenrespekt haben musste und nach 5 Jahren im gelobten Land hatte auch ich meine  Erfahrungen mit ihnen gemacht, die zum Glück gut ausgingen.

Mit der Sprache war es so eine Sache. Bevor ich nach Riyadh ging und hier meinen ganzen Haushalt teilte – ein Teil mit Fahrrad und Surfbrett ging mit allen erdenklichen Haushaltsgegenständen nach Riyadh, der andere Hausrat inklusive Möbel kam in andere Container und wurde in Bamberg gelagert – lernte ich die Anfangsbegriffe Arabisch. Also: wie geht’s, was kostet es, gibt es einen Rabatt (handeln war unerlässlich, sonst hatten die Verkäufer keine Freude am Verkauf), aber auch ein Satz war dabei, der hieß: Hat dir deine Mutter nicht verboten, eine Europäerin anzulügen? Sehr treffend, wenn man die Leute verblüffen wollte. In Riyadh hatte ich dann Privatunterricht von einer Jordanierin von Englisch auf Arabisch. Auch das hilf mir gut weiter, konnte ich doch zumindest im Suk mich einigermaßen durchsetzen. Auch half es, wenn wir weite Strecken während der Hadj-Ferien zurücklegten, denn da hatten auch die Kinder schulfrei. Es gab ja überall Wegposten, die dafür sorgten, dass kein Feind ins Land kam. Wenn wir dann unsere Pässe vorlegten, schauten sie erst einmal von hinten hinein – in arabischen Gebieten liest man nicht nur von rechts nach links, auch die Bücher und Zeitungen fangen hinten oben an. Bilder übrigens werden genauso angesehen. Wenn man z.B. ein Bild für Moslems malt (ich habe viele Landschaftsbilder in Ausstellungen gehabt), sollte man den Schwerpunkt links setzen.

Am Checkpoint, der aus einem Zelt bestand, war das immer der Moment, wo man wegschauen musste, denn erst, wenn sie das Bild richtig herum drehten, konnte man sie wieder anschauen. Man konnte sie doch nicht als Unwissende ansehen, was sicherlich bei uns umgekehrt genauso gewesen wäre. Sie hätten sonst ihr ‚Gesicht‘ verloren. Ich als Frau durfte mir das schon gar nicht erlauben. Aber da ich die Einzige war, die sich halbwegs verständlich machen konnte, waren sie gezwungen, mit mir zu reden. Normalerweise haben Frauen hinter ihrem Mann zu stehen, mit gutem Abstand, um seine Stellung zu bestätigen.

Wüste 2Einmal fuhren wir ans Rote Meer zum Tauchen. In the middle of nowhere war an einer halbbefestigten Straße ein Kontrollpunkt. Man musste anhalten, normalerweise bekam man auch Tee oder Kaffee angeboten – mir natürlich nicht, denn ich war ja nur eine Frau und die konnte ja sogar unrein sein – und die Pässe wurden gecheckt. Man legte die Kalaschnikows oder die Waffen einer anderen Provenienz beiseite und fragte mich, wo wir denn hin wollen: Nach Yanbu Al Bahr sagte ich und sie zeigten nach Norden, ich aber in die untergehende Sonne: also Westen, Al Maghreb, wie übrigens auch Marokko heißt. Von ihrem Kontrollpunkt waren es noch gut 400 km zum Meer, aber sie verstanden offensichtlich die Welt nicht mehr und wir durften weiterfahren, sie aber schüttelten bei unserer Abfahrt immer noch mit den Köpfen und bemitleideten uns arme Irren.

Aber auch wir hatten immer wieder Überraschungen. Einmal war in der Nähe unseres Zeltlagers eine Ziegenherde mit einem Beduinenmädchen, das offensichtlich Kontakt suchte. Und was soll ich Ihnen sagen: Sie sprach ein astreines Englisch und erzählte uns, dass sie in London auf der Highschool war. Was schief gelaufen war, dass sie Ziegen hüten musste, durften wir natürlich nicht fragen …

Auf einer unserer anderen Erkundungsreisen fuhren wir nach Mada’in Saleh. Es handelt sich um die antike Stadt Hegra und war ein Handelsplatz auf der ehemaligen Weihrauchstraße, die von dem Dhofar Gebirge im Jemen an der Grenze zum Oman an Medina vorbei nach Petra in Jordanien und dann weiter nach Gaza führte. Die Karawanen zogen von Oase zu Oase und von Wasserloch zu Wasserloch. Mada’in Saleh war eine Nabatäer Stadt, von der nur noch die über einhundert Monumentalgräber aus vorchristlicher Zeit, aber auch bis zum ersten Nachchristlichen Jahrhundert übrigblieben. 2008 wurde es von der UNESCO mit dem Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Wer in Jordanien war und sich die alten Totenstätten ansieht, weiß vielleicht nicht, dass es solche Grabstätten in Saudi Arabien auch gibt. Kein Wunder, denn in dieses Land konnte nur einreisen, wer einen triftigen Grund hatte. Sei es, dass er Muslim war und zur Pilgerzeit die große Moschee in Mekka besuchte, oder sei es, dass er im Land war, um zu arbeiten.

Mada’in Saleh

Mada’in Saleh

Eine andere Tour führte uns zu der Hedjas Bahn. Sie erinnern sich sicher noch an die Geschichte vom Lawrence von Arabien. Dort liegen immer noch die Überreste der in die Luft gesprengten Lokomotiven und Waggons. Auch die alten Bahnhöfe stehen noch. Ziel von den Engländern waren die Züge und die Bahntrassen.

Überreste der Hedjasbahn

Überreste der Hedjasbahn

Die Hedjasbahn wurde gebaut, um Pilger, die sonst tagelang mit Karawanen nach Mekka unterwegs waren, schnell dorthin – sowie auch nach Medina – zu bringen.

Die Zerstörungen setzten wegen des Argwohns der Kolonialmächte ein, die gerade den Suezkanal gebaut hatten und keine Konkurrenz auf dem Lande ertragen wollten. Lawrence von Arabien war nicht nur im Film Engländer (Peter O’Tool). Die maximale Ausdehnung der Bahn betrug zu Beginn 1585 km. Das Personal wurde vor allem aus den umliegenden Stammesgebieten rekrutiert, auch um die Stämme, denen die neue Bahn teilweise ihre bisherigen Einnahmen aus Schutzgeldern und Transportleistungen nahm, einzubinden und ruhig zu stellen. Das gelang aber nur in eingeschränktem Maße, denn die Stämme waren auch unter einander verfeindet.

Die Stammstrecke führte von Damaskus über Amman in Jordanien nach Medina. Für das Osmanische Reich war die Bahn politisch bedeutsam. Der Zielpunkt Mekka sollte zudem die Rolle des osmanischen Kalifen als Führer aller Muslim weltweit unterstreichen. Damit konnte man auch religiös motivierte Spenden für den Bahnbau in der gesamten islamischen Welt akquirieren können.

Strategisch sollte die Bahn die arabischen Grenzgebiete besser erschließen und die Kontrolle über sie verbessern, was sich vor allem gegen die britische Präsenz an Suezkanal und Rotem Meer richtete. Die geplante Zweigstrecke nach Aqaba scheiterte allerdings am Veto Großbritanniens, das sogar in einer militärischen Drohgeste im Mai 1906 seine Mittelmeerflotte vor den Dardanellen und vor Istanbul auffahren ließ, denn die Stichbahn nach Aqaba hätte die Umgehung des Suezkanals ermöglicht. Sie erinnern sich vielleicht an die Stelle im Film: Als der Beduinenführer (von Antony Quinn gespielt), der von Lawrence von Arabien zum Angriff auf die Hafenstadt aufgestachelt wurde, vor seiner Truppe mit dem Säbel über dem Kopf geschrien hat: Aqaba!

Die Stammstrecke sollte Mekka erreichen, wurde aber nur bis Medina verwirklicht. Da sie so die Fahrt der Pilger nach Mekka (Hadj) sehr erleichtern würde, spendeten für ihren Bau Muslime aus aller Welt ca. 28 % der Baukosten; der Hauptanteil von ca. 72 % wurde jedoch vom Osmanischen Reich bestritten.

Versorgungsstation der Hedjasbahn für Wasser für die Dampfloks

Versorgungsstation der Hedjasbahn für Wasser für die Dampfloks

Die Leitung des Projekts wurde Heinrich August Meißner Pascha (1862–1940) anvertraut, einem deutschen Ingenieur, der seit 1887 für Eisenbahnen im Osmanischen Reich tätig gewesen war. Für ihn sprach, dass das Deutsche Kaiserreich und das Osmanische Reich in dieser Zeit enger zusammenrückten; Kandidaten für den Posten des Chefingenieurs, die Untertanen anderer Großmächte waren, gegen deren Interessen im arabischen Raum sich das Projekt richtete, schieden ohnehin aus.

Die Bahn wurde in der seltenen Spurweite von 1.050 mm angelegt. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass man sich nach der Spurweite der schon bestehenden Strecke der Eisenbahn Damas–Hama et Prolongements (D.H.P.) zwischen Beirut und Damaskus richtete. Wieso dort diese Spurweite gewählt wurde, ist letztendlich ungeklärt.

Der Bau der Strecke begann im Jahr 1900 und wurde trotz enormer Schwierigkeiten durch Hitze, Sandstürme und Wassermangel in einer Rekordzeit von nur acht Jahren fertiggestellt. Die Hedjasbahn wurde am 1. September 1908 eröffnet. Der Weiterbau der Strecke nach Mekka unterblieb, obwohl Material dafür bereit lag. Er stieß auf den anhaltenden Widerstand der örtlichen Stämme und Interessen, die um ihren Einfluss fürchteten und auf ihre Einnahmen aus Schutzgeldzahlungen der Pilger und dem gewerblichen Transport nicht verzichten wollten.

Zur Wallfahrtszeit, dem Hadj, an dem jeder strenge Muslim wenigstens einmal im Leben teilnehmen sollte, verkehrten täglich fünf Züge. Bei einer Geschwindigkeit von maximal 30 Kilometer pro Stunde legten sie die Strecke in nur drei Tagen zurück – eine Kamelkarawane benötigte dafür rund eineinhalb Monate. (in Teilen Wikipedia entnommen)

Ausritt im Frühling

Ausritt im Frühling

Jetzt werden Sie mich fragen, wie es mit der Toleranz war: Nun, man lernt sie, wenn man nachdenkt – was nicht bei allen Europäern, Australiern und Amerikanern der Fall war. Wir hatten und haben immer noch aus dieser Zeit deutsche Freunde. Aber bei einigen Deutschen hat sich der Spruch bewahrheitet: Gott hüte sich vor Sturm und Wind und vor Deutschen, die im Ausland sind.

Wenn man sich überlegt, dass in Saudi Arabien erst vor fast hundert Jahren von den Engländern Öl entdeckt wurde und dieser Fund zu einem immensen Reichtum bei der Oberschicht führte, kann man erahnen, dass das nicht besonders hilfreich war für die soziale Entwicklung der Bewohner. Auf der einen Seite lebten und leben immer noch Beduinen in großen Zelten und weiden auf dem kärglichen Boden ihre Ziegen, Schafe und ihren ganzen Stolz, die Kamele. Sie wollten nichts wissen von den wenigen Städten wie Riyadh, Jeddah, Dammam, Dhahran, Tabuk oder Abha im Süden im Hedjas Gebirge. Ich kann mich noch gut erinnern an den Sheikh, der mit mir in den Lift im Chamber of Commerce einstieg, wo ich arbeitete. Mindestens 1,90 groß und mit einer Grandezza, die seinesgleichen suchte. Er trug neben dem üblichen weißen Kleid einen dünnen Kamelhaarmantel und hatte im schmuckvollen Gürtel einen ‚Khanjar‘ – einen wertvollen Krummdolch –, der aber nur noch als Zierde getragen wird. Er fragte mich auf Arabisch nach dem Weg in eine der vielen Handelsvertretungen im Haus. Eigentlich war es für ihn ‚haram‘ mit einer Frau, die nicht seine eigene war, im Lift zu fahren. Aber sein Blick zeigte mir, dass ihn das überhaupt nicht irritierte. Er war sicherlich ein Stammesfürst, eine Persönlichkeit mit einer derartigen Ausstrahlung, an die ich nach diesen vielen Jahren immer noch mit vollem Respekt denke.

Auf den Weg zum Kamelrennen

Auf den Weg zum Kamelrennen

Toleranz war und ist gegenüber anders Denkenden wichtig. Vor allem Toleranz gegenüber anderen Religionen. Genau wie bei uns gibt es ordentliche Leute und genau wie bei uns gibt es Schlawiner. Genau wie bei uns und auch wo anders gibt es immer wieder Menschen, die Angst haben vor dem Fremden, vor dem Anderssein. Man sollte mehr auf diese Menschen zugehen. Ein Lächeln wirkt da Wunder.

Uns war es sowohl in Saudi Arabien wie auch in Ungarn wichtig, in Ruhe gelassen zu werden und freundlich zu den Menschen zu sein. Vor allem bei unseren Reisen innerhalb Saudi Arabiens trafen wir immer wieder Menschen, die auch uns tolerierten und freundlich zu uns waren. Man musste sich nur entsprechend kleiden. Aber das ist genauso wie bei uns. In Kirchen, vor allem in Italien, kommt man auch nicht mit Shorts und Spaghettiträger T-Shirts rein. In vielen Kirchen wird sogar ein Kopftuch für Frauen verlangt: klingelt’s? Also auch bei uns Kopftuchvorschriften. Auf der anderen Seite kann ich absolut nicht verstehen, wie manche Touristen, vor allem in muslimischen Ländern rumrennen. Und ich muss gestehen, als ich nach fünf Jahren zurück kam und all die jungen Mädchen sah, die bauchfrei rumliefen, musste ich mich an den Anblick erst einmal gewöhnen.

Haus in Yanbu al Bahr – die durchbrochenen Fensterverkleidungen dienen dazu, dass man hinausschauen kann und aber nicht gesehen wird und dass immer durch alle Räume ein Luftzug weht.

Haus in Yanbu al Bahr – die durchbrochenen Fensterverkleidungen dienen dazu, dass man hinausschauen kann, selbst aber nicht gesehen wird und dass immer durch alle Räume ein Luftzug weht.

Wir hatten eine andere Weltanschauung wie sie. Klar. Aber wir Europäer hatten doch auch viel mehr Zeit, uns über die Jahrhunderte zu entwickeln. Wenn man bedenkt, dass sie ins 20. Jahrhundert geradezu katapultiert wurden, ist es doch umso mehr verständlich, dass sich in Köpfen ganz andere Wertvorstellungen abspielen. Bei uns wurden im Mittelalter und noch lange danach ja auch noch – hauptsächlich Frauen – an den Pranger gestellt, wenn sie Widerworte gaben (wenn ihnen nicht noch Schlimmeres passierte). Und so ist es auch bei uns immer noch auf manchen Dörfern, auch hier in der Stadt. Gehen Sie doch mal mit offenen Augen durch die Stadt und sie werden in manche blaugeschlagenen Augen sehen können.

In Saudi Arabien, vor allem in der Gegend um Riyadh kam ja auch noch erschwerend dazu, dass eine besonders strenge Form des Wahabismus gepflegt wurde. Fundamentalisten, die es in jeder Religion, also auch bei uns, gibt.

Ein weiteres Thema ist die Verschleierung der Frauen. Das ist Tradition und wurde, ich kann nur von der Zeit sprechen, in der ich im Land war, je nach Gebiet auch lockerer gehalten. In den Hafenstädten zum Beispiel, wo sehr viel Fremde waren, war man aufgeschlossener. Das ist bei uns nicht anders. In dem Gebiet um Riyadh und vor allem mitten in der Wüste in Bureidah, hatten die Frauen zum Teil Handschuhe an und einen Doppelschleier. Die Gebetspolizei ist mir einmal in einem Suk nachgerannt und sie haben geschrien, obwohl ich ein Kopftuch auf hatte: Cover your hair. Cover your hair. Ich bin um mein Leben gerannt.

Aber in solche Viertel geht man dann einfach nicht mehr. Das ist dort genauso gefährlich wie in New York. Noch dazu muss man bedenken, dass es zu dieser Zeit keine Informationen aus dem Netz und sonst wie gab. Kein Fernsehen, das den Menschen dort aufzeigte, dass es wo anders in der Welt ganz anders zugeht. Wie sollten sie dann wissen, dass so wie die Ausländerinnen rumlaufen, es für die das Normalste auf der Welt ist? Schlimm wurde es für die Saudis dann erst, als in Kuwait Saddam einmarschierte und der zweite Golfkrieg begann (der erste war zwischen Irak und Iran). Die kuwaitischen Frauen, die mit ihren Familien nach Saudi Arabien flüchteten, durften ja zuhause Auto fahren und das taten sie dann auch in Riyadh. Haram (Sünde). Die saudischen Frauen sahen das und wollten es auch. Das war für die Gebetspolizei ein Riesenschlamassel. Noch dazu kam dann das amerikanische Heer und die Luftwaffe und die Soldatinnen fuhren mit den Jeeps durch die Stadt und – was noch schlimmer war – sie stiegen aus den Kampfjets aus, die sie selbst geflogen hatten. Die fundamentalistische Welt stand Kopf. Was natürlich vor allem für die saudischen Frauen noch mehr Druck in den Familien bedeutete. Man(n) hatte Angst, die Kontrolle über die Frauen zu verlieren.

Ich erinnere mich noch an die Flüge über Genf nach Nürnberg. Da stiegen nach islamischen Ritus gekleidete junge Mädchen ein, die in der Schweiz zur Schule gingen und kurz vor der Landung in Genf kamen sie alle durch die Bank mit Miniröcken aus der Toilette …

Saudi Arabien ist ein schönes Land, ein interessantes Land

Sanddünen in der Rhub al Khali (leeres Viertel)

Sanddünen in der Rhub al Khali (leeres Viertel)

Wir richteten uns ein mit den Gegebenheiten. Wir waren in einem fremden Land. Da hat man sich an die Gepflogenheiten zu halten, was man bei uns nicht immer feststellen kann. An den Wochenenden wollten wir die Wüste erkunden. Was bei uns in Deutschland am Samstag und Sonntag war, war dort nach dem muslemischen Recht der Donnerstag und Freitag. Wir fuhren fast jedes Wochenende in die umgebende Wüste. Das ging allerdings nur von Oktober bis spätestens Ende April, denn dann wurde es richtig heiß – also schon mal stark über 50 Grad, und der Sand, durch den wir manchmal fahren mussten, um ein schönes Plätzchen zum Übernachten zu finden, wurde so weich, dass wir selbst mit einem fourweeldrive nicht über die Dünen kamen. Eisernes Gesetz war, sobald wir ein Auto nicht mehr sehen konnten, mussten wir warten, denn wer in der Wüste verloren geht, findet oft nicht mehr zurück. Es gab ja noch kein Navigationsgerät, das dort auch nutzlos gewesen wäre, weil kein Netz war, und GPS hatten nur die Geologen. Landkarten mitzuführen, hätte bei den Kontrollen, die es hin und wieder gab, einen Fuß im Gefängnis bedeutet. Mit Hilfe eines Kompasses war man aber bestens bedient. Oder man musste sich mit den Himmelsrichtungen auskennen. Das war allerdings bei bedecktem Himmel schwierig. Mittags stand die Sonne genau über einem, Schatten gab es keine, aus denen man die Richtung der Sonne erkennen konnte. Alles nichts für Navi-Besitzer, die diesen schon benötigen, um rückwärts aus der Garage zu fahren. Aber Abenteuer pur.

Die Wüste ist nicht nur reine Sandwüste und dazwischen befindet sich jede Menge Schotter. Verbranntes Gestein, das jeden Geologen in Begeisterung versetzt (eine gute Übersicht bietet Wikipedia).

Vulkangestein, Urgestein.

KameleDer folgende Absatz wurde Wikipedia entnommen: Die arabische Halbinsel liegt auf der Arabischen Platte, die sich nach Osten neigt. Im Westen ragt sie mit dem bloßgelegten Vulkangestein, steil aus der Tihama-Ebene am Roten Meer. Während die nördlichen Landschaften, wie die des Hedjas, eher eine Gebirgs- und Hügelkette entlang der Küste bilden, wird das südlicher gelegene Asir ähnlich dem Jemen durch den über weite Strecken mehr als tausend Meter hohen Randabbruch geprägt. Von dieser küstenparallelen Kante fällt das Land sanft nach Osten ab. Von West nach Ost bilden zunächst die ausgedehnten Geröllwüsten, im Westen von vielen Lavafeldern oder Basaltgeröll überdeckt, die monotone Landschaft. Weiter nach Osten haben sich jüngere Schichten erhalten, die jeweils mit einer Steilkante beginnen die älteren Schichten zu überlagern. Die größte dieser Steilkanten sowohl in Höhe als auch Ausdehnung ist das Tuwaiq Escarpment, dessen Schichten dem Jura entstammen und dem auf der Westseite unmittelbar ein Sandstreifen vorgelagert ist. Auf der Ebene östlich des Tuwaiq befinden sich die Orte um die Brunnen von al Khardj und die Hauptstadt Riyadh, während weiter nördlich die Orte des Qasim westlich der nördlichen Tuwaiq-Ausläufer liegen, die schließlich unter den Sanden der Großen Nafud abtauchen. Diese Ebene, die einen großen Teil der Landschaft Nadschd ausmacht, wird wiederum im Osten durch einen Steilabbruch, dem Buwaib, dessen Schichten der Kreidezeit angehören, über weite Strecken begleitet. Auf dessen Ebene verläuft der Dahna-Sandstreifen, der die gesamte zentrale Landschaft nach Osten begrenzt. Dieser ist an einigen Stellen über einhundert Kilometer breit und speist die Rhub al Khali im Süden mit Sand von der Großen Nafud-Wüste (an-Nafud al-Kabir) im Norden. Weiter nach Osten folgen weitere teilweise gestufte Ebenen, über die sich Geröllwüsten auf im Wesentlichen Kalksteingrund erstrecken. Im Osten nehmen dann ausgetrocknete ehemalige Seebecken und Salzflächen zu, bis man die Küste erreicht, die sich in geologischen Zeiträumen gemessen langsam aus dem Persischen Golf erhebt. Zusammen mit dem allmählichen Rückgang des Niederschlages seit einer kurzen Feuchtphase vor wenigen tausend Jahren – etwa zu Beginn des Neolithikums – bedingt dies eine allmähliche Verlandung und Austrocknung entlang der Arabischen Küste des Persischen Golfs. Im Norden und Süden des Landes prägen die beiden großen Wüsten der Großen Nafud und des Rub al-Khali die Landschaft. Beide erreichen im Westen das Hochland des westlichen Randgebirges. Das zentrale Tuwaiq Escarpment umfasst wie ein gewaltiger nach Westen offener Bogen den Arabischen Schild, von dem er in der Regel durch die schmalen Sandfelder getrennt ist. Soweit die geologische Seite.

Sonnenuntergang am Roten Meer

Sonnenuntergang am Roten Meer

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Monika Schau schreibt jeden Monat für die Leser der Bamberger Online Zeitung. Jedes Mal ein Mix aus Orts- und/oder Volkskunde und ein Fest für die Sinne – Lebensart eben. Ende Dezember widmete sie sich den  Rauhnächten mit den vielerorts vergessenen Traditionen und den unvergessenen Gerichten. Erst im Mai stellte sie Junges Gemüse vor mit einer Grünen Frankfurter – nein! – Bamberger Sauce. Im April entführte sie uns nach Budapest und in die dortigen Markthallen, rezitierte das Revolutionsgedicht von Sandor Petőfi und reizte die Sinne nicht nur mit Mohnstrudel. Bereits im Februar wollte sie mit dem Winter ade-Menu und einem Vorwort zum Pferdefleisch ins Frühjahr starten und erzählte uns für die Nachspeise etwas über Cedri. Zuvor waren wir mit ihr in Venedigs Karneval und Leckereien. Das Jahr 2013 begann mit Gaumenschmaus und Seelenfutter – Die Küche im Wiener Kaiserreich, einem Januar-Menue aus Rinderbrühe, dem perfekten Wiener Schnitzel und Palatschinken. Das Jahr 2012 schloss mit einem typisch fränkischen Dezembermenü: A ganz a schööns Gänsla. Wobei natürlich das Gänseschlachten mit einem Schluck zur Stärkung zwischendurch zelebriert werden muss. Zuvor wurden unsere Leser schon mal vorbereitet Die Sau ist tot. Mit der Kochschule der Besseresser ist Monika Schau bekannt. Die Herbst/zeit/lose Gerichte sind ja nicht ganz so herbstzeitlos, wenn man Kürbis, Steinpilze und Spitzkraut bedenkt. Monika Schau gab bislang auch Tipps für Gerichte, bei denen es wohl nicht für Alle eine Freude ist, sie nachzukochen und vor allem zu essen. Es gibt nämlich nur wenige Kochbegeisterte, die sich an solche Gerichte überhaupt rantrauen: Das Unessbare auf den Tellern hat einen Namen: Innereien. Im vergangenen September zitierte sie Lea Linster, eine der besten Köchinnen Luxemburgs: Wenn Du das Huhn, das Du in die Röhre schiebst, nicht liebst — lässt es Dich im Stich. Im Sommer entführte sie uns in die Cuina Catálan: Unser Sommermenü: Mar y muntanya / Meer und Berge. Ihr Eingangsmenu bei der OnlineZeitung stammte ebenfalls aus der Kochschule für Besseresser: Die neue esS-KLASSE. Im Sommer empfahl sie als Sommermenue: Barbecue mit fried green tomatoes und Kritisches zum Junkfood, entführte unsere Leser in die  Kellerzeit und nach Ligurien – Das Land wo die Zitronen blühen.

Im September ging es in die Provence: Baguette, Bouillabaisse mit Rouille und danach Tarte tatin. Überall ist jetzt von Queller die Rede, im Oktober auch bei uns Gaumenkitzel. Herbstliches Seelenfutter Wissen Sie, dass Kartoffelbrei glücklich macht? Natürlich selbst gemacht und nicht aus der Packung. In “Gessn werd daham” eine Liebeserklärung an – was wohl? Das Menu zum Frühjahr In Cod We Trust(ed) bietet neben Rezepten für Fischklößchen, Kabeljau in Senfsauce sowie die Anleitung einer Court Bouillon und einer Aprikosensuppe mit Schokotörtchen wieder allerhand Wissenswertes über das Drumherum. Und natürlich geschmückt wieder mit eigenen wunderbaren Photos. Zu Beginn tangiert sie das Thema Überfischung vor Neufundland. In Normandie – das Schlaraffenland gibt sie einen Einblick in die Küche der Normandie  und ihre Bemühungen um die “Boulangerie tradition”. Außerdem erhält man endlich Antwort auf die Frage: “Warum sind Butter und Käse aus der Normandie so unglaublich lecker?”.In einem zweiten Beitrag zur Normandie / Meeresgetier – Charcuterie – Desserts widmet sich Monika Schau der Esskultur der Franzosen. Denn allein die Präsentation der Speisen zeugt von einer Hingabe der ganz besonderen Art: ein Wunder, das eigentlich hinter Saarbrücken bereits anfängt. Neulich erst entführte sie mit Le Crete Senesi – Eine Landschaft zum Seele baumeln lassen die Leser an einen ihrer Lieblingsorte: Siena und die umgebende zauberhafte Landschaft. Auch dank ihrer wunderbaren Photographien ein Genuss. Im Juni ging’d dann nochmal nach Frankreich, nach Roanne oder die Sache mit den Fröschen:  Andere Länder – andere Sitten, vor allem Esssitten. Anlässlich der Ausbildung für Französische Backkunst war Monika Schau zu einem Praktikum im oberen Loiretal, in Roanne. Dass Monika Schau weitgereist ist, ahnen unsere Leser längst. Im Juli geht’s nach Japan: Einblicke – Durchblicke – Rückblicke. Sie meint, die Kultur eines Landes erkennt man auch an den Schaufenstern seiner Geschäfte.

Ein Gedanke zu „Vulkangestein, Urgestein: Landschaften in der Wüste

  1. Die Moni schreibt immer mit Herz und Hirn!!!
    Es ist übrigens Woche der Toleranz im ARD!! Da wäre dieser Bericht über die Zeit in SaudiArabien genau richtig!!
    Wer braucht schon eine Carrie Bradshaw wenn FRAU eine Moni Schau hat!!!

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