Ich dämme – also bin ich? – der Widerstand gegen die staatliche Dämmpolitik wächst

Wolfgang Neustadt

Karikatur aus: Wiedenroths Vorbörse, www.wiedenroth-karikatur.de, in K. Fischer: Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt - Altbauten energetisch sanieren, Energie und Altbau, Bauen im Klimaschutzzeitalter

Der „Dämmketzer“ Dipl.Ing. und Architekt Konrad Fischer geht schon lang in deutschen Landen um. Er ficht, redet öffentlich und ist in allen deutschen Medien unterwegs. Und er ist zunehmend nicht allein. Die Spatzen pfeifens von den Dächern, dass es mit der offiziellen deutschen Dämmpolitk so nicht mehr stimmt. Und es geht keineswegs nur um reine Erdölderivate wie Styropor-Dämmungen. Auch mineralische Dämmungen „verkleben“ aufgrund bindender Acrylate, Zellulose etc., d.h. sie verhalten sich ähnlich: als Algen-/ Schimmel- oder Brandbeschleuniger (Fischer).

Wärmedämmverbundsystem nach einigen Jahren. Das algenabwehrende Gift ist im unteren Bereich ausgewaschen, hat das Gelände und Grundwasser verseucht … Foto u. Text: Konrad Fischer

Dämmen: Zahlen, Normen und Effizienz

Die ab 1.1. 2013 erneut aktualisierten klima- / energiepolitischen Maßnahmen sehen Förderprogramme für Gebäudesanierungen von 1,8 Mrd. €/Jahr vor. Die Höchstfördersätze liegen jetzt bei max 10 % / 5.000 € der Gesamtinvestition. Dämmungen werden somit schnell zur Pflichtveranstaltung, außer man beantragt eine Befreiung davon, bei Nachweis der Unwirtschaftlichkeit. Der Anreiz ist verführerisch, aber trügerisch. Vermieter dürfen wie bisher 11 % / Jahr auf die Miete umlegen, was nicht nur der Mieterbund kritisch sieht.

Die DIN V 18599 ist die vorgeschriebene Methode zur Berechnung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Mit ihrer Hilfe kann auch schnell ein unrealistisch hoher Energiebedarf ermittelt werden, der die Einsparmöglichkeiten überzeichnet: viel Verbrauch heißt auch mehr/viel einsparen (Capital).

Der U-Wert ist der Wärmedurchgangskoeffizient, er bezeichnet die wärmedämmenden Eigenschaften eines Bauteils, das aufeinandergeschichtet aus mehreren Stoffen bestehen kann. Zum Beispiel die Außenwand eines Gebäudes oder ein Fenster. Je kleiner der U-Wert, desto besser ist die wärmedämmende Wirkung. Falsche, aber geförderte Meinung ist, dass immer dickere Dämm-Pakete noch mehr dämmen, die Klimaschutzrhetorik fordert immer dickere Schichtstärken als Optimierung (Fischer).

Insgesamt wurden bisher 840 Mill m² Dämmplatten verbaut. 2011 waren es 42,5 Mill m², davon 75 % Styropor. Der größte Profiteur ist nicht die Umwelt sondern die deutsche Chemieindustrie, die einen großen Wettbewerbsvorteil hat: Schaumstoff/ Polystyrol ist billig: 1 m2= 125 € / 1 m2 netto. Mineralwolleplatten liegen schon bei 150 € / m², Mineralschäume bei 200 € / m². Für 1 kg Styropor werden 5 kg Erdöl verbraucht (Capital), die dahinterstehenden Interessen werden also klar. 1997 wurde durchschnittlich 7,2 cm stark gedämmt, 2012 sind es schon 12,5 cm.

Je mehr Schwarte aber, desto geringer der Dämmeffekt. Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) an Fassaden allein erreichen höchstens 25 % des theoretisch möglichen Einspareffekts. Der überwiegende Rest muss bei Öffnungen wie Fenstern oder Türen, Dächern oder Böden erwirtschaftet werden, womit das realistische Einsparpotenzial schließlich bei unter 20 % landet (Fischer, Capital). Hinzukommt dass die mittlere schadenfreie Lebensdauer von Styropordämmungen im Mittel naturgemäß bei ca. 22 Jahren endet, entgegen aller Verlautbarungen der Industrie (Capital).

Amortisationszeiten Kellerdecke, Fenster, Außenwand etc, Referenz K Fischer

Die bisher hochgepriesenen Erfolge von Dämmungen beruhen auf theoretischen Annahmen und Kalkulationen, nicht auf Fakten. Es fehlen zudem unkalkulierte Mehrausgaben wie zwangsweise erforderliche Lüftungsanlagen, Wartung sowie vor allem deren Entsorgung (Schutzgemeinschaft).

Laut Gerichtssachverständigem Jens Fehrenberg verbraucht „ein gedämmter Wohnblock in Hannover … nicht weniger, sondern … mehr als die bauartgleichen ungedämmten Nachbarn. Das wissen … die Regierung als auch die Dämmprofiteure … Sie gehen immer nur von berechneten ,Bedarfszahlen‘ und nicht erwiesenen Verbrauchszahlen aus“ (Fischer).

Der 1983 im hauseigenen Verlag veröffentlichter Forschungsbericht T 1187 des IBP-Fraunhofer Fraunhofer Instituts für Bauphysik (IBP) stellte fest, dass Dämmstoffe wie Styropor, Mineralwolle etc. auf Außenwänden nicht besser dämmen als ausreichend dicke massive Ziegelwände (Gärtner). Die Ergebnisse wurden durch weitere Beprobungen und Untersuchungen überprüft und bestätigt. Man wies nach, dass Außendämmungen auf Ziegelmauern den Heizenergiebedarf sogar leicht erhöhen konnten, statt ihn zu senken. Die Erklärung dafür: Ziegelmauern speichern tagsüber Sonnenwärme und geben einen Teil davon bis in den späten Abend an die Wohnräume ab. Isolierte Mauern hingegen sind vor den Sonnenstrahlen abgeschirmt (Fischer). Die Dinge sind auch insofern höchst brisant, als diese Angaben später vom IBP geleugnet wurden (Fischer).

Zwischen 1984–1992 hatte schon das Hamburger GEWOS Institut den Heizenergiebedarf von 47 Mehrfamilienhäusern mit massiven Ziegelmauern mit und ohne Außendämmung verglichen, mit dem Ergebnis, „dass Gebäude ohne Außendämmung einen niedrigeren Heizenergiebedarf hatten als die gedämmten Gebäude“ (Fischer).

Im Juni 2012 publizierte die Universität Cambridge/GB in der Fachzeitschrift „Building Research & Information“ eine Heizkostenauswertung von insgesamt 3.400 deutschen Wohnungen. Sie wies nach, dass der tatsächliche Gas- / Ölverbrauch älterer Gebäude um bis zu 40 Prozent unter dem nach den Formeln der EnEV von 2002 errechneten theoretischen Energiebedarf lag und z.B. Niedrigenergiehäuser deutlich mehr Heizenergie als angegeben verbrauchten (Sunikka-Blank – Ray Galvin). Wieweit die in der EnEV verwendeten Formeln danebenliegen, zeigen auch die Betriebskosten des angeblich öko-effizienten Neubaus des Umweltbundesamtes in Dessau. Der Bundesrechnungshof stellte dazu fest, „dass diese um 50 Prozent oder jährlich 400.000 Euro über den Betriebskosten vergleichbarer herkömmlicher Verwaltungsgebäude liegen“ (Fischer, Fehrenberg).

Mit Wärmedämmung verpestete Wohnsiedlung in Hamburg. Foto und Text K. Fischer

Dämmen und Bauphysik

Wozu führen die gepriesenen Dämmmethoden? Sie dämmen auch gegen wärmende Sonneneinstrahlung, die Mauer kühlt bei Dämmung aus, so dass von innen gegengeheizt werden muss, um das Haus warm zu halten. Beim Vergleich zweier Mauern unter Sonneneinstrahlung im Sommer (eine Mauer nur aus Ziegelstein, die andere mit zusätzlicher Dämmung) wurde ermittelt, dass die Ziegelmauer abends noch maximal 35 Grad warm war, die Styroporwand hingegen 80 Grad. Am Morgen danach hatte die Ziegelwand die Wärme weitgehend gehalten, die Styroporwand jedoch kühlte stärker ab als die Lufttemperatur, Schwitzwasser kondensierte aus (Fischer).

Freigelegte Dachdämmung aus Mineralwolle hinter Dampfsperre. Durch Sommerkondensat und Umkehrdiffusion ist die Holzschalung weitestgehend aufgenässt und mit Naßfäulepilzen befallen. Am Fassadengerüst hatte der Hausbesitzer monatelang „Schimmel, Schwamm u. Risse – trotz Gerichtsurteils keine freiwillige Zahlung durch das Architekturbüro …“ plakatiert. Foto: Stephan Zwiener, Text Konrad Fischer

Entsprechend gedämmte Fassaden unterschreiten den Taupunkt, ertrinken im Kondensat, verpilzen, veralgen, frosten auf und fallen einfach ab. Ihre teure Instandhaltung frisst alle berechneten Ersparnisse locker wieder auf (Fischer/Fanslau). Mittlerweile gibt es dagegen sogar schon elektrische und warmwasserbetriebene Fassadenheizungen. Schilda lässt grüßen, zum ersten (Fischer).

Zu den Hausschwammkatastrophen und Bewohnerkrankheiten an Holzrahmenhäusern in USA/Oregon, Referenz Konrad Fischer

Fischer wies nach, dass WDVS-Systeme deutscher Bauart an amerikanischen Holzrahmenhäusern (mit auf Stoß verklebten Dämmplatten) ebenfalls systematisch aufnässten und so in über 90 Prozent der sachverständig untersuchten Fälle zu Hausschwammkatastrophen und Bewohnerkrankheiten geführt hatten. Man versuchte daraufhin, mittels integrierter Drainageschicht die Feuchte vor der Holzkonstruktion zu entwässern. Technische Probleme in diesem hochkomplexen Gebilde führten aber oft genug erneut zu Feuchteschäden (Fischer).

Mit der Nachhaltigkeit gedämmter Fassaden ist es hüben wie drüben ebenfalls nicht weit her. Besonders feuchte- und windanfällige Holzkonstruktionen beanspruchen die starren rissgefährdeten Klebeverbindungen der Dämmsysteme. Gedämmte Fassaden werden undicht, sie sind zudem stoßanfällig, es entstehen Risse, Spechte und Mäuse sind gern dabei. Wasser dringt ein durch die Plattenstöße und befördert zusätzlichen Wärmeverlust (Capital). Zudem kostet die Instandhaltung einer wärmegedämmten Fassade pro anno / m² über 9 €uro mehr als eine verputzte Fassade (Fischer).

Freigelegte hinterlüftete Dämmung aus Mineralwolle. Die dank Taupunktunterschreitung oftmals aufgenässte Dämmschicht ist von Schimmelpilz durchwachsen. Über dem Fenster hat die beim Lüften einströmende Warmluft seltenere Taupunktunterschreitungen und damit weniger Schimmelpilzbefall bewirkt. Foto Christoph Jaskulski

Vorsicht Falle: Niedrigenergiehaus, Fenster, Schimmel und Lüftung

Es ist schon erstaunlich: Niedrigenergiehäuser verbrauchen deutlich mehr Heizenergie als angegeben. Gründe sind u.a. die geforderten 3-fach Isolierverglasungen, diese führen zu Feuchtigkeitsbildung mit hoher Schimmelgefahr und erfordern dagegen letztlich erforderliche Zwangslüftungen. Durch das doppelt- bis dreifachverglaste Energiesparfenster gelangen weniger Licht/Wärme und gar keine Luft mehr hindurch! Niedrigenergiehäuser verteuern also mit ihren 3fach-Fensterverglasungen, ihren alternativen Energieerzeugungs- und Lüftungsanlagen sowie ihren standarmäßigen Dämmsystemen das Wohnen wesentlich mehr als in den Begründungen zu EnEG- und EnEV-Novelle behauptet wird (Südd. Zeitung, Schutzgemeinschaft). Die durch deutlich erhöhte Luftfeuchtigkeit massiv drohende Schimmelgefahr bekommt die propagierte Stoßlüftung keinesfalls mehr in den Griff. Dies schafft nur eine konstante Dauerbetriebslüftung, über schnell verkeimende Lüftungsanlagen! Alternativ bleibt nur die „mittelalterliche“ Lösung mit ausreichender Luftwechselrate durch alte Fenster, ganz ohne Lippendichtung. Davon will die Fensterindustrie natürlich nichts wissen. Lüftungsschlitzbeschläge, „rahmenintegrierte Lüftungsklapperatismen“ und perforierte Dichtungslippen werden gepriesen, alles teuer und passivhauszertifiziert. Schilda lässt erneut grüßen (Fischer).

Hohes Brandrisiko

Hausbesitzer gehen vor allem mit den üblichen günstigen Polystyrol-/ Styropordämmungen unkalkulierbare Brandrisiken ein. Zusammen mit Dreifach-Verglasungen erschweren sie laut Aussagen der Feuerwehr die Brandbekämpfung. Feuerwehrchef Reinhard Ries, Frankfurter Branddirektor, sieht in dem Material einen Brandbeschleuniger, der „unheimlich hohe Temperaturen“ verursacht. Hat Styropor einmal Feuer gefangen, so setzt es eine enorme Hitze und giftige Gase frei. Das sei dann wie ein „flüssiger, brennender See“, als hätte man mehrere Tausend Liter Benzin oder Mineralöl entzündet. Er hält es für dringend geboten, den Dämmstoff „sofort zu überprüfen“. So lange müsse das weitere Verbauen von Styropor gestoppt werden (sehr lesenswert: Capital). Das Material könne nicht weiterhin als „schwer entflammbar“ bezeichnet werden. Die Dämmstoff-Lobby verhinderte bisher eine Anpassung der Feuer-Prüfung an die Testnorm DIN EN 13501 (Gärtner, Fischer, NDR/TV).

Alternative Konzepte und echte Nachhaltigkeit

Die Gegner des aktuellen Dämmmachwerks fordern aufgrund der mittlerweile unüberschaubaren, fehlerhaften und somit rechtlich kaum mehr widerspruchsfreien DIN-Normen und VDI-Richtlinien eine Abschaffung der Klimaschutzgesetze in ihrer jetzigen Form und eine endlich unvoreingenommene öffentliche Grundlagendiskussion, ob Gesetze wie das EnEG und die darauf gründende EnEV sowie das EEWärmeG und das EEG überhaupt zielführend sind (Schutzgemeinschaft).

Reinkonservierung Bremer Rathaus, Planung und Leitung Konrad Fischer

Konrad Fischer arbeitet neben seiner energieberatenden Tätigkeit auch als Architekt in Bestand und Denkmalpflege. Er konservierte nach wahrhaft denkmalpflegerischen Grundsätzen schon viele namhafte Baudenkmäler. Zuweilen sehr zum Erstaunen „denkmalpflegerisch anders“ orientierter Ämter und Öffentlichkeit. Aus dem bewusst angewandten Nachhaltigkeitsanspruch der Denkmalpflege rührt sein Credo, auch in Energie- und Dämmsachen.

Wie steht z.B. die Bayerische Denkmalpflege konkret zum Dämmen in Bestand und Welterbe? Man wägt ab denkmalpflegerisch und differenziert zwischen Denkmalwert und Kosten-Nutzenrelationen von Dämmungen und Energieeinsparmöglichkeiten. Man propagiert differenzierte Lösungen in Form von Teildämmungen einzelner Innen-Außenwände. Grundsätzlich verweigert man sich bestimmten Dach-/ Bödendämmungen/ -Isolierungen oder Neubefensterungen jedoch nicht, Hauptsache „im Stil“, d.h. ohne aufgeklebte Fachwerkillusion.

Auf denkmal-kritischer Seite erkennt man auch in der offiziellen Bestands-Dämmpolitik durchaus falsche Zeichensetzungen, die aktuell propagierten Dämmungen seien keineswegs nachhaltig: 20 Jahre bis zur Amortisierung von 15.000 € bei einer angenommenen 25 jährigen Haltbarkeit von Styropor sind nur ein Segen für die Chemieindustrie (Eißing). Bambergs Baureferent (Ilk) lehnt bei denkmalgeschützten Bauten Dachisolierungen und Fassadendämmungen sogar generell ab!

Das gelinde gesagt nicht unwidersprüchliche Denken und Tun des BLfD geschieht ganz ohne erkennbare Not. Muss doch einer ihrer historisch erwiesenen theoretischen Grundsätze das Prinzip der Nachhaltigkeit sein. Geht man im Denkmal auch nur geringste Kompromisse ein wie speziell bei Dachdämmungen, Bodenisolierungen, Teildämmungen einzelner Fassadenteile bzw. Innenräume mit geduldeten aufgepowerten Neubefensterungen etc., sind dem unkontrollierten Dämmen schnell Tür und Tor geöffnet. Man sollte es auf Denkmalpflegerseite wirklich besser wissen und sich besinnen auf technisch erprobte, bewiesen nachhaltige Errungenschaften mit Jahrhunderte währender eingebauter Garantie! Das sind die Pfunde, mit der Denkmalpflege wuchern kann und sollte.

Entsprechend zieht Konrad Fischer historisch bewährte Materialien und Methoden vor wie den Massiv-/Putzbau, das herkömmliche einfach isolierende Verbundfenster und Läden, Naturbaustoffe, mineralische Putze und Anstrichmaterialien etc.

„Zunächst traf es den Kalkmörtel, dessen Wärmedehnung und Austrocknung den Steinen ideal entsprach. Doch Zementmörtel musste her. Der dehnt sich doppelt so viel aus wie die Steine, reißt deshalb und braucht zehnmal länger, bis er den Regen austrocknet. Danach kamen anstelle der Kalktünchen ,wasserabweisende‘ Anstriche, die die Poren verstopfen und einkondensierten oder durch unvermeidliche Risse eingesaugte Nässe nur schwer wieder freilassen. Das zermürbt den synthetisch verkrusteten Malgrund. Zuletzt kamen immer leichtere, gelochtere, gar porosiertere ,Steine‘, denen heute sogar Kunstfasergespinste und Synthetikschäume eingeimpft werden.“ Leider ging so das Wärmespeichervermögen gleichzeitig mit der Stabilität verloren (Fischer).

Angeschimmeltes Kunststoff-Isolierfenster. Am Fensterprofil und der Dichtlippe setzt sich die überschüssige Luftfeuchte als Kondensattropfen ab und versorgt den am Profil anwachsenden Schimmelpilz mit der notwendigen Feuchtezufuhr. Foto u. Text: Konrad Fischer

Fenster, Lüften und Heizen

Durch die Fenster als Wandöffnung gehen zusammen mit Türen, Dächern und Böden ca. 75 % der gesamten Wärmeverluste. Nicht umsonst kapriziert sich auch besonders hier die Dämmindustrie u.a. in Form von Hightech-Fensterbauern. Die Vorteile alter Fenster werden nachhaltig verschwiegen. Ein Fenster mit Einfachverglasung lässt wesentlich mehr Solarenergie in den Raum als jedes Isolierfenster. Das Altfenster sorgt für eine gesündere, weil trockenere und energiesparender zu beheizende Raumluft, in Kombination mit Fensterläden die perfekte Energiesparkonstruktion. Die Klugheit der alten Baumeister wußte das wie selbstverständlich zu nutzen (Fischer).

Fischer würde alternativ zum Dämmen seinen Altbau in Ruhe lassen. Das ist nachhaltig, weil auch gut für den Geldbeutel, auch von uns allen. Auch im Neubaufall sind speicherfähige Massivbauten mit Fenstern ohne Dichtlippe und Dreifachglas, dafür aber mit Läden oder Rollo das Beste. Heiz-, aber auch Sonnenwärme, werden so am besten genutzt. Die meisten Altbauten funktionieren auf diese Art gut und energiesparend. Ihre angeblichen Extremverbräuche gehen in den meisten Fällen zurück auf falsche „Bedarfsberechnungen“ der Dämmprofiteure. Die Kombination: im Winter warm – im Sommer kühl, führt weder zur Aufheizung tagsüber noch zur Auskühlung nachts (Fischer).

Effektive Einsparung von Heizenergie wird a priori durch einen bewussten, intelligenten Verbrauch möglich, durch vernünftiges Heizen tags und nachts. Grundsätzlich empfiehlt sich zu allererst die Rentabilitätsprüfung der Bestandsheizung. Vor allem ist der ständige An-/ Aus-Betrieb mit bis zu dreißig Prozent mehr verbrauchter Heizenergie Gift. Zudem optimieren auch Erzeugungs- und Transportverluste im Heizraum, im Kamin und grundsätzlich beim Wärmetransport zusammen mit möglichst viel flüchtiger Heizluft die Heizenergievergeudung. Nicht nur Fischer empfiehlt verlustarme preiswerte elektrische Strahlungs-/ Direktheizungen. So konnten verbrauchsvergleichende Messungen von Infrarotstrahlungs- und Gasheizungen im Altbaubereich zeigen, dass erstere eine sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Heizsystemen darstellen. Sie bringen sowohl Vorteile beim Energieverbrauch, sprich Kosten als auch bei der CO2-Bilanz (Kosack).

Fischer plante das Heizsystem im Schloss Veitshöchheim zur Hälfte mit Elektrodirektheizungen, Vergleichserhebungen bestätigten den Einspareffekt. Er stellte zudem systematisch Erfassungen gängiger Betriebsabrechnungen gegenüber, die entgegen allenthalben verbreiteter Annahme ebenfalls wesentlich günstigere Verbrauchszahlen abbildeten. Großes Sparpotenzial sieht er generell eben im Unterlassen sinnloser Energiespar-Aufwendungen sowie in der Wärmeverteilungsprüfung bzw. den Austausch einer alten Heizung sowie eingeputzter Rohrleitungen gegen offen auf Putz liegende Rohre. Vorteilhaft ist und bleibt der Verzicht auf Nachtabsenkungen mit ihren exponentiellen Energieverlusten beim abendlichen Auskühlen und morgendlichem Aufheizen (Fischer).

Schadensersatz, Amortisierungsnachweis und Ausnahmeregelung

Richtig kostensparend und schlagkräftig bleibt im Altbaubereich der Nachweis der Dämmunwirtschaftlichkeit. Wenn sich diese über einen Zeitraum von 10 Jahren als unwirtschaftlich erweist, ist eine Befreiung von der Dämmpflicht möglich. Der Gesetzgeber räumt auch Schadensersatz bei falschen Standardberechnungen vorsichtshalber ein. Fehlte ihm etwa selbst der Glaube an die Amortisierungsbehauptung? Die Befreiungsregelung greift also bei Nachweis einer unwirtschaftlichen Investition. Nur verraten genau das die Dämmprofiteure, Planer, Handwerker und die Bauindustrie nicht so ohne weiteres (Fischer).

Immer mehr Hausbesitzer bekommen inzwischen mit, dass sich die versprochene Energieeinsparung nicht einstellt. Es handelt sich dabei um ein „simples Rechenexempel, das immer zugunsten der Bauherren ausgeht“ (Fischer). Planer müssen den Bauherren aus haftungsrechtlichen Gründen durch vertragliche Nebenpflicht die Wirtschaftlichkeit der Planung nachweisen. Wer das als Planer und Energieberater nicht erfüllt, riskiert schwer kalkulierbare Haftung. Entsprechende Prozesse laufen und wurden schon zuungunsten der Planer entschieden (Fischer). Fischer hat in seiner Beratertätigkeit bisher noch keine Dämmung gefunden, die sich als wirtschaftlich herausstellte, er selbst hat bisher entsprechende Anträge immer durchgebracht.

Er empfiehlt, einen neuen Energieausweis sowie die Ausnahmeregelung zu beantragen. Schon eine sächsische Pilotstudie von 2005 pochte auf die Nutzung der Befreiungs-/ Ausnahmeregelung im Altbau-/Denkmalbereich (Fischer/Literaturauswahl).

Sozialer Sprengstoff?

Alle schwarz-gelb-rot-grünen Regierungskoalitionen verschärften seit numehr vier Jahrzehnten die Gesetze und Vorschriften kontinuierlich (s.a. Capital). Hinter der Dämmpolitik stehende wirtschaftliche Interessen sind unübersehbar. Im zuständigen Normausschuss DIN V18599 sitzen zum Beispiel alle davon profitierenden Industrien, wissenschaftliche Studien werden auch von der Chemieindustrie unterstützt. Die vom Energie-/Umweltministerium geförderte Energieberatung (www.co2online.de) geht von falschen Prämissen und Verbrauchskalkulationen aus (Capital).

Jeweilige Regierungen verkaufen zudem ihren zunehmend einschränkenden Normenapparat unverhohlen als Erfolg gesamtgesellschaftlicher klimapolitischer Interessen. Lange nicht mehr nur auf Seiten der Dämmgegner sieht man die Gefahr grundsätzlich zunehmender Einschränkungen von Bürgerrechten. Besonders auch in unserem Fall steigt der bürokratische Druck auf Hausbesitzer und Mieter signifikant. Hinter jedem Normenapparat steht sofort die massive Bußgeld-Keule. Der Verdacht sich verselbständigender administrativer Eigen- mit Begünstigung dahinterstehender Lobbyinteressen hat sich längst verflüchtigt, er muss sehr ernst genommen werden.

Der Umfang der über 800 Seiten DIN-Normen und VDI-Vorschriften etc. für das EnEG und die EnEV macht klar, „dass sie kein Mensch befolgen kann“ (Schutzgemeinschaft).

Man „singt das Lied vom Klimaschutz und gibt vor die Welt zu retten – Hauptsache der Kunde zahlt“ (Fischer).

Schon jetzt verhindert u.a. Energiesparen nach Gesetz und die darauf zwangsläufig folgende Wohnraumverteuerung nicht nur Neubauten, sondern es drohen auch erhebliche Kostensteigerungen mit Verdrängungseffekten bei Mietern in Ballungsräumen. Wohnen in Niedrigenergiehäusern wird wesentlich teurer als in den Begründungen zu EnEG- und EnEV-Novelle behauptet, d.h. es wird für einen zunehmenden Teil der Bevölkerung unbezahlbar. Niedrigenergiehäuser gehen am tatsächlichen Wohnbedarf vorbei. „In den Ballungsräumen werden Wohnungen von Menschen mit niedrigem Einkommen gesucht“ (Schutzgemeinschaft).

Der Staat mischt auch auf der Habenseite kräftig mit. Das unverdächtige Eduard-Pestel-Institut/Hannover hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie nachgewiesen, „dass von jedem Euro, der in Deutschland für die Gebäudesanierung ausgegeben wird, 54 Cent über Steuern und Abgaben in den Kassen des Staates oder staatlicher Versicherungen landen. Der Staat hat also in vorderster Linie auch sein Eigeninteresse im Auge, wenn er – um das Weltklima zu retten – die Vorgaben für die Gebäudesanierung immer weiter verschärft“ (Gärtner).

Fazit

Das Dämmgelände ist extrem vermint. Es lässt sich an wenigen Fingern abzählen: hinter den sog. Klima-/ Dämmskeptikern z.B. in den USA stehen die begründeten Interessen der dortigen Ölindustrie: gegen den Klimawandel sein und z.B. bei Leichtbauten nicht dämmen, ist gut für den Ölverbrauch. Welche Industrieinteressen auch in unseren Landen dahinterstehen, wurde klar.

Kosten sparen und gleichzeitig ökologisch zu bauen bedeutet für Konrad Fischer:

  1. massiv gemauert neu bauen und mit bewährt naturverträglichen Baustoffen;
  2. im Bestand die Ausnahmeregelung zu nutzen und auch den Altbau vor jeglichen modern gerühmten „Dämmklapperatismen“ in Ruhe zu lassen;
  3. jeweils Sonnenwärme und Frischluft nicht automatisch den Zutritt zu verweigern
  4. sowie nachhaltig und somit ökologisch und kostensparend zu heizen.

Aber: do it with an architect! (machs halt mit ’nem Architekten!)

Konrad Fischer ist kompetent und, wie hier zu lesen, schon lange nicht mehr allein. Er hat sehr berufene, kompetente und eben alternativ überzeugte Mitstreiter. Seine vielfältigsten Auftritte in seriösen Medien wie auch auf entsprechenden Tagungen sind Legende. Ihm liegt eine Einladung von der Berliner SPD-Fraktion vor, seine alternativen Positionen politisch einzubringen. Er trommelt natürlich, auch für seinen alternativen Beratungsbetrieb.

Literaturauswahl/Referenzen

  • Capital, Februar – März, 2013
  • Schutzgemeinschaft: für Wohnungseigentümer und Mieter e.V. – Hausgeld-Vergleich / Hausverwalter-Check, Stellungnahme z. Novellierung des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) und der Energieeinsparverordnung (EnEV), AZ- IIIA5-10 51 64; SW 12-83 06 05-2, 10.11.2012, www.hausgeld-vergleich.de
  • K. Fischer: Altbauten energetisch sanieren – aber wie?, www.konrad-fischer-info.de/altbauten_b.pdf: 
  • K. Fischer : Kurzreferat zu Stadt und Energie – Altbau – Altbauten dämmen oder sanieren?, Konferenz zur Schönheit und Lebensfähigkeit der Stadt, 24. und 25. März 2011, Rheinterrasse der Landeshauptstadt Düsseldorf, „Stadt und Handel“ (24.3.) – „Stadt und Energie“ (25.3.), Veranstalter: Deutsches Institut für Stadtbaukunst an der Technischen Universität Dortmund, Prof. Dipl.-Ing. Christoph Mäckler, Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Schirmherrschaft Frau Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth, Präsidentin des Deutschen Städtetags
  • K. Fischer, Interview in Hannoversche Allgemeine Zeitung: nachgefragt: „Dämmung senkt Heizkosten nicht“, Die Dämm-Offensive, Programm für energetische Gebäudesanierung wird um 300 Millionen Euro aufgestockt, 20.12.2012
  • K. Fischer, Abzocke mit Wärmedämmung, Der Staat zwingt Bauherren und Hausbesitzer immer rigider zu teuren und ineffektiven Energiespar-Maßnahmen, doch Schlupflöcher in den Gesetzen ermöglichen preiswerte Alternativen, in compact-magazin, 07/2012, S 53-55, compact-magazin.com_07-12-S.53-55.pdf
  • K. Fischer, Interview Prof. Lüdecke, 8.8.2012, Haus-Wärmedämmung unter den neuen Energiespargesetzen; mit neuen und novellierten Gesetzen zur Einsparung von Energie soll auf dem Rücken von Mietern und Hausbesitzern der „Energiewende“ und dem massiven Einstieg in „Erneuerbare“ der Weg bereitet werden. Wie schlimm wird es werden? Sind die vorgesehenen Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll? Wer profitiert, wer zahlt? Diese und viele andere Fragen beantwortet der überregional bekannte Dämm-Experte Dipl.-Ing. Konrad Fischer in einem Interview, das unser Pressesprecher Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke mit ihm geführt hat; EIKE Haus: www.eike-klima-energie.eu/?eID=assistme_base_print&elementid=singlenew s&title=Haus-W% E 4rm…print sowie URL: news-anzeige/eine-burka-fuer-jedes-haus/>
  • K. Fischer: Altbauten energetisch sanieren – aber wie? Das Energiesparen am Gebäude ist zum Volkssport geworden. Doch Vorsicht! Viele Maßnahmen sind nicht nur teuer und bringen nichts – sie schaden sogar. Das meint Dämmkritiker Konrad Fischer, der in Luxemburg bisher gar nicht zu Wort gekommen ist. www.konrad-fischer-info.de/monumentum.pdf
  • K. Fischer, Interview Tagesschau 2.1.13, 20.00, Uhr, Gebäudesanierung: Bundresregierung will Sanierung v Altbauten vorantreiben, deutscher Mieterbund schlägt Alarm: Zeche zahlen Mieter, Mieterbund bezweifelt Wirtschaftlichkeit, http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag207574.html
  • Edgar Gärtner, Energiewende: Billiges Styropor kann teuer kommen, E.G.: Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor, 21. Dezember 2012, http://ef-magazin.de/2012/12/21/3924-energiewende-billiges-styropor-kann-teuer-kommen
  • NDR/TV, 26.11.12, 21.00 Uhr, Wärmedämmung: der Wahnsinn geht weiter; keine Nachhaltigkeitskosten eingerechnet!, Die Folgen des Dämmens mit Styropor können verheerend sein: für das Wohnklima und auch im Brandfall. Wer profitiert von den ständig verschärften Energiesparverordnungen?, http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/haushalt_wohnen/minuten667.html
  • http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/geld-und-leben-das-wirtschaftsmagazin/schule-kinder-daemmung-100.html;
  • mit redaktionellem Kommentar dazu: http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/geld-und-leben-das-wirtschaftsmagazin/neues-aus-der-redaktion/geld-und-leben-redaktion100.html
  • Süddeutsche Zeitung, 22./ 23.12.12, Dreck aus vollen Röhren
  • EU-Projekt EFFESUS, Energy Efficiency for EU Historic Districts Sustainability, u.a. Zitate Eißing u. Ilk, in FränkischerTag 14.3.2013: Was hilft Wärmedämmung wirklich? zur VHS/ZWB Podiumsdiskussion: Wir packen ein – Wärmedämmung und Welterbe am 12.3.13
  • BR quer/4.4.13, http://www.youtube.com/watch?v=0z29wHGRdc0&feature=youtu.be
  • Strahlungs-/Direktheizungen: Kosack, P., Dr.-Ing. http://www-user.rhrk.uni-kl.de/~kosack/forschung/
  • Minna Sunikka-Blank und Ray Galvin, Architektur-Fachbereich Universität Cambridge/GB, in Fachzeitschrift „Building Research & Information“ (2012), Auswertung der Heizkostendaten von insgesamt 3.400 deutschen Wohnungen
  • Sächsische Pilotstudie von 2005: www.denkmalpflege.sachsen.de/download/Pilotstudie_Energetische_Sanierung.pdf
  • Wärmedämmung: der Wahnsinn geht weiter; keine Nachhaltigkeitskosten eingerechnet!, Die Folgen des Dämmens mit Styropor können verheerend sein: für das Wohnklima und auch im Brandfall. Wer profitiert von den ständig verschärften Energiesparverordnungen?, NDR/TV, 26.11.12, 21.00 Uhr, http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/haushalt_wohnen/minuten667.html
  • Kompetenzregion Denkmalpflege: Energie sparen im Denkmal, Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Region Bamberg: Kompetenz am Denkmal“ am Montag, 20. September 2010, in der Aula der Universität Bamberg im Dominikanerbau, welche diesmal in Zusammenarbeit mit dem ZWB-Projekt „Energie und Denkmal“ organisiert wurde
  • Energieberatung des Bundeministeriums Energie u. Umwelt: www.co2online.de

Aktuelle Gesetzgebungen:

  • Gesetz zur Stärkung der klimagerechten Entwicklung in den Städten und Gemeinden
  • Gesetz zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden
  • Energiedienstleistungsgesetz
  • Erneuerbare Energien Wärmegesetz
  • und die schon seit 2010 für 2012 vorbereitete Novelle der Energieeinsparverordnung mit Einbindung der neuen EU-Gebäuderichtlinie, Niedrigstenergiestandard für Neubauten ab dem 31.12.2020 (Interview Lüdecke- Fischer; s.a. Schutzgemeinschaft für Wohnungseigentümer …) Novelle ab 1.1.2013

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