Georg Sperber: 80 Jahre Kampf für Wald und Natur

Naturschutzverbände gratulieren zu 80. Geburtstag

Dr. Sperber mit einer Uraltbuche im Steigerwald

Die Naturschutzverbände im Freundeskreis Nationalpark Steigerwald gratulierten Dr. Georg Sperber, dem langjährigen Leiter des Forstamtes Ebrach, im Februar zu seinem 80. Geburtstag. Weltweite Reisen und stetige Fortbildungen prägten den Forstwissenschaftler, der aus diesem Grund oft seiner Zeit voraus war. Als kreativer, kritischer Kopf pflegte er über den rein forstlichen Tellerrand hinaus zu schauen. Weil ihm Naturschutz und Waldschutz wichtig waren, engagierte er sich stark in den Naturschutzverbänden, so war er z.B. langjähriger Sprecher des Arbeitskreises Wald im Bund Naturschutz Bayern. Als einer der renommiertesten Waldnaturschützer in Deutschland ist es ihm so gelungen, viele Naturschützer und Förster für einen besseren Schutz der Wälder zu begeistern.

Die Verbände dankten dem ehemaligen Forstamtsleiter für seinen anhaltenden Einsatz zum Schutz heimischer Buchenwälder, für unzählige Vorträge und Waldführungen sowie wunderschöne Bücher, mit denen er allen Interessierten den Lebensraum Wald näher bringt.

Sein ganzes Leben lang war Dr. Sperber unermüdlich draußen unterwegs – das hält jung. Neben der Familie ist sein Leben vor allem dem Wald und dessen Schutz sowie der Vogelkunde gewidmet.

Fortbildung ist bei ihm großgeschrieben: Mehrmonatige forstliche Auslandspraktika in Bosnien, Spanien und Schweden begleiteten schon sein Studium. Später leitete er Fachexkursionen nach Kanada, Schottland, Polen, Kroatien, Slowenien und Israel. Zehn Jahre übernahm er in seinem Urlaub naturkundliche Exkursionen in Namibia. Nach der Pensionierung war er als forstlicher Berater auch im Iran tätig. Noch im fortgeschrittenen Alter besuchte er die als Weltnaturerbe anerkannten Buchenurwälder in der Ukraine. Von diesen Reisen brachte er Anregungen und Erkenntnisse mit nach Hause, die er auch an die jüngere Generation weitergab, zuerst als Lehrer an der Landesforstschule in Lohr (Spessart) und später im eigenen Forstamt.

Oft seiner Zeit voraus mahnte er zusammen mit dem Bund Naturschutz früh die Ursachen des Waldsterbens in den 1980ern an und setzte sich u.a. als Klimazeuge des WWF für die Bekämpfung des Klimawandels ein. Lange bevor „Nachhaltigkeit“ in aller Munde war, wurde sie von Dr. Sperber, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, schon praktiziert. Als aktiver Jäger, Hundeführer und Falkner war er Mitbegründer des Ökologischen Jagdverbands, dessen Ehrenmitglied er ist.

Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass die heute deutschlandweit berühmten Buchenwälder im nördlichen Steigerwald noch in hoher Qualität und auf großen Flächen existieren. Hätten er und einige wenige seiner Kollegen sich nicht gegen die Vorgaben der vorgesetzten Forst-Instanzen geweigert, die damals „unmodernen“ Altbuchenbestände durch Nadelholzkulturen zu ersetzen, würden im Steigerwald heute wie andernorts auch Nadelholzforste dominieren. Es gäbe keine Begründung mehr darüber zu diskutieren, ob diese Wälder würdig sind, als weiterer deutscher Beitrag in die Liste der UNESCO als Weltnaturerbe Europäische Buchenwälder aufgenommen zu werden.Durch konsequente Bejagung, anfänglich verbunden mit großflächiger Schutzzäunung, gelang es ihm gegen heftigste Widerstände die natürliche Vielfalt der heimischen Baumarten mitsamt der Bodenvegetation vor dem Verbiss des Rehwildes zu sichern.

Dieses vorausschauende Handeln beruht neben weltweiten Erfahrungen auch auf seinen Kenntnissen der Forstgeschichte, die er als Mitglied im „Arbeitskreis Forstgeschichte in Bayern“ sammelt und in Referaten weitergibt.

Das Forstamt Ebrach, das Dr. Georg Sperber von 1972 – 1998 leitete, wurde schon früh zu einem „Wallfahrtsort“ für naturnah orientierte Förster. Dr. Sperbers Ziel war es, auch im Wirtschaftswald die waldtypische Vielfalt an heimischen Pflanzen-, Pilz- und Tierarten durch Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume zu bewahren, insbesondere auch durch respektvollen Umgang mit altehrwürdigen Bäumen. Hinzu kamen besondere Naturschutzmaßnahmen wie die Anlage zahlreicher Amphibientümpel oder Fledermausquartiere. In einem seiner für den Bayerischen Rundfunk produzierten Fernsehfilme stellte Sperber bereits in den 1970er Jahren Schönheit und Bedrohung der Buchenwälder am Beispiel des Steigerwaldes öffentlichkeitswirksam vor („Wo der Wald am grünsten ist – Der Buchenwald“, Sendezeit 41 Minuten).

Zusammen mit Dr. Hans Bibelriether leitete er als Stellvertreter das Nationalparkamt Bayerischer Wald und setzte sich mit Kollegen auch für die Ausweisung weiterer Nationalparks ein. Seit langem engagiert er sich für die Errichtung eines ersten fränkischen Nationalparks im nördlichen Steigerwald, der mit der Bewahrung des fränkischen Naturerbes Buchenwälder auch der Region Steigerwald insgesamt eine Entwicklungsperspektive eröffnen würde.

Sperber wurde für seine Verdienste wiederholt ausgezeichnet. So verlieh ihm der Deutsche Forstverein 1968 für die aus Anlass seiner Jahrestagung in Nürnberg verfasste Festschrift „Die Reichswälder bei Nürnberg“ seinen Lorenz-Wappes-Preis. Der Bund Naturschutz, für den Sperber langjährig in verschiedenen Funktionen tätig war, zeichnete ihn mit der Carl-Gayer-Medaille, der Bayerischen Naturschutzmedaille und seiner Großen Verdienstnadel aus. Die Karl Kaus-Stiftung für Tier und Natur in Bonn verlieh ihm ihren Naturschutzpreis. 1995 erhielt er die „Steigerwald Medaille“ des Steigerwaldclubs „für besondere Verdienste um die Erhaltung der Kultur im Steigerwald“. Die Umweltredaktion des Bayerischen Fernsehens ehrte ihn 1997 mit dem „Grünen Oskar“. Besonders freute er sich, dass auch Aktivitäten in seiner besonderen Liebhaberei anerkannt wurden: 1993 gelang Sperber die Erstzucht des Rotflanken-Brillenvogels, eines Bewohner der Urwälder im äußersten Osten Sibiriens; die Gesellschaft für Tropenornithologie verlieh ihm hierfür ihren Preis für den seltensten Zuchterfolg des Jahres, die Redaktion der ältesten Vogelliebhaberzeitschrift ihre Goldmedaille.

2011 wurde er vom Bundesumweltminister mit dem Ehrenpreis des Deutschen Naturschutzpreises ausgezeichnet. Damit wurde der „Schutzpatron der Buchen“ für sein langjähriges herausragendes Engagement im Waldnaturschutz gewürdigt.

Ulla Reck

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