Kommunales Online-Fahrradportal

Wolfgang Bönig

Internetauftritt des Fahrradportals Duisburg

Das vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu) im Rahmen des nationalen Radverkehrsplans betriebene Fahrradportal berichtet über das Online-Portal der Stadt Duisburg (hier) zum Thema Fahrradverkehr. Ein Vergleich mit www.Fahrradforum.Bamberg.de drängt sich mir als in Bamberg lebendem, gebürtigem Duisburger natürlich auf.

Grundsätzlich sind die Halbmillionenmetropole an der Schnittstelle von Rheinland und Ruhrgebiet und die oberfränkische Bistumsstadt kaum zu vergleichen. Parallelen in der verkehrspolitischen Entwicklung sind indes vorhanden:

Auch Duisburg bezeichnet sich schon lange als fahrradfreundlich und führte als Begründung die im Vergleich hohe Kilometerzahl baulicher Radwege sowie den zwar bescheidenen, im Vergleich zum benachbarten Düsseldorf aber deutlich höheren Verkehrsanteil des Fahrrads an. Dass die Infrastruktur eher unfallträchtig und keinesfalls an den Bedürfnissen des Radverkehrs ausgerichtet war, interessierte die entscheidenden Personen in Stadtverwaltung und Kommunalpolitik nicht. Wie in Bamberg war, wenngleich aus anderen Gründen, der durchaus angestrebte Umbau zur autogerechten Stadt nicht gelungen. Der Beitritt zur AGFS (Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte in NRW e.V.) wurde lange Zeit abgelehnt, die vom Verkehrsverbund vorgegebene Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln nur widerwillig und zurückhaltend umgesetzt.

Das Umdenken setzte erst nach dem Mehrheitsverlust der seit Jahrzehnten den Stadtrat dominierenden Partei ein.

Ein Fahrradparadies ist die Stadt noch lange nicht. Doch wird das umweltverträgliche Fahrzeug jetzt als Verkehrsmittel ernstgenommen. Eine Fahrradstation am Hauptbahnhof sowie die Mitgliedschaft in der AGFS sind nur zwei Beispiele aus der Positivliste.

Auffälligste Eigenschaft des Duisburger Online-Fahrradportals ist der weitläufige Anspruch des Angebots. Zwar kommt die Tatsache, daß das Fahrrad – im Gegensatz zum (nicht nur) in Bamberg gern kolportierten Eindruck – in erster Linie Alltagsfahrzeug und eben erst an zweiter Stelle Freizeitgerät ist, etwas kurz. Der Verweis auf Aktionen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“ und die Verknüpfung mit dem Thema Umweltverbund (Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln) zeigen indes, das dieser Aspekt nicht ignoriert wird.

Das Bamberger Portal hat erhebliches Entwicklungspotenzial

Ohne das Duisburger Portal im Detail bewerten zu wollen, erkenne ich im Bamberger Angebot erhebliches Entwicklungspotential. Radverkehr im wesentlichen auf Freizeitnutzung zu reduzieren und ihn vor allem als Verkehrshindernis und Unfallrisiko zu betrachten, wird der Realität – und den Erfordernissen einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung – nicht gerecht. Unverzichtbar wird sein, die ehrliche Kooperation mit den Protagonisten einer menschen-, umwelt- und stadtverträglichen Verkehrsentwicklung zu suchen. Sie nur als Feigenblatt benutzen zu wollen, die Entscheidungen aber unter dem Einfluß der Autolobby (Automobilclubs und andere) zu treffen, führt letztlich in die Sackgasse.

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