„Bitte Scheibe einschlagen“?, zu den Universitätsneubauten an der Markusstraße

Wolfgang Neustadt

Graffiti. Foto: Wolfgang Neustadt

Erstaunen bereitete das auf dem Neubau eher versteckt an einem Treppenabgang untergebrachte Graffito: „zur Wahrung der anarchistischen Komponente bitte Scheibe einschlagen“. Diese „Verewigung“ war offenbar nicht allein auf diesen Neubau hier bezogen: sie war schabloniert, so dass entsprechende, die demokratisch freiheitlichen Grundrechte arg strapazierenden Wahlsprüche auch andernorts zu erwarten sein werden.

Deutlich weniger diskussionswürdig zeigt sich hingegen die erst kürzlich hier entstandene Neubauarchitektur selbst, entworfen von der ARGE Gatz, Kuntz und Manz. So urteilte die Jury des 2008 ausgeschriebenen nationalen Wettbewerbs, eher noch platonisch: „Der Campusgedanke mit einer lockeren Anordnung der Baukörper (auch Bauabschnitte) an einer städtebaulich interessanten „Passarelle“ mit einem Forum und mehreren Innenhöfen ist städtebaulich überzeugend und bietet viele Räume für Kommunikation.“ Dem lässt sich eigentlich nur wenig hinzufügen, allenfalls nur weiter Lobendes. Der Baukomplex ist in „concetto“ und Umsetzung der geforderten Campus-Idee in Gestalt und Material einfach nur überzeugend.

Fassade. Foto: Gatz

Die städtebaulichen Ansprüche waren beileibe nicht gering. Baumassen und Freiräume mussten verträglich für den nicht unempfindlichen Blockinnenbereich angelegt werden. Wenngleich wiederum eine zu starke städtebauliche Diversifizierung gleichwohl nicht gewünscht war. Auch sollte das zu entwickelnde Konzept Rücksicht nehmen auf die Denkmaleigenschaften der umgebenden Gebäude im von Bestandsbauten eingefassten Innenhof. Die übergeordnete Bedeutung für das Stadtbild aus der Fernsicht des Rosengartens und von Kloster Michelsberg blieb zu bedenken. Und die Markus-Villa sollte in ihrer besonderen städtbaulichen Bedeutung und Situation einbezogen werden.

Für alles hatten die Architekten richtige Antworten. Dem Interessierten bieten sich immer wieder überraschende Ein-und Ausblicke, innen und außen.

Treppenhaus. Foto: Gatz

Die unterschiedlich durchgestalteten Fassadenflächen, Baukörper und Öffnungen stehen in einem interessanten, insgesamt harmonischen und schnell erfassbaren Verhältnis zueinander. Nicht nur die Anlage der nahezu intimen Innenhöfe, im spannungsreichen Durchblick-Bezug zum „Campus“, auch die Innengliederung der einzelnen Fassaden lässt keinerlei Monotonie aufkommen. Auch an eine Öffnung der Innenräume zu Foyer und Außenbereich durfte planerisch gedacht werden.

Foto: Wolfgang Neustadt

Besonders gelungen erscheint in der Tat die offiziell gelobte „Passarelle“ (die Jury- Eindeutschung aus dem italienischen „passerella“ erscheint dagegen weniger erfreulich!). Sie betont mittels sogenanntem „Appendix“ (verglaster „Brücken“teil) geglückt die erwünschte Verbindungsfunktion des Baus zwischen Markus- und Steinertstraße.

Einige Anwohner waren anfangs von der Verbauung ihres gewohnten Bamberger Innenhofs keineswegs begeistert. Sie konnten nun hoffentlich vom Besseren überzeugt werden.

Sehr schade: leider blieb die ausdrücklich zu planende und von den Architekten auch vorgesehene Einbeziehung der Markusvilla in den Campuskomplex nur Makulatur. Die nachfolgende Kitaumnutzung führte zur jetzigen Isolierung des ursprünglich einzubindenden Baukörpers.

Foto: Wolfgang Neustadt

Die Architekten wollen ihre Lösung tiefstapelnd als „zeitgemäße“ Architektur verstanden wissen, eine endgültige stilistische Bewertung möchten sie doch den Zeitläuften überlassen.

Bambergs Uni muss auch baulich fit gemacht werden für die Zukunft, um im internationalen Vergleich bestehen zu können. Dafür kam ein neuer Campus in Aufwertung des Innenstadtstandorts genau richtig, wo man doch langfristig bereits an die Aufgabe des Zentrums an der Feldkirchenstraße denkt.

Das Projekt war in drei Bauabschnitten angelegt. Ausgeführt wurden bisher nur die zwei Institutsgebäude mit insgesamt ca. 2.700 m2 (HNF) sowie die Tiefgarage. Den ursprünglich zusätzlich geplanten Mensabau (Bauabschnitt 3) will der Auftraggeber auf eine Cafeteria reduzieren, die Planungen laufen.

Hiermit konnten die Architekten eindrucksvoll erneut den Beweis erbringen, dass „Neues Bauen in der alten (UNESCO) Stadt“ Bamberg sehr wohl gelingen kann.

Weitere Beispiele dafür wollen wir aus Stadt und Landkreis Bamberg in Zukunft in lockerer Reihenfolge anbieten. Auch besonders einige, die nach unserer Meinung bisher keineswegs ausreichend gewürdigt wurden.

Die „Architektouren 2012“ bieten vom 23. bis 24.6. ausreichend Gelegenheit, u.a. den hier geschilderten architektonischen Reizen genüsslich nachzuspüren (Öffnung des Unikomplexes am 24.6. von 15 bis 17.30 Uhr, Anwesenheit der Architekten).

Weitere Architektour-Veranstaltungen in Bamberg und naher Umgebung: Ausstellungsplattform an der Heiliggrabstraße (Samstag und Sonntag) sowie das Fahrradparkhaus der Stadtwerke Bamberg an der Brennerstraße (Samstag 15 bis 17 Uhr); Anbau am Levi-Strauss-Museum in Buttenheim (Führung am Samstag 15 Uhr).

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