Verlust von preiswerten Radiesla …

Ortstermin der GAL-Stadtratsfraktion im Ladenzentrum Babenberger Viertel. Foto: Kiki Laaser

… Sonderbestellungen und einem nachbarschaftlichen Treffpunkt?

Wenn der „Frische-Markt Süd-West“ im Herzen des Babenberger Viertels schließt, wäre dies das Aus für die Nahversorgung.

„Die Radiesla, die ich letzthin hier gekauft hab’, waren viel billiger als unten in der Stadt am Markt“, sagt mit Nachdruck ein älterer Bürger und deutet auf den kleinen „Frische-Markt Süd-West“. Vor dem haben sich knapp 50 Leute versammelt, um ihr Interesse an dem Bestand des kleinen Lebensmittelladens mitten im Babenberger Viertel zu bekunden.

Eingeladen hatte zu dem Ortstermin die GAL-Stadtratsfraktion, die von der Anwohnerschaft alarmiert worden war. Zum Ende des Monats wurde Ladeninhaber Franke von der Joseph-Stiftung, die Eigentümerin der Geschäftsflächen rund um den kleinen Stadtteilplatz ist, gekündigt. Nun weiß er nicht, wie es weiter gehen soll. Auch viele BürgerInnen bangen um ihre nahe Einkaufsmöglichkeit und fürchten, dass bald auch die anderen Geschäfte schließen könnten.

GAL-Stadträte Wolfgang Grader (links) und Peter Gack (rechts) mit "Frische-Markt Süd-West"-Inhaber Franke an seiner Ladentheke (Mitte). Foto: Kiki Laaser

Dass Frankes „Frische-Markt“ mehr ist als Regale mit Gemüse und Konserven betont eine seiner Kundinnen: „Man trifft sich hier ja auch, kann sich austauschen und unterhalten, hat soziale Kontakte.“ Und die seien besonders den vielen älteren Menschen in dem Viertel sehr wichtig. Beifall in der Menge unterstreicht, wie sehr die Frau allen anderen aus dem Herzen spricht.

Für den jetzigen Laden hat die Joseph-Stiftung wohl eine andere Nutzung vorgesehen, deshalb auch die Kündigung – was genau, wusste bei dem Ortstermin niemand. Darum will sich GAL-Stadtrat Wolfgang Grader nun kümmern, ebenso wie um das Alternativ-Angebot, das die Joseph-Stiftung Franke gemacht hat: Einen kleineren Ladenraum ein paar Häuser weiter könnte er übernehmen. „Der wäre auch okay“, meint Franke, „aber zu einem fünf mal höheren Preis! Das kann ich nicht bewältigen.“

Im Inneren des Ladens wird deutlich, dass es sich hier nicht um einen normal kommerziellen Supermarkt handelt. Da sind zwar Suppendosen und Nudeln im Regal, Tiefkühlpizza in der Truhe, es gibt Eier, frische Brötchen, Kohlrabi und Cherry-Tomaten. Aber das Angebot kann mit der Auswahl herkömmlicher Ketten nicht konkurrieren. Franke bietet eine Grundversorgung, hat ein Angebot mit den wichtigsten Produkten – von der Qual der Wahl wird man hier nicht geplagt. „Dafür aber hat man einen Laden gleich um die Ecke“, betont Franke. Und mit individueller Betreuung: „Wenn jemand einen besonderen Wunsch hat, besorge ich das“, sagt er und hält eine Packung mit Cappuccino-Pulver in die Höhe, die Sonderbestellung einer Kundin. Franke hat auch nicht den ganzen Tag geöffnet, das könnte er sich nicht leisten. Nach 13 Uhr verdient er anderswo sein Geld, außer donnerstags, da trifft man ihn auch nachmittags an.

Dass es für das kleine Ladenzentrum im Herzen des Babenberger Viertels längst 5 vor 12 geschlagen hat, lässt sich unschwer erkennen. Der Bäcker hat schon länger geschlossen. Der Metzger, der bis vor kurzem noch eine Theke in Frankes „Frische-Markt“ hatte, hat aufgegeben. Die Zukunft des Schlecker-Marktes steht in den Sternen. Ein weiterer Laden steht leer. Hingegen erntet der benachbarte Getränke-Markt höchstes Lob, denn er liefert für billiges Geld schwere Kästen auch nach Hause, und das wissen die vielen betagten AnwohnerInnen hier zu schätzen.

Doch von Wertschätzung allein können Franke und die umliegenden Geschäfte nicht leben. „Es werden immer weniger Kunden“, so Franke, „weil die meisten dann doch lieber in den Supermärkten mit großem Angebot einkaufen.“ Doch als Ergänzung dazu sieht er sehr wohl eine Zukunft für sein Lädchen. „Wenn die 900 Haushalte hier wenigstens 5 oder 6 Euro im Monat bei mir einkaufen würden, wäre das ja schon genug“, rechnet er vor.

Dies griff Anwohner Peter Müller zustimmend auf: „Die Geschäfte hier werden nur überleben, wenn wir, wenn jeder von uns auch dort einkauft. Es liegt an uns, sie zu erhalten.“ Die Hoffnung liegt jetzt auf einem Engagement des Bürgervereins, mehr Einkaufsbewusstsein bei den Nachbarn und einem Einlenken von Seiten der Joseph-Stiftung. Betroffene, die sich engagieren wollen, können Kontakt zu Peter Müller aufnehmen: Tel. 57474, muebam@t-online.de